Gütersloher Splitter
September 2026 | Von Heiner Wichelmann
In die Stadt zu gehen, um vielleicht den einen oder anderen zu treffen, ein bisschen zu quatschen – das klappt nicht immer. Wie wär’s mit Plauderbänken hier und da in der City? Wer Platz nimmt, möchte ein bisschen reden, ist auf jeden Fall ansprechbar. Hinsetzen, plaudern, miteinander ins Gespräch kommen: der Anfang wäre ge-macht. Man kann ja mal darüber nachdenken, oder? Zur Einweihung der ersten Plauderbank in Gütersloh käme bestimmt der Bürgermeister. Nicht der schlechteste Gesprächspartner.
Fünf Tangonächte am Stück, 22 Stunden Workshops und Milongas. Der Schweiß fließt, ach was: spritzt aus den Poren. Rausch ohne Alkohol, Adrenalin im Overload, kurz vorm Notarzt. Ich, der alte Mann, bin im Eimer. Und glücklich.
Ich habe eine große Knotenaufmachgeduld entwickelt. Wenn ich Zeit habe.
Warum ist ein Garten nie fertig? Höchstens mal für ein Wochenende? Hast du die Ameisen unter der Terrasse vertrieben (Geheimrezept, geerbt), macht sich die Wühlmaus ans Werk; blättert am Gartenhausfenster die Farbe ab, rankt die Vogelmiere im Rhododendron hoch. Immer was zu tun, ist ja nett, aber lästig. Und schon ist
der Sommer vorbei.
Bevor ich wieder mal einem Ortsfremden die sympathische Durchschnitts-Normalität als Hauptattraktion unserer Stadt verkaufen muss – wäre es nicht mal Zeit, über ein großes, dreitägiges Stadtfest mit Strahlkraft in die ganze Region hinein nachzudenken? Für unsere Geschäfte, Gastronomie, Hotels, für uns alle? Im Kleinen sind wir doch so gut, warum trauen wir uns das Große nicht?
Samstag, Sonntag oder in der Woche: Ich gehe gerne zu den Heimspielen des FC Gütersloh. Die rituelle Parteilichkeit beim Fußball ist mir seit Jugendtagen vertraut. Und unter uns, wir wollen es nicht beschreien: Wittern Sie in dieser Saison nicht auch die Chance zum …? Psst!
Der Bandscheibenvorfall im Frühjahr wirkt noch nach und strukturiert meinen Alltag neu: Feldenkrais, Gymnastikübungen, Fitnessstudio, Rehakurs und vorher, während, nachher: Bewegung, Bewegung, Bewegung …
Wer langsam fährt, wird länger gesehen, weiß derPoser in seiner tiefergelegten Wochenend-geleasten Fetischkarosse. Scheint für E-Scooterfahrer – mit ihrem Tempo gefühlt schon auf der Autobahn – nicht so
wichtig zu sein. Welche potentielle Braut würde auch schon beim Scooter-Posen vorm Lokal aufs schmale
Brett hüpfen?
Mein Auto ist frisch gewaschen, hat die Parkdauer ein wenig überschritten und wird notiert. Nicht aber die
beiden Menschen da, deren Klamotten, Gang, Haltung jeden Sinn für Ästhetik zum Nachteil des Stadtbilds vermissen lassen.
Bei manchen Urlaubserzählungen von Bekannten denke ich: Auf Reisen kann man sich wunderbar vom Alltag
erholen, weil man dann wenigstens andere Probleme hat. Hauptsache weg, Hauptsache wieder da.
Alles andere als einen kompletten Neubau der alten Karstadt-Immobilie kann ich mir gar nicht vorstellen. Erhalt der Fassade nach vollständiger Entkernung, um Licht in das Gebäude zu bekommen? Ausgeschlossen.
Beim langersehnten Einschulungstag lernt der jüngste unserer fünf Enkelkinder seine Lehrerin kennen und
macht sich gleich unvergesslich: „Wann sind die Herbst-
ferien?“
Heiner Wichelmann


