Sommer 2026 | Von Heiner Wichelmann

Gütersloh ist nicht spektakulär. Das wissen wir. Passt auch nicht zu uns, da können unsere Unternehmen noch so international unterwegs sein, zu Hause geht‘s eben ostwestfälisch zu, Treue zu sich selber ist ja auch was Schönes. Schade nur, dass die Wege in der Stadt zwar angenehm kurz sind, aber die zu einer gemeinsam getragenen Idee oftmals so lang. Von der Umsetzung mal ganz zu schweigen.

Unser beständig gewachsener Wohlstand birgt eine Gefahr: Er hat Erwartungen geweckt, die jedenfalls auf Sicht nicht erfüllbar sind. Den Populisten ist’s recht. Genau ihr Ding.

Einfach machen könnte in Gütersloh auch bedeuten: einfach hingehen. Die Aktions-Performance des norwegischen Künstlers Björn Venø im Gartenpark von Karl-Theodor Mumperow wird uns noch lange Zeit in staunender Erinnerung bleiben. So simpel. So still. So große Kunst im Kleinen. Immer deutlicher wird, welcher Gewinn für Gütersloh in Nirgüls Projekt Europäischer Künstlerweg steckt. Sie hatte den international geachteten Aktionskünstler unterwegs in Norwegen getroffen und ihn nach Isselhorst eingeladen. Es werden noch viele andere kommen. Also einfach hingehen.

Wie kann es sein, dass unsere Alten- und Pflegeheime, unsere Krankenhäuser und sogar die Geburtsstationen weitgehend ohne Klimaanlagen arbeiten? Jüngst geschehen: Ein gerade entbundenes Baby bekommt aufgrund der übergroßen Hitze in der Geburtsstation nur ungenügend Luft und muss nach Lippstadt ins dortige klimatisierte Krankenhaus gebracht werden. Da verbietet sich jeder Hinweis auf die gebotene Reduzierung der CO2-Emissionen. Punkt!

Anmutig der Gang zum Marktstand. Unmutig das Stehen in der Warteschlange.

Die Gelegenheit des Ausverkaufs wegen Insolvenz nutzt der Kunde neben mir zum gnadenlosen Feilschen um den letzten Euro Rabatt. Ich empfinde Fremdscham.

Der Baugerüst-Vorhang fällt und offenbart Ansprechendes: Wie ein Schmetterling aus der Raupe hat sich die Hausfassade an der Ecke Berliner Straße, Münsterstraße zu einem Beispiel ästhetisch gelungener Architektur entpuppt. Tut der Stadt gut.

Sie verließen den Raum, und ich war frei. Sofort fiel mir die Lösung für die Reparatur ein.

Liebe Stadtbibliothek, jetzt sind wir schon seit 42 Jahren deine treuen Kunden, und wir wissen, was wir an dir haben. Aber auch, was wir nicht haben: Warum ist euer Cafébereich im Parterre so wenig inspirierend? Wir würden uns dort gerne mit Büchern und Zeitungen beim Kaffee aufhalten können. Schon ein Stoffhimmel könnte ein gemütliches Raumgefühl entstehen lassen. Es mangelt an Geld? Wendet euch vertrauensvoll an eure Besucherinnen und Besucher und sammelt mal ein Jahr lang Spendengelder im Haus ein – Ideen und Gelegenheiten gibt’s genug. Siehe oben: einfach machen!

Kindliche Unschuld zaudert nicht mit der Sprache. Wir sind zu Besuch und übernachten bei unserem Sohn. Frühmorgens ziehen uns die Enkel aus dem Bett, und ich sehe mein müdes Gesicht im Spiegel: „Oh Gott, wie sehe ich denn aus?“ Flötet die Kleine: „Da musst du morgens mal den andern Opa sehen.“ Ja, Dankeschön.

Heiner Wichelmann