IHK zieht positive Bilanz 

Mit einem wirtschaftspolitischen Abend in Gütersloh sind am Donnerstag (11. Juni) die 21. Internationalen IHK-Begegnungstage „Ostwestfalen meets Latin America“ erfolgreich zu Ende gegangen. Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) zieht eine positive Bilanz der dreitägigen Veranstaltungsreihe. „Die große Resonanz mit rund 550 Anmeldungen und die intensiven Gespräche zeigen deutlich: Lateinamerika gewinnt für unsere Unternehmen weiter an Bedeutung. Gerade in einem zunehmend unsicheren globalen Umfeld suchen viele Betriebe gezielt nach neuen Märkten und verlässlichen Partnern“, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke.

Im Mittelpunkt der Begegnungstage standen die wirtschaftlichen Perspektiven in den Ländern Lateinamerikas sowie konkrete Unterstützungsangebote für Unternehmen aus Ostwestfalen. In Fachveranstaltungen, Vorträgen und persönlichen Gesprächen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Marktchancen, rechtliche Rahmenbedingungen und Möglichkeiten des Markteinstiegs.

„Lateinamerika bietet großes Potenzial für Unternehmen aus unserer Region“, sagt Götz Dörmann, Geschäftsführer International der IHK. „Entscheidend für den Erfolg ist jedoch eine gute Vorbereitung: Unternehmen müssen die Märkte genau analysieren, kulturelle Besonderheiten berücksichtigen und Schritt für Schritt mit verlässlichen Partnern vor Ort arbeiten. Viele Unternehmen aus Ostwestfalen verfügen bereits über Erfahrung in der Region – zugleich zeigt sich, wie wichtig belastbare Netzwerke und fundierte Beratung sind. Hier können wir als IHK und die Auslandshandelskammern mit ihren Kontakten gezielt unter-
stützen“, so Dörmann.

In individuellen Beratungsgesprächen von Unternehmen mit den Auslandshandelskammern bei den Begegnungstagen ging es vielfach um konkrete Schritte vom Markteintritt bis zum Ausbau bestehender Aktivitäten. Ein zentrales Thema ist dabei auch das seit Mai angewandte EU Mercosur-Abkommen gewesen, das von vielen Teilnehmenden als wichtiger Schritt für den Abbau von Handelshemmnissen und die Intensivierung wirtschaftlicher Beziehungen bewertet wird. 

Zum Abschluss wurde beim wirtschaftspolitischen Abend in der Volksbank in Ostwestfalen in Gütersloh die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in den Blick genommen. Bei einer Podiumsdiskussion sprachen Unternehmer über die Rolle Lateinamerikas als Partner für Wachstum, Rohstoffversorgung und Transformation. Wilhelm Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Böllhoff-Gruppe aus Bielefeld, betonte: „Der brasilianische Markt lohnt sich für uns.“ Anfang der 1960er Jahre sei sein Unternehmen VW nach Südamerika gefolgt und habe dort Schrauben und weitere Teile für den Käfer geliefert. Er gab konkrete Tipps, wie sich der Markt anfangs mit einem kleinen Büro vor Ort erschließen lasse. 

Diesen Weg nutzt auch die Arntz Optibelt Gruppe aus Höxter, erläuterte deren Geschäftsführerin Regina Arning: „Unsere Zahnriemen werden insbesondere in Maschinen für den Bergbau und die Landwirtschaft in Südamerika eingesetzt.“ Christian Radons, Mitglied der Konzernleitung des Harsewinkeler Erntemaschinenherstellers Claas, stellte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Kontinents als Nahrungsmittelproduzent etwa für Soja und Weizen heraus und betont: „Beim Zuckerrohr sind die Brasilianer Produzent Nummer 1 weltweit.“ Darüber hinaus zeigte Jürgen Erlenkötter, Leiter Internationales Geschäft der Volksbank in Ostwestfalen, den Unternehmen Möglichkeiten der Finanzierung des Südamerika-Geschäfts auf.   

Im Vorfeld der Diskussionsrunde gab Christoph Röckerath, Leiter des ZDF-Auslandsstudios für Südamerika in Rio de Janeiro, in einer digitalen Keynote einen Einblick in die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage vor Ort. „Lateinamerika wird aktuell zwischen den USA und China aufgerieben und hofft auf Europa als Rettungsanker und verlässlichen Partner. Das Rennen der drei Wirtschaftsmächte insbesondere um die Rohstoffe der Region ist dabei noch nicht entschieden“, zog er als Fazit.

Der Abend wurde abschließend von einem Ausblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft begleitet – passend zum Eröffnungsspiel in Mexiko. Der frühere brasilianische Bundesliga-Torjäger Ailton gab dabei auch einen Tipp zum Abschneiden der deutschen und brasilianischen Mannschaften: „Brasilien wird Weltmeister – für die Spiele stelle ich mir auch den Wecker.“ Daumen drücke er aber auch für Mexiko, das Heimatland seiner Frau, und Deutschland. Dabei erinnerte Ailton auch an das 7:1 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien im WM-Halbfinale 2014, „das noch immer weh tut“. 

Mit Blick voraus kündigte die IHK an, die erfolgreiche Veranstaltungsreihe auch 2027 fortzusetzen: Im kommenden Jahr stehen bei der dann 22. Auflage der Begegnungstage unter dem Titel „Ostwestfalen meets Südosteuropa“ Rumänien, Bulgarien sowie die Westbalkan-Staaten im Fokus.

Gestalteten den wirtschaftspolitischen Abend (von links): Ralf Reckmeyer (Volksbank Ostwestfalen), Wilhelm Böllhoff (Böllhoff Gruppe, Bielefeld), Jürgen Erlenkötter (Volksbank Ostwestfalen), Ailton Goncalves da Silva (ehemaliger Fußballprofi), Christian Radons (Claas, Harsewinkel), Regina Arning (Arntz Optibelt Gruppe, Höxter) und Götz Dörmann (IHK Ostwestfale Foto: IHK Ostwestfalen/Jörg Deibert

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