Der FC Gütersloh findet sich neu
Zwischen Absturz und Aufbruch Der FC Gütersloh findet sich neu und steht vor einem spannenden Wandel.
Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga 1999 zerbrach der FC Gütersloh an seinen Schulden. Im Februar 2000 wurde der Verein aufgelöst – der Profifußball in Gütersloh war damit schlagartig Geschichte. Es folgte ein Neuanfang in der Oberliga. Diese Zeit war geprägt von Improvisation, personellen Wechseln und Spielern, die den Verein trotz unsicherer Strukturen trugen. Wer in diesem Rückblick fehlt, ist keineswegs weniger wichtig. Die Geschichte des FCG ist ein Mosaik aus Charakteren, Begegnungen und kleinen Momenten. Erst diese vielen Elemente machen das Bild vollständig.
Als beim FC Gütersloh Ende der 1990er-Jahre die Lichter im Profifußball ausgingen, blieb zunächst vor allem eins: Leere. Der Absturz nach der Insolvenz 1999 war ein harter Schnitt. Aus Zweitliga-Vergangenheit wurde Oberliga-Gegenwart. Aus professionellen Strukturen wurde häufig Improvisation. Und doch beginnt genau hier eine der prägendsten Phasen der Vereinsgeschichte. Die Neuerfindung als FC Gütersloh 2000 war möglich, weil der Klub durch eine Lücke in den Statuten direkt in der Oberliga Westfalen einsteigen konnte und nicht in der Bezirksliga.
Verlässlichkeit
In den ersten Jahren nach dem Neuanfang braucht der Verein vor allem eines: Verlässlichkeit. Spieler, die nicht viel Aufhebens um sich machen, aber da sind, wenn sie gebraucht werden. Im Tor steht mit Andreas Jakob einer dieser Typen. Er gehört zu den Spielern, die sowohl den alten Zweitliga-FCG als auch die schwierigen Jahre nach der Insolvenz miterlebten.
Zwischen 1998 und 2002 sammelt er mit dem Verein Einsätze in der 2. Bundesliga, Regionalliga und später Oberliga. Es ist eine Karriere, die genau in diese Zeit passt. Wenn er gebraucht wird, liefert er. Ein weiterer Spieler dieser Zeit war Rob Reekers. Der Niederländer gehörte bis 2000 zur Zweitliga-Mannschaft und blieb dem Verein aber verbunden. 2003 kehrte er für eine Saison als Trainer zum FCG 2000 zurück. Damit wurde auch er zu einer wichtigen Verbindungsperson zwischen alter und neuer FCG-Zeit.
Nach der Insolvenz km vieles in Bewegung
Auf dem Feld selbst ist in der Zeit nach der Insolvenz dann vieles in Bewegung, auch weil sich im Umfeld ständig etwas verändert. Kaum jemand bringt diese Jahre so nüchtern auf den Punkt wie Tim Brinkmann. Er sagte über seine Zeit von 2000 bis 2014 beim FCG 2000: „Ich habe als Spieler beim FC Gütersloh 2000 alle Präsidenten erlebt.“ Es ist ein Satz, der fast beiläufig klingt, aber viel erklärt. Die Spieler müssen auf dem Platz wieder Stabilität herstellen.
Einer, der das über Jahre hinweg tut, schon ab 1993 bis 2005, ist Dirk Konerding. Als ehemaliger Jugendnationalspieler von der U15 bis zur U19 bringt er eine Ausbildung mit. Diese Ausbildung gibt dem Spiel Struktur. Er ist ein Verteidiger, der seine Aufgaben erfüllt und damit genau das liefert, was in diesen Jahren gebraucht wird. Neben ihm stehen Spieler wie Helge Bittner – der mit kurzer Unterbrechung 2005/2006 von 2001 bis 2007 für den FCG kickt – oder Ulf Raschke (2002 bis 2004). Sie bilden die Grundlage, auf der der Verein sich langsam stabilisiert.
schnell, direkt, unangenehm für jede Abwehr
Schnell, direkt, unangenehm für jede Abwehr
In der Offensive dagegen ist Bewegung fast schon Prinzip. Mit Mike Terranova taucht in der Saison 2000/2001 ein Stürmertyp auf, der Spiele im Alleingang entscheiden kann, schnell, direkt, unangenehm für jede Abwehr. Auch Dimitros Kalaitsis spielte von 2000 bis 2004 für den FCG 2000 in der frühen Neuaufbauphase. Solche Spieler waren wichtig, weil sie dem Verein in unruhigen Jahren Kontinuität gaben. Auch er kehrte später noch einmal zum Verein zurück. Später stößt mit Christian Knappmann ein Spieler dazu, dessen Karriere selbst wie ein Streifzug durch den deutschen Fußball wirkt. In seiner Vita stehen 17 Vereine. 2007 trägt er das Trikot des FCG und bringt Erfahrung, Instinkt und die Fähigkeit, sich schnell in neue Umgebungen einzufügen.
Zwischen all den Wechseln gibt es auch Geschichten von Entwicklung. Sebastian Hille gehört zu den Spielern, die ab dem Jahr 2000 in Gütersloh reifen und später den Sprung in höhere Ligen schaffen. Auch Sören Brandy steht ab 2003 für diesen Weg. Er ist ein Talent, das hier Spielpraxis sammelt und sich für den Profifußball weiterempfiehlt. Eine andere Facette bringt Maximilian Heinrich ein. Er kommt aus der A-Jugend-Bundesliga von Borussia Dortmund und gehört von 2004 bis 2011 zum Kader. Seine Ausbildung ist auf hohem Niveau. Sein Weg zeigt, dass auch ein Verein im Neuaufbau Anziehungskraft für ambitionierte Spieler haben kann.
Spuren an anderer Stelle
Und dann sind da noch die Persönlichkeiten, die später an anderer Stelle Spuren hinterlassen. Guerino Capretti etwa, der als Spieler von 2004 bis 2005 Teil dieser Jahre ist und später unter anderem beim SC Verl und Dynamo Dresden als Trainer Karriere macht. Oder Akteure wie Daniel Eckel, der dem Spiel Struktur und dem Verein von 2004 bis 2012 Kontinuität gibt, ohne dass es dafür immer große Schlagzeilen gibt.
Wenn man auf diese Zeit zurückblickt, dann war sie vor allem von ständigem Wandel geprägt. Der FC Gütersloh verschwand aus dem Profifußball und musste sich neu aufstellen. In diesen Jahren entschied sich, ob der Verein nach dem Absturz überhaupt wieder dauerhaft Fuß fassen konnte. Dass das gelang, lag auch an vielen Spielern, die vielleicht nie große Schlagzeilen machten. Dennoch haben sie den Verein im Heidewald über Jahre mitgetragen.


Jahrzehnt Teil der FCG-Familie.

Jahrzehnt Teil der FCG-Familie.
Fotos: Jens Dünhölter/Delker/Archiv/FC Gütersloh, Illustrationen: freepik.com_ vecmac










