Fokus Wärmepumpe
Stadtwerke bleiben trotz neuem Heizungsgesetz Entwurf bei ihrer Linie
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will das ungeliebte sogenannte Heizungsgesetz kippen. Noch vor der Sommerpause soll der Bundestag über den Entwurf ihres Gebäudemodernisierungsgesetzes entscheiden, wobei das Kabinett hinter dem Entwurf steht. Welchen Einfluss hätte das neue Gesetz für die Energiepolitik in Gütersloh? Im gt!nfo-Stadtgespräch sieht der Leiter Energiewirtschaft der Stadtwerke Gütersloh, Gunnar Gühlstorf, keinen Grund zur Beunruhigung: „Unser Weg ist nicht gefährdet.“
Herr Gühlstorf, sind die Stadtwerke Gütersloh beunruhigt? Nach dem Entwurf des neuen Heizungsgesetzes sollen ja künftig wieder kaputte alte Heizungen durch neue Gas- und Ölheizungen ersetzt werden dürfen. Ist der eingeschlagene Weg in Gütersloh in Richtung Klimaneutralität bis 2035 also möglicherweise gefährdet?
Nein. Gerade bei jüngeren Familien, die jetzt in Wohnungsbau investieren, ist der Einbau einer Wärmepumpe selbstverständlich geworden, da sind Öl oder Gas überhaupt kein Thema mehr. Dieser Trend wird auch bleiben, grundsätzlich aus ökologischer Vernunft, vor allem aber auch aus finanziellen Gründen. Wir sehen den eingeschlagenen Weg zu einer Energieversorgung durch erneuerbare Quellen grundsätzlich nicht gefährdet.
Weil es schlicht teurer wird, mit fossilen Brennstoffen zu heizen? Steigende CO2-Abgabe, höhere Netzentgelte, teurer werdender Einkauf von Öl und Gas zu mehr als 95 Prozent aus dem Ausland?
So ist es. Die Netzentgelte beispielsweise werden allein deshalb schon steigen, weil immer mehr Haushalte das Gasnetz verlassen und sich dadurch die Kosten, die für den Betrieb des Gasnetzes entstehen, auf immer weniger Menschen verteilen. Gut ist aber, dass wir jetzt endlich Klarheit haben und dass die Situation der Unsicherheit aufgelöst wird. Auch wenn die sogenannte Technologie-Offenheit, also die angebliche Wahlfreiheit der privaten Haushalte, für mich überspitzt gesagt bedeutet, wieder die Freiheit zur falschen Entscheidung zu haben.
Sie zeigen sich überzeugt, dass der eingeschlagene Weg in Gütersloh eingehalten wird. Welche Gründe sehen Sie dafür?
Die Stadtwerke Gütersloh, aber auch die Stadt selbst und unsere Politikerinnen und Politiker haben in den vergangenen Jahren viel Überzeugungsarbeit geleistet. Unsere Beratungsqualität ist gestiegen, und wir bieten heute ein Energiemanagementsystem an, mit dem die Kunden die günstigsten Bezugspreise für Strom, zum Beispiel für den Betrieb von Wärmepumpen, bequem per App nutzen können.
Und wenn ich mein E-Auto an die Wallbox anschließe, passiert genau was?
Dann schaue ich auf meine App, die mir sagen kann, zu welcher Stunde der Strompreis am niedrigsten ist. Die App steuert dann den Ladevorgang des Autos nach meinen Vorgaben an und wählt dabei die günstigsten Stunden aus. Dasselbe können Sie auch mit Ihren technischen Geräten im Haushalt machen. Haupteinsparungsobjekt ist allerdings das Auto, weniger die Waschmaschine oder der Trockner, weil diese Geräte sehr energiesparend geworden sind. Es kann sogar sein, dass Sie bei Sonnenwetter ein solches Überangebot von Strom im Netz haben, dass Sie der Strom – abgesehen von den Fixkosten Netzentgelt, Steuern und Abgaben – gar nichts kostet, Sie sogar Geld dafür bekommen, dass Sie ihn abnehmen.
Nun verdienen aber die Stadtwerke mit dem Verkauf von Strom und Gas Geld. Was bedeutet es, wenn die Säule Gas tendenziell wegfällt?
Darauf sind wir längst eingestellt, weil wir konsequent in die Energiewende investieren. Wir rechnen jetzt, bezogen auf das Jahr 2035, mit einem Rückgang der Gasverkäufe von 30 bis 40 Prozent. Das ist ein ähnlicher Rückgang, wie ihn auch unsere Verbände sehen, der Trend ist bundesweit und das zeigt sich eben auch bei uns. Wir sehen das aber als Chance für neue, intelligente Produkte, die der Markt nun braucht.
Also müssen Sie sich schon aus wirtschaftlichen Gründen wandeln?
