Beim Jahnplatz tut sich was
GTV und Bürgerinitiative nehmen Gespräche wieder auf
Zeichnet sich eine einvernehmliche Lösung im Konflikt zwischen dem Gütersloher Turnverein (GTV) und dem jüngst konstituierten Förderverein Bürgerinitiative Mohns Park um den alten Jahnplatz am Mohns Park ab? Es gibt positive Signale, nachdem sich auf Initiative der Stadt Sprecher der Vorstände von GTV und Förderverein Ende März zu einem Gespräch mit Albrecht Pförtner, Dezernent für Bauen, Mobilität und Umwelt, trafen. Es war laut Förderverein der erste offene Austausch der beiden Seiten seit 2021.
gt!nfo sprach mit den Vorstandssprechern des Fördervereins für eine Parkerweiterung um die 15.000 Quadratmeter große Jahnplatzfläche: Peter Münstermann (1. Vorsitzender), Corinna Flöttmann (2. Vorsitzende) und Birgit Meier-Anwey (Kassiererin). Sie berichteten, es bestehe der Wille aller beteiligten Seiten, in weiteren Treffen ein einvernehmliches Ergebnis zu erzielen. Es gebe Grund zum Optimismus, es sei von einer gegenseitig wertschätzenden Gesprächsatmosphäre die Rede.
Zur Geschichte des Konflikts:
Der Gütersloher Turnverein hatte das von der Familie Mohn erworbene Gelände 1930 als Sportplatz eingeweiht. Die heutige Wiese liegt direkt am Mohns Park an der Jahnstraße. Seit einigen Jahren wird der Jahnplatz vom GTV nicht mehr als Sportfläche genutzt und soll jetzt verkauft werden. Ziel des GTV war bisher immer eine Umnutzung der gesamten Fläche von derzeitigem preiswerten Wiesengelände in Bauland mit anschließendem Verkauf der dann wertvollen Fläche an einen Investor.
Gegen diese Planung wehrten sich von Beginn an viele Bewohner des Quartiers um den Mohns Park. Sie haben sich in einer Initiative zusammengefunden und kämpfen um das Ziel, den Jahnplatz zu 100 Prozent dem Mohns Park anzugliedern. Der GTV sollte dafür über ein Spendenmodell eine angemessene finanzielle Vergütung erhalten. 2022 stimmte der Planungsausschuss mehrheitlich für den Kauf des Jahnplatzes durch die Stadt zum damals aktuellen Wiesenpreis. Der Plan dahinter: Die Bürgerinitiative wollte den Differenzbetrag zum vom GTV geforderten Betrag durch Spenden einsammeln. Eine ausreichende Zahl potenter Spender hatte entsprechendes Engagement signalisiert. Auch die Gütersloher Finanzverwaltung und die Oberfinanzdirektion akzeptierten dieses Modell der begleitenden Spendenfinanzierung.
Doch der GTV lehnte diese Lösung kategorisch ab, kam dann aber 2025 der Bürgerinitiative mit dem Antrag an die Stadt entgegen, nur noch „für einen Teil der Fläche eine Bebauung zu erreichen und danach die restliche Fläche zur Vergrößerung (Ergänzung) des Naherholungsgebietes Mohns Park zur Verfügung zu stellen.“ Der GTV wollte die Restfläche des Jahnplatzes der Stadt Gütersloh kostenfrei übergeben gegen Verzicht auf die Anwendung des kommunalen Baulandmanagements. Daraufhin schloss sich die Bürgerinitiative zu einem Förderverein zusammen mit dem Ziel der Umwandlung des Jahnplatzes in „100 Prozent Park“, um ihn komplett als Naturraum zu erhalten.
Wofür der Förderverein kämpft:
„Noch haben wir den Luxus, die Klimaanpassung hier in Gütersloh selbst mitzugestalten“, sagen die Vorstandssprecher des Fördervereins Bürgerinitiative Mohns Park. Es sei ein Muss für jede Kommune, notwendige und umsetzbare Maßnahmen zum besseren Schutz der Bevölkerung vor Hitze umzusetzen. Dass die 1,5 Hektar große Freifläche an der Nordgrenze des Mohns Park dafür genutzt werden könnte, sei, so Kassiererin Birgit Meier-Anwey, „eine historische Chance für alle Menschen in der Stadt“. Die Erweiterung des Parks diene, ergänzt die 2. Vorsitzende Corinna Flöttmann, als „Frischluftschneise gegen die Überhitzung der Innenstadt und als Ausgleichsfläche für Überschwemmungen nach Starkregen“, mache damit Gütersloh „klimaresilienter“. Und 1. Vorsitzender Peter Münstermann verweist auf die von der Stadt Gütersloh festgestellte Unterversorgung der Stadt mit Grünflächen: „Es sollten 15 Quadratmeter pro Kopf sein, tatsächlich sind es nur 9 Quadratmeter.“ Der Förderverein sei aus diesen Klimaschutzgründen „weiterhin bereit, das Modell aus 2022 umzusetzen, um den GTV mit Spendengeldern zu unterstützen.“
Tatsächlich hat das Spendenmodell auch in der Pförtner-Runde Ende März eine Rolle gespielt. Der Förderverein hält sich über die Inhalte des Austauschs bedeckt, anerkennt aber grundsätzlich das wirtschaftliche Interesse des GTV mit seinen mehr als 1.200 Mitgliedern und sieht jetzt einen guten Neustart für die Gespräche der auf beiden Seiten neu gebildeten Vorstände. So weit, so gut. Peter Münstermann erhofft sich eine politische Entscheidung „vielleicht noch in diesem Jahr“.



Großes Foto: Heiner Wichelmann








