Weihnachtsmarkt 2026
Und Frieden auf Gütersloher Plätzen
Es ist vielleicht die letzte Patrone, die ein Taskforce-Team aus Werbegemeinschaft, Stadt, Gütersloh Marketing und Marktbeschickern noch im Köcher hat, um den Gütersloher Weihnachtsmarkt wieder konkurrenzfähig zu machen: Nach den jüngsten imageschädigenden Erfahrungen – Reizthemen Tannen, Zufahrtsschutzmaßnahmen, verwaiste Flächen nach den parallelen Wochenmarktstunden und Wut-Motor fehlendes Kinderkarussell – ist der Resetknopf gedrückt. Neustart mit Booster, Mut und ganz viel Optimismus. Am Tisch im gt!nfo-Stadtgespräch sitzen Christina Junkerkalefeld (Geschäftsführung Gütersloh Marketing), Gabriele Conert (Vorstandsmitglied Werbegemeinschaft), Manfred Menzel (Marktbeschicker) und Heinz-Dieter Wette (Stadtkämmerer).
Nach all dem Ärger jetzt ein Konzept, das in seiner Entschlossenheit überrascht. Wie kam es dazu und wie zufrieden sind Sie damit?
Gabriele Conert: Nach den Erfahrungen und dem Feedback im Dezember war schnell klar, dass wir in diesem Jahr handeln müssen, so konnte es nicht weitergehen. Unser Ziel in all den Beratungsrunden war dann, eine ausgewogene, überzeugende Mischung zwischen Gastronomie und Bespaßung hinzubekommen. Wenn wir nicht positiv gestimmt wären, dann hätten wir es von vornherein gelassen. Wir sind alle hier am Tisch zufrieden mit der gefundenen Lösung, weil sie die verschiedenen Interessen der Beteiligten berücksichtigt, den Weihnachtsmarkt als Standortfaktor für Gütersloh stärkt und die Zusammenarbeit von Werbegemeinschaft und Gütersloh Marketing intensiviert.
Es hat Beschimpfungen auf der Straße gegeben, wütende Leserbriefe und heftige Social-Media-Kommentare: ziemlich viel auf einmal für ehrenamtliche Arbeit. Konnten Sie inhaltlich die Kritik nachvollziehen?
Gabriele Conert: In der Sache konnte ich die Kritik teilweise nachvollziehen, im Ton allerdings nicht. Natürlich beschäftigt einen die Diskussion um den Weihnachtsmarkt auch persönlich. Aber ich lebe in dieser Stadt und engagiere mich in der Werbegemeinschaft, weil mir Gütersloh am Herzen liegt. Und ich finde: Diese Stadt hat einen schönen und stimmungsvollen Weihnachtsmarkt verdient.
Liegen schon Anmeldungen vor für dieses Jahr, Sie wollen ja insgesamt ein größeres Angebot machen?
Christina Junkerkalefeld: Ja, und mit 34 Bewerbungen sogar acht mehr als im vorigen Jahr zur gleichen Zeit, und sie bringen Änderungen im Angebot mit. Wir können leider noch nicht sagen, welche Stände letztendlich kommen werden, weil unsere Zusagen erst jetzt rausgehen und dann noch die Verträge geschlossen werden müssen. Im vergangenen Jahr sind auch noch welche abgesprungen. Was ich schon sagen kann: Wir haben einige Bewerbungen an Kinderattraktionen bekommen. Und wir wollen ein verbessertes Bühnenprogramm zusammenstellen.
In diesem Jahr werden die Werbegemeinschaft und Gütersloh Marketing zum ersten Mal gemeinsam als Veranstalter auftreten, bisher trug die Werbegemeinschaft allein das finanzielle Risiko. Gab es da auch mal eine Unterdeckung?
Gabriele Conert: Nein, wir haben immer vorsichtig kalkuliert. Im vergangenen Jahr wäre sie allerdings trotz einiger Sponsorenleistungen fast entstanden, weil das Sicherheitskonzept mit rund 10.000 Euro sehr hoch ausfiel. Aber da haben sich auch die Standbetreiber dran beteiligt. Neben anderen Gründen haben wir uns auch aus Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern für ein Standangebot, das uns einen größeren Deckungsbeitrag sicherte, entscheiden müssen. Daher freuen wir uns über die finanzielle Unterstützung in diesem Jahr durch die Stadt und Gütersloh Marketing. Das gibt uns mehr Möglichkeiten.
Brauchen Sie jetzt zusätzliche Sponsoren, um einen attraktiveren Weihnachtsmarkt auf die Beine stellen zu können?
Gabriele Conert: Ja, wir sprechen gezielt an, es sind gute Gespräche, wir freuen uns dabei auch, wenn zum Beispiel nur Patenschaften für einen Programmpunkt auf der Bühne übernommen werden. Seit längerer Zeit schon akquirieren wir zudem neue Mitglieder – natürlich aus dem klassischen Einzelhandel, aber auch darüber hinaus: Wir haben jetzt viele Privatpersonen, Gastronomen, Architekten, Makler und so weiter unter uns. Das ist ein breites Spektrum geworden.