Natürlich müssen wir die entstehende Lücke füllen, aber wir sind, wie gesagt, schon länger auf einem neuen Weg, haben auch zusätzliche Manpower eingestellt, vor allem ein leistungsstarkes Team von Energieberatern. Das alte analoge Energiesystem, also Kraftwerke, die irgendwo Strom erzeugen und wir verteilen ihn hier vor Ort in die Haushalte und Betriebe, wobei wir den Verbrauch relativ gut prognostizieren konnten: das ist die alte Welt, sie war träge und auch nur wenig digital. Diese Welt gibt es ja schon seit einiger Zeit nicht mehr. Wir haben immer mehr Strom aus Erneuerbaren und wir haben vor allem eine dezentrale Stromerzeugung. Viele Bürger sind nicht mehr allein nur Konsumenten, sondern sie sind sogenannte Prosumer. Sie verbrauchen also nicht allein die Kilowattstunde, sie erzeugen die Kilowattstunde auch selbst.
Gütersloh gilt ja inzwischen als Solarhauptstadt in Deutschland.
Genau. Es gibt schon über 5.000 PV-Anlagen auf den Dächern bei uns, dazu kommen noch die Balkon-PV-Anlagen, die man nur an die Steckdose anschließen muss. 2023 gab es aufgrund des Ukraine-Kriegs eine deutliche Steigerung, und seitdem investieren die Privathaushalte in Gütersloh auch weiterhin auf hohem Niveau in Wärmepumpen und in PV-Anlagenspeicher. Das ist jetzt einfach Standard. Und wir begleiten die Haushalte durch Beratung und unterstützen sie bei allen Fragen der Förderungsmöglichkeiten.
Verkaufen Sie auch PV-Anlagen und Wärmespeicher?
Ja. Wir verkaufen die Anlagen direkt. Für die Installation arbeiten wir dann mit lokalen Handwerkern zusammen. Aber das ist es ja nicht alleine, und das ist mir auch wichtig zu betonen: Wir verkaufen ein vernetztes Gesamtsystem für die Haushalte. Die Anlagen sind dabei miteinander verbunden. Das bedeutet, dass die PV-Anlagespeicher und die Wärmepumpe mit ihrem dynamischen Stromtarif, der sich an der Börse alle 15 Minuten neu bildet, verbunden sind. Das ist letztlich ein komplexes Energiemanagementsystem, das wir unseren Kunden anbieten.
Also die statischen Tarife – ich kaufe meinen Strom zum festen Preis für ein Jahr – werden künftig immer mehr dynamisiert?
Das ist sogar Zielsetzung der EU und eigentlich schon Standard in Nordeuropa, also in Skandinavien und auch in den baltischen Staaten.
Wenn in Gütersloh die Wärmepumpen trotz des neuen Heizungsgesetzes – wenn es denn kommen sollte – Öl und Gas ablösen werden, bedeutet das doch hohe Investitionen in das Stromnetz. Wie wollen Sie das stemmen?
Das ist richtig. Das wird die große Aufgabe in den kommenden Jahren sein, unser Stromnetz zu verstärken, weil die Wärmepumpe eben mit Strom betrieben wird. Bei den Kolleginnen und Kollegen in der Netzgesellschaft wird schon intensiv geschaut, wo wir ertüchtigen müssen. Die haben auch schon klare Pläne für die nächsten Jahre. Finanziell sind diese Investitionen natürlich eine große Herausforderung, wie bei anderen Themen in unserem Haus ja auch – denken Sie an den Personennahverkehr, an die Bäder und so weiter. Aber das ist leistbar, es gibt ja auch Fördergelder von Bund und Land.
Als Konsument wünsche ich mir eigentlich eine Senkung der Stromkosten. Was ist da drin?
Das wäre zu begrüßen, weil das nochmal unsere Umstellung auf Erneuerbare in Richtung Wärmepumpe treiben würde und Gas noch weniger attraktiv macht. Im Koalitionsvertrag ist die Senkung auch für Privathaushalte, Handel und Handwerk als Sofortmaßnahme angekündigt worden, wurde aber bisher nur für Unternehmen auf das europäische Mindestmaß gesenkt. Dafür gab es aber immerhin schon eine Entlastung bei den Netzentgelten.
Wie realistisch schätzen Sie eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 in Gütersloh ein?
Gute Frage. Mit dem aktuellen Tempo ist sie wahrscheinlich schwer zu erreichen. Wir müssen da noch kräftiger auftreten, unseren eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Ich hoffe, dass der Knoten jetzt ein bisschen geplatzt ist, auch wenn das neue Heizungsgesetz den Menschen die Chance geben will, auch wieder eine Gasheizung einzubauen. Tatsache ist, dass die Menschen sich mehr und mehr für die Wärmepumpe entscheiden, aber wir brauchen eigentlich dafür bundesweit gesehen die doppelte Geschwindigkeit. Und das gilt dann auch für Gütersloh, auch weil sich abzeichnet, dass es eine Fernwärmenetzversorgung für die breite Masse hier kaum geben kann, das haben die im Mai präsentierten Ergebnisse der im Sommer 2025 verabschiedeten kommunalen Wärmeplanung für Gütersloh ergeben.
Was können die Stadtwerke dafür tun?
Dass wir bei diesem Thema weiterkommen und uns durch Beratungsarbeit den Güterslohern als modernen Energieversorger zeigen, der sie beim erstrebten Energiewandel umfassend und zuverlässig begleitet. Wir sind entschlossen, einen entscheidenden Beitrag zur ökologischen Wende der Energieversorgung hier in Gütersloh zu leisten.
Foto: energie-experten.org







