Gütersloh International

Eigentlich ist das Leben bunt: Samir Hadzic ist Deutscher, geboren im ehemaligen Jugoslawien. Er ist Leiter eines Restaurants mit dem italienischen Namen „Il museo“. Darin gibt es Pizza, aber auch Tapas – spanisch, na klar. Thorsten Wagner-Conert hat den Mann an seinem Lieblingsplatz getroffen: Der Innenhof des Stadtmuseums ist so urwestfälisch, wie ein Platz in Gütersloh nur sein kann. Samir Hadzic ist seit 1991 in Deutschland, sein Großvater war hier in den 1960er-Jahren Gastarbeiter. Die Eltern waren mal hier, mal da – also lebten sie mal in Baden-Württemberg, dann wieder ein, zwei Jahre in Bosnien. Der Restaurantchef sieht sich selbst als „Aleman“ und lebt doch irgendwie zwischen den Welten: Hier ist er immer mal wieder Ausländer, aber zuhause in Bosnien „da bin ich ein viel größerer Ausländer als hier“. Dort würden sie sagen, „der Schwabe ist mal wieder da“. Ihm ist das egal. Wenn er mal wieder dort Urlaub macht, trifft er Bosnier, Serben, Kroaten – Leute, die er aus Deutschland kennt und die wieder zurückgegangen sind.

Er selbst kommt aus Sarajevo, der Hauptstadt Bosniens. Warum es denn Bosnien und Herzegowina heißt? Das sei ein bisschen wie Nordrhein und Westfalen. Wobei es einen Tunnel von Sarajevo Richtung Mostar gibt. Wenn es in Sarajevo am Anfang des Tunnels regnet, könne man ziemlich sicher sein, dass am Ende des Tunnels bei Mostar die Sonne scheint. Eine schöne Erzählung. Über seinen Lieblingsplatz, den Museumshof, hat er auch eine Geschichte. Sie klingt fast wie eine Liebeserklärung ans Althergebrachte. Im „Museo“ verwirklicht er sich selbst – und im richtigen Museum ist er schon wieder beim Alten. „Ja, die reiferen Leute mögen mehr das Alte, die jungen sind digital. Digital bringt dir aber keiner eine Pizza.“ Und die Bestellung digital? „Da guckt dich kein Kellner mehr an, das gibt’s mit mir nicht.“

Dann machen wir die Probe aufs Exempel: Ob er denn wisse, was hier im Museumshof und im Museum so an Gütersloher Geschichte ist? Der Hof sei, wie jeder dritte Hof in Bosnien, gemütlich, einfach, um zu genießen. In Bosnien kämen die Nachbarn dann einfach ohne Ankündigung auf einen Kaffee dazu, das sei gemütlich. Dass es im Stadtmuseum in Gütersloh – also gleich nebenan – die Industriegeschichte von hier gibt, aber auch eine Apotheke, eine Zahnarztpraxis und so vieles mehr, hat er noch nicht gesehen, bekennt der Gastronom. Aber jetzt muss er ja eh ran, seine Kinder seien fünf und acht, die müssten das ja sehen.

Und dann spricht Samir Hadzic wieder über seine Profession, über das Schöne am Gastgebersein: Als solcher dürfe man nicht nur auf die Kosten gucken, das sei eine Aufgabe, die man mit Liebe und Gefühl macht. Dazu gehöre auch der Smalltalk ein bisschen, so wie die Plauderei am Gartentor. Hier im „Museo“ sollen sich die Leute gut aufgehoben fühlen. Das Haus habe eine Seele, eine Seele in kleinen, heimeligen Zimmern. Und hier könne Samir Hadzic eben ganz sein Ding machen, sein Chef, Ralf Schubert, gebe ihm da jede Menge Freiheit. Mit Samir Hadzic kann man über alles reden, nur politisch müsse es nicht werden. „Meine Meinung behalte ich da für mich. Aber ob Deutschland gerade komisch wird oder nicht… Ich finde auch komisch, wenn jemand zehn Jahre hier lebt und kein Deutsch spricht.“

Samir Hadzic ist eben ein ziemlich echter Gütersloher, der bosnische Schwabe mit dem italienischen Restaurant. Im Moment träumt er spanisch: Sein Lieblingsplatz vertrüge noch ein bisschen mehr Leben. Und da denke er an ein paar kleinere Veranstaltungen. Eine der nächsten solle ein Flamenco-Abend werden. Der Mann ist weltoffen. Und einer von hier.

Fotos: Thorsten Wagner-Conert

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