Paul Ziemiak spricht über die Zukunft
Dialogabend in der VHS beleuchtet Polens Rolle in Europa und die Zusammenarbeit beider Länder
Die deutsch-polnischen Beziehungen, Polens Rolle in Europa und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft der Europäischen Union standen im Mittelpunkt einer Dialogveranstaltung, die am Samstag, 20. Juni, in der Volkshochschule Gütersloh stattfand. Eingeladen hatten die Deutsch-Polnische Gesellschaft Gütersloh und das Europe Direct Kreis Gütersloh mit seiner Trägerorganisation, der pro Wirtschaft GT GmbH, in Kooperation mit der Volkshochschule Gütersloh (VHS). Zu Gast war Paul Ziemiak, Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe.
Michael Manhold, u.a. Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Gütersloh, führte durch die Gesprächsrunde, in der historische Entwicklungen, aktuelle politische Fragen und persönliche Perspektiven auf das deutsch-polnische Verhältnis miteinander verbunden wurden. Rouven-Mathis Piesch, Leiter des Europe Direct Kreis Gütersloh, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass die gute Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Gütersloh und der VHS Gütersloh europäische Themen vor Ort sichtbar und diskutierbar mache.
Für die Stadt Gütersloh betonte der erste stellvertretende Bürgermeister Markus Kottmann, solche Gesprächsformate seien gerade in politisch und gesellschaftlich herausfordernden Zeiten „von besonderem Wert“. Deutschland und Polen verbinde heute weit mehr als eine gemeinsame Grenze: Beide Länder seien enge Partner in Europa, wirtschaftlich eng verflochten und durch zahlreiche persönliche, kulturelle und gesellschaftliche Beziehungen miteinander verbunden.
Paul Ziemiak erinnerte an die Jahre 1989 und 1990 als eine Zeit tiefgreifender Veränderungen in Europa. Vieles, was heute selbstverständlich erscheine, sei damals keineswegs absehbar gewesen. Besonders würdigte er die Bedeutung der polnischen Freiheitsbewegung Solidarność, die entscheidend dazu beigetragen habe, demokratische Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa anzustoßen.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die wirtschaftliche Entwicklung Polens und deren Bedeutung für Deutschland. Polen sei heute ein bedeutender Wirtschaftsraum und ein wichtiger Partner für deutsche Unternehmen. Gerade der deutsche Mittelstand, die Automobilindustrie und Zulieferbetriebe hätten von der Entwicklung Polens und der EU-Erweiterung profitiert. „Unser Mittelstand wäre ohne die Entwicklung in Mittel- und Osteuropa nicht in dieser Form gewachsen“, machte Ziemiak sinngemäß deutlich.
Zugleich verwies Ziemiak auf Unterschiede in der gegenseitigen Wahrnehmung. In Polen gebe es nach seiner Erfahrung in vielen Familien persönliche Bezüge zu Deutschland — durch Arbeit, Studium, Besuche oder familiäre Kontakte. In Deutschland hingegen sei das Wissen über Polen oft weniger ausgeprägt. Das Verständnis für Polen wachse vor allem dann, wenn Menschen bereit seien, das Nachbarland kennenzulernen und eigene Verbindungen wahrzunehmen.
Auch Polens gewachsenes Selbstbewusstsein in Europa, die Zusammenarbeit auf Augenhöhe sowie konkrete gemeinsame Aufgaben wurden thematisiert. Dazu zählten unter anderem bessere Bahnverbindungen zwischen Deutschland und Polen sowie die sicherheitspolitische Lage in Europa. Ziemiak verwies darauf, dass Polen angesichts seiner geografischen Lage und der aktuellen Bedrohungslage im Osten Europas eine besondere sicherheitspolitische Verantwortung trage.
Am Ende wurde deutlich: Die deutsch-polnische Partnerschaft lebt nicht allein von politischen Entscheidungen, sondern von Begegnungen, zivilgesellschaftlichem Engagement, Bildungsarbeit und Menschen, die den Dialog suchen. Die Kooperation der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Gütersloh, Europe Direct Kreis Gütersloh, der Pro Wirtschaft GT GmbH und der Volkshochschule Gütersloh setzte dafür ein anschauliches Zeichen.
Paul Ziemiak (Dritter von rechts), Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe, war Gast des Dialogabends in der VHS, unterstützt durch (v.l.) Nikola Weber (Geschäftsführerin Pro Wirtschaft GT), Rouven-Mathis Piesch (Europe Direct Gütersloh), Désirée Solle (Leiterin VHS Gütersloh), Dr. Gerhard Nübel (Vorsitzender Deutsch-Polnische Gesellschaft Gütersloh), Michael Manhold (Vorstandsmitglied Deutsch-Polnische Gesellschaft Gütersloh) und den ersten stellv. Bürgermeister Markus Kottmann. Foto: VHS Gütersloh