Herr Wette, welche Bedeutung hat der Weihnachtsmarkt aus wirtschaftlicher Sicht für den Standort Gütersloh?
Heinz-Dieter Wette: Also konkrete Zahlen gibt es jetzt nicht. Aber wir können seit zwei Jahren die Besucherfrequenzen bei Großveranstaltungen in der Innenstadt messen. Der Weihnachtsmarkt oder auch Events wie die Woche der kleinen Künste und offene Sonntage beleben natürlich generell das Geschäft. Das sagen dann ja auch die Umsatzzahlen der Geschäfte aus. Beim Weihnachtsmarkt 2025 sollen rund 100.000 Besucher weniger als im Vorjahr gezählt worden sein.
Beim Weihnachtsmarkt 2025 sollen rund 100.000 Besucher weniger als im Vorjahr gezählt worden sein. Wie bewerten Sie das?
Heinz-Dieter Wette: Diese Zahl lässt meiner Meinung nach unterschiedliche Interpretationen zu. Die Passantenfrequenzzählung bezieht sich auf den gesamten Innenstadtbereich – nicht explizit nur auf den Weihnachtsmarkt. Bei geringeren Besucherzahlen des Innenstadtbereichs spielen ja auch viele andere Faktoren eine Rolle.
Christina Junkerkalefeld: Wir bewerten den Weihnachtsmarkt nicht als wirtschaftlichen Eigenbetrieb, sondern als strategisches Instrument der Innenstadtbelebung und Standortentwicklung. Es ist daher klar, dass wir eine qualitative Entwicklung für die Zukunft sicherstellen und die Planungssicherheit für die Weihnachtsmarktbeschicker erhöhen müssen. Die Standgebühren werden in 2026 nicht erhöht werden, zudem werden bestimmte Zusatzleistungen für die Betreiber nicht anfallen.
Wie wichtig ist der Weihnachtsmarkt für die Innenstadt aus Sicht der Marktbeschicker?
Manfred Menzel: Der Weihnachtsmarkt ist wichtig für die Innenstadt, das ist ganz klar. Er ist ein Wirtschaftsfaktor für den Einzelhandel. Und hier wird auch wirklich stark daran gearbeitet, dass das in diesem Jahr besser funktioniert, dafür haben wir uns alle zusammengesetzt und ein neues Konzept erarbeitet. Ich bin überzeugt, dass das in Zukunft besser laufen wird, dass wir eine Zusammenführung der zwei Märkte hinbekommen ohne Nachteil für eine Seite. Die Standortlösung für den Wochenmarkt wird funktionieren!
So friedlich schien das Verhältnis von Wochenmarkt- und Weihnachtsmarktbeschickern zuletzt nicht gewesen zu sein, da fiel manches böse Wort. Wie sehen Sie das?
Manfred Menzel: Ich habe das so nicht mitbekommen, aber es ist immer besser, wenn man mehr in den Dialog geht. Manchmal fällt dann ein Spruch, der eigentlich gar nicht so gemeint ist. Wichtig ist, dass der Wochenmarkt jetzt anscheinend zufrieden ist. Die sind auch innovativ, die wollen viele neue Sachen machen, was ich so mitgekriegt habe.
Christina Junkerkalefeld: Das Schöne ist: Der Wochenmarkt bleibt kompakt zusammen, wird nicht auseinandergerissen und der Weihnachtsmarkt hat die Wasserbandfläche wieder zur Verfügung. Die Stände dort werden übrigens gedreht, also offen zum Berliner Platz hin aufgebaut, so dass man die Buden gewissermaßen angucken kann.
Wie wollen Sie die Verbindung zwischen Berliner Platz und Kolbeplatz mit den dortigen Attraktionen so gestalten, dass es einen fließenden Austausch gibt? Für Stände ist doch kein Platz, oder?
Christina Junkerkalefeld: Buden sind faktisch einfach nicht möglich. Die Flächen sind zu eng, Rettungswege müssen eingehalten werden, weitere Sicherheitsauflagen kämen dazu. Wir arbeiten bereits daran, wie wir die Plätze optisch miteinander verbinden können, damit man einfach auch sieht, dass sie zusammengehören, dass es da noch weitergeht. Die Menschen sollen den ganzen Weihnachtsmarkt erleben, das müssen wir hinkriegen. Auch in der Werbung werden wir das Thema betonen.
Wie viel Geld nimmt die Stadt jetzt zusätzlich in die Hand, um das neue Weihnachtsmarkt- und Wochenmarktkonzept zu unterstützen?
Heinz-Dieter Wette: Wir werden die Deckungslücke, die sicherlich im ersten Jahr durch entsprechende Marketingmaßnahmen entstehen wird, über Gütersloh Marketing ausgleichen. Das ist ein großer fünfstelliger Betrag, den wir neben den Ausgaben für das Absperrkonzept – im vergangenen Jahr zusammengerechnet übrigens 65.000 Euro – tragen. Also insofern sind wir ja auch zum Erfolg verdammt.







