April 2026 | Von Heiner Wichelmann

Urlaubspläne für dieses Jahr? Noch Theorie. Nicht, dass wir am Hormus-Bogen plantschen wollten, aber Klima, Krieg und Kosten sind als Spaßbremsen allgegenwärtig. Egal – Gütersloh als Endloszustand geht auch nicht, wir müssen hier mal raus, dorthin, wo’s gesund und friedlich ist. Und wir nicht gemolken werden.

Veerhofhaus, Stadtbibliothek, Josefshaus, Seniorenzentrum am Bachschemm und die Weberei: Wie das alles passt und sich fügt und zusammengehört! Güterslohs stolzes Quartier am Südtor.

Bürgernah hätte Gütersloh Marketing den Barden durch beidseitiges Ohrläppchendrehen städtischen Standpunkt vermitteln können („Pass up, nächst Joar wärd ich amtlich!“ oder so), und dann wär’s auch erledigt gewesen auf dem Berliner Platz. Aber etwas Gutes hatte die unglückliche Aktion beim toll organisierten Gütersloher Frühling dann doch: Die AfD kam aus ihrem Versteck. Ihre Weg-mit-Forderung rüttelt wach.

Im aktuellen Stadtgespräch mit dem Architekten über die Kirchen in unserer Stadt der Gedanke, sie als Kühlräume in heißen Sommerwochen zu nutzen. Vesperkirchenähnlich, als Orte der Kommunikation.

Ostern mit der Familie: laut und lustig, anstrengend und diskutierend, friedlich und auch mal streitend. Alles normal also, wir fallen abends müde ins Bett (irgendwann auch die Kinder). Erholung bis zum Frühstück und weiter geht’s. Nächstes Jahr wieder so.

Das lodernde Feuer steht für spirituelle Energie, für das Licht der Welt, das die Finsternis vertreibt – die Schlange am Bratwurststand vor dem Spexarder Bauernhaus befriedigt parallel profanes Bedürfnis. Rauch vom Platz, Rauch aus der Bude.

Habe heute nach gefühlt Jahrzehnten gelegentlicher beiläufiger Begegnung dem Menschen spontan kopf-
nickend zugeblinzelt und wurde zurückgelächelt. Wir werden es ab jetzt wohl immer tun müssen.

Der Kerl da neben mir ist ein Fitnessmonster, fährt jedes Spinning-Rad zu Schrott. Meine klammheimliche
Challenge beende ich nach erstem Luftschnappen. Ganz klar: Die Vernunft ist bei mir. Gewonnen.

Mein alter Lebensfreund in Holland ist schwer erkrankt und liegt seit Wochen hilflos im Bett. Die Nachricht seiner Frau rührt mich. Ich möchte mit ihm reden, was zurzeit nicht geht, aber ich bin seit dem Telefonat zu Ostern ständig im stillen Gespräch mit ihm. Spricht er auch mit mir?

Kommentare in d en sozialen Medien sind zumeist: stumpfe Wiederholung.

Die Sonne und die Wärme sind wie das Aufziehen des Vorhangs nach endlos langen graukalten Winterwochen. Wiedererweckte Energie, Lust zur Aktivität. Aber in diesem schrecklichen Jahr auch das Gefühl lähmender Hilflosigkeit.

Unsere Kulturkritiker in den Zeitungen überschlagen sich vor Begeisterung. Und ich habe wieder die Veranstaltung verschlafen. Tröstend allein: Geld gespart.

Vergnüglich anzuschauen, wie die ostereiersuchenden Enkelkinder nach dem versteckten Kleinkram hinter
Stauden, Pflanzen, Kübeln suchen und jedes Fundstück billigen Vergnügens triumphierend in die Höhe halten. Das Finden macht den Spaß. Objekt egal. Es muss nur gerecht aufgeteilt werden, aber das machen die souverän unter sich aus. Wir staunen.

Heiner Wichelmann