Im Stadtpark
Das Beste für unsere Gesundheit denken
An der Eiswiese im Gütersloher Stadtpark wird der Blick weit. Maud Beste mag diesen Platz, weil er das Tempo aus den Dingen nimmt. Wer hier sitzt, sieht Grün, Himmel, Menschen. Hier hat sie mittags vielleicht ein Brötchen in der Hand und kann Gedanken sortieren, bevor die wieder zu Zahlen, Bauplänen und Krankenhauspolitik werden.
Für die 59-jährige Geschäftsführerin des Klinikum Gütersloh ist ihr Lieblingsplatz ein stiller Gegenpol zu einem Beruf, der selten still ist. Thorsten Wagner-Conert hat sie dort getroffen.
Seit 16 Jahren führt Maud Beste das Klinikum. Wirtschaftliche Defizite, Fachkräftemangel, Reformdruck, alte Gebäude – Maud Beste kennt diese Lage, aber sie spricht darüber ohne Alarmismus. Früher habe das Klinikum über viele Jahre leichte Überschüsse erwirtschaftet, oft auf Kosten der Instandhaltung. Seit ihrer Zeit sei mehr investiert worden: in Gebäude, Technik, Zukunft. Das mache ein Haus besser, aber nicht einfacher zu führen. Seit drei Jahren gebe es eine Krise, wie sie die Krankenhäuser so noch nicht erlebt hätten.
Das Klinikum Gütersloh stehe nicht schlechter da als andere. In einem Vergleich mit anderen, ähnlichen Häusern liege man eher über dem Durchschnitt. Trotzdem rechnet auch Gütersloh mit einem Defizit. Bei rund 110 Millionen Euro Budget sorgt schon ein Prozent Defizit für die Frage, wie gute Medizin bezahlbar bleibt.
Ihre Antwort ist nüchtern und anspruchsvoll: Das Klinikum soll ein Haus sein, dem man die eigene Familie anvertrauen würde. In jeder Abteilung. Ohne Einschränkung. Deshalb spricht sie vom Weg zum „Magnetklinikum“, von Innovation, Exzellenz, Führung, Qualität und einem Umgang mit Mitarbeitern und Patienten, der mehr sein soll als Verwaltung. Der Weg sei ein Marathon. Manchmal zwei Schritte vor, einer zurück. Aber sie sieht Fortschritte.
Maud Beste wirkt nicht wie eine, die sich von Problemen beeindrucken lässt, nur weil sie groß sind. Eher ist sie jemand, der ihnen Namen gibt, sie in Tabellen zerlegt und Lösungen baut. Sie erzählt vom neuen Zentral-OP und von dem Moment, in dem aus Planungen auf dem Reißbrett ein funktionierendes Gebäude wird. Sie erzählt beispielsweise von Projekten mit der Bürgerstiftung, etwa für demenzkranke Patienten. Nicht alles gelinge gleich perfekt. Aber für Maud Beste zählt, dass sich etwas bewegt.
Der Altbau des Klinikums stammt aus den 1930er-Jahren und lässt sich nach Maud Bestes Einschätzung nicht dauerhaft ertüchtigen. Irgendwann – wohl innerhalb der kommenden zehn Jahre – wird ein Neubau nötig sein. Krankenhausentwicklung ist für sie eine dauernde Aufgabe: prüfen, abwägen, investieren, weiterdenken. Was sie trägt, ist nicht nur die eigene Belastbarkeit, sondern auch Lust auf Gestaltung. Ein guter Tag ist für sie, wenn Projekte vorankommen, wenn offene Stellen mit Menschen mit Energie, Ausdauer und Motivation besetzt werden – mit Menschen, „die man nicht zum Jagen tragen muss“, wie sie sagt.
Ihren Arbeitsweg legt sie gern mit dem Fahrrad zurück: Maud Beste fährt von Verl aus ins Klinikum, hinten herum, über ruhige Strecken, durch Grün, mit wenig Verkehr. Morgens sortiert sie Gedanken, kommt klarer im Büro an. Abends schafft der Weg Abstand. Vielleicht ist das ihr Gegenmittel gegen den Druck: Bewegung, Natur, ein langer Atem.
Und dann ist da wieder diese Eiswiese. Im Sommer hat sie logischerweise kein Eis, aber sie bietet Gelegenheit, den Kopf zu sortieren. Für Maud Beste ist dieser Ort kein Luxus. Er ist ein Atemholen, bevor es ganz in der Nähe weitergeht mit der Aufgabe, ein Krankenhaus so zu führen, dass man es jederzeit guten Gewissens empfehlen kann.
Foto: Thorsten Wagner-Conert






