Spende der Gütersloher Soroptimistinnen

4500 Euro für das Frauen- und Kinderschutzhaus

Gütersloh. TikTok, Snapshat, Lieferando: Die Online-Service-Welt ist breitgefächert, vielgenutzt und gehört heute zum Alltag. Aber wer sich ihrer bedient, der hinterlässt Spuren. Was für Frauen, die von gewalttätigen Partnern bedroht werden, lebensgefährlich sein kann. „Deshalb raten wir Betroffenen, die sich bei uns melden und Schutz suchen, schon bei der ersten Kontaktaufnahme, sich ein neues Prepaid-Handy zuzulegen oder zumindest die Sim-Karte auszuwechseln. Bei akuter Gefahr auch schon mal, das Handy einfach in einem Zug liegen zu lassen oder das Gerät direkt bei der Polizei abzugeben, um den gewaltbereiten Partner bei einer möglichen Verfolgung in die Irre zu führen“, erläutert Pia Kugis-Johannknecht, Geschäftsführerin vom Gütersloher Frauen- und Kinderschutzhaus. Digitale Sicherheit gehört zunehmend zu den Themen, um die sich das engagierte Team kümmern muss. Das erfuhr Prof. Dr. Andrea Kaimann, Präsidentin des Gütersloher Clubs Soroptimist International (SI), kürzlich bei ihrem Besuch der Kriseneinrichtung, wo sie den engagierten Mitarbeiterinnen einen Scheck über 4500 Euro übergab – den Erlös eines erfolgreichen Kinoabends der Soroptimistinnen, inklusive einer 1500 Euro-Aufstockung durch den SI-Hilfsfonds.

„Wir sind dankbar für die kontinuierliche Unterstützung und die damit einhergehende Wertschätzung unserer Arbeit, die wir durch die Soroptimistinnen erfahren“, bedankte sich Petra Strauss im Namen des gesamten Teams. Rund 50.000 Euro hat der SI-Club in den vergangenen Jahren an das Frauen- und Kinderschutzhaus gespendet. Freie Gelder, auf die es nicht nur für seine Ausstattung oder (freizeit-)pädagogischen Angebote angewiesen ist. Denn es fließen zwar dynamisch-stabile Mittel vom Land und Kreis in die Einrichtung, aber das Frauenhaus ist trotzdem unterfinanziert, weil es sich maßgeblich über Tagessätze (aktuell 64,40 Euro) tragen muss. Geld, das die dort Zuflucht Suchenden zahlen müssen. Können sie das in ihrer akuten Notsituation nicht, weil sie z.B. nicht jobcenterberechtigt sind oder soziale Hilfen erst später greifen, müssen die unbezahlten Belegtage über Spenden ausgeglichen werden. 2025 waren das rund 30.000 Euro. 

Trotzdem erhält jede Frau selbstverständlich die Hilfe, die sie braucht. Aktuell ist das Haus mit acht Frauen und zehn Kindern voll belegt. Die durchschnittliche Auslastung lag bis zum März bei gut 80 Prozent. Mit hohem fachlichem Standard setzt das Team alles daran, dass die von Gewalt Betroffenen ihren Blick vom Aggressor abwenden und sich auf ein zukunftsorientiertes, selbstbestimmtes Leben für sich und ihre Kinder fokussieren. „Deshalb ist uns wichtig, sie rasch in die Arbeit zu bekommen. Je schneller und stabiler wir ein Netzwerk um sie bauen, umso besser“, erklärt Pia Kugis-Johannknecht. 70 Prozent der Frauen, die die Einrichtung 2025 unter anderem durch vermittelte Sprachkurse und Ausbildungen stabilisieren konnte, haben eine Anstellung gefunden. Die meisten davon in der Altenpflege. Nicht von ungefähr war die Freude groß, als kürzlich eine der Betroffenen mit Blumen kam und sich für die erfahrene Hilfe bedankte: „Mein Herz ist jetzt leicht, meine Kinder sind wieder glücklich.“ Woran es oft noch mangelt, sind barrierefreie und bezahlbare Schutzwohnungen für einen Neustart.

Das Team hat sowohl seine Präventionsarbeit als auch seine (Nach-)Beratungen verstärkt, punktet mit informativer Homepage sowie per Podcast und ist vor allem mit seinem Kinderschutzkonzept zum Vorbild anderer Einrichtungen in ganz NRW geworden. „Das ist wichtig, denn Kinder sind nicht nur zunehmend Mitbetroffene, sie tragen erlebte Gewalt oft in die nächste Generation weiter. Da gilt es, einen Cut zu setzen“, erklärt Strauss. Als verlässlicher Partner erweist sich dabei das Gütersloher Jugendamt. „Es leistet hervorragende Arbeit“, attestiert das Team, das intensiv daran arbeitet, dass Frauenhäuser als ein gesellschaftliches Angebot selbstverständlich und nicht immer wieder hinterfragt werden. Denn: „Die Ächtung von Gewalt an Frauen ist in Deutschland zwar deutlich gewachsen. Aber wir müssen immer noch darum kämpfen, dass die Scham die Seiten wechselt.“ 

Das Frauen- und Kinderschutzhaus Gütersloh ist unter 05241/34100 zu erreichen. Nähere Informationen – auch über Spendenmöglichkeiten – finden sich unter www.frauenhaus-gt.de.

4500 Euro für das  Frauen- und Kinderschutzhaus Gütersloh. Freudestrahlend nahmen die Teammitglieder  (v. l.) Tamara Arndt, Petra Strauss, Pia Kugis-Johannknecht und Hanna Scholüke den symbolischen Scheck von SI-Club-Präsidentin Prof. Dr. Andrea Kaimann (Mitte)  entgegen.  Foto: Gütersloher Frauenhaus

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