Auf dem Weg in die Pflege

Freiwilligendienst

Für viele junge Menschen beginnt aktuell mit Ausbildungsbeginn oder dem Studienstart ein neuer Lebensabschnitt. Das ist klassischerweise auch die Zeit, in der viele Freiwillige mit ihrem Freiwilligendienst starten. Freiwilligendienste sind nicht nur eine sinnvolle Möglichkeit sich zu engagieren, sie können auch den weiteren Berufsweg prägen. Das zeigt das Beispiel von Annabel und Felix. Die beiden haben während ihres Freiwilligendienstes bei DeineDiakonie* die Pflege für sich entdeckt und sich anschließend für eine Ausbildung in der Pflege entschieden.

Für Annabel und Felix war der Freiwilligendienst bei DeineDiakonie eine echte Entscheidungshilfe für ihre Zukunft. Felix ist aktuell mitten in der Ausbildung zur Pflegefachkraft und blickt ausgesprochen positiv auf seine Zeit als Bundesfreiwilligendienstler zurück: „Ich beschreibe das irgendwie so ein bisschen als meinen Leuchtturm. Der hat mir so ein bisschen gezeigt, wo ich hingehe, wo ich lang gehe.“ Rückblickend sagt er außerdem über seinen Dienst in der Demenz-WG von DeineDiakonie auf Gut Rietberg: „Also hätte ich meinen Bundesfreiwilligendienst hier nicht gemacht, dann hätte ich wahrscheinlich auch niemals die Ausbildung hier angefangen“.

Auch Annabel hat im Laufe ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in der Pflege-WG „Am Ahornpark“ von DeineDiakonie in Rheda-Wiedenbrück für sich festgestellt, dass sie eine Ausbildung in der Pflege machen möchte. Nach der Schule hat sie die Pflege als möglichen Beruf für sich entdeckt. Da hatte sie allerdings noch keine Vorstellung davon, was sie sich genau unter dem Beruf vorstellen kann. Das FSJ hat ihr einen Einblick in das Berufsbild gegeben, der dazu geführt hat, dass auch für sie relativ schnell klar war: „Das wäre auf jeden Fall was für mich“. Deswegen hat sie sich direkt für eine Ausbildung beworben, in die sie nun vor Kurzem frisch gestartet ist.

Für beide hat bei ihrer Entscheidung für eine Ausbildung das Team der jeweiligen WG eine zentrale Rolle gespielt. Annabel erinnert sich sehr gut daran, wie sie im Team angekommen ist: „Hier war das tatsächlich so, dass ich wirklich so richtig mit offenen Armen aufgenommen wurde.“ Besonders gut gefallen hat ihr außerdem, dass sie aktiv einbezogen wurde und alles erklärt wurde. Auch Felix stellt das Team als wichtigen Punkt heraus. Da er nämlich zuvor keine Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Demenz hatte, hat ihm das Team gerade zu Beginn Sicherheit gegeben. Vor allem die gute Einarbeitung war für ihn sehr hilfreich. „Es hat dann auch einfach angefangen, Spaß zu machen, mit den Leuten hier zu arbeiten“, erklärt er. Daraus kristallisierte sich bei ihm dann immer mehr ein Wunsch heraus: „Je mehr ich mich hier eingelebt habe, desto mehr wollte ich hier einfach bleiben.“

Für ihre Entscheidung, im Rahmen ihres Freiwilligendienstes in der Pflege zu arbeiten, erhalten Annabel und Felix viel Anerkennung von ihrem Umfeld. Auch, weil viele sich diese Arbeit selbst nicht zutrauen würden. Felix zieht für sich daraus eine positive Erkenntnis: Die Reaktionen hätten ihm gezeigt, dass diese Arbeit nicht selbstverständlich ist und dass es wichtig ist, Menschen zu haben, die sich darauf einlassen können. Während seines Bundesfreiwilligendienstes macht Felix dabei die Erfahrung, dass er selbst genau dazu in der Lage ist: sich auf diese Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen einzulassen. Er unterstreicht, dass genau diese Nähe zu den Menschen sowie ihre Sorgen, Bedürfnisse und Wünsche wahrzunehmen und bestmöglich darauf einzugehen, für ihn das Schönste an der Arbeit in der Pflege ist. 

Für diese Nähe braucht es für Felix vor allem eine Eigenschaft: Offenheit. Sie habe ihm schon im Bundesfreiwilligendienst geholfen und begleitet ihn auch heute in der Ausbildung. Es geht dabei um Offenheit gegenüber den Menschen, die man pflegt, dem Team, mit dem man zusammenarbeitet, sowie „guten und blöden Tagen“. Blöde Tage sind für Felix solche Tage, an denen etwas passiert und sich die Auswirkungen dann durch den ganzen Tag ziehen. In der Pflege sei das gleichzeitig aber auch völlig normal, dass so etwas immer passieren kann, macht er deutlich. 

Dass die Arbeit in der Pflege nicht vorhersehbar ist, hat auch Annabel während ihres FSJ erlebt: „Was ich gelernt habe, ist, wenn man in der Pflege ist, da kann der Tag nicht so laufen, wie du es planst, weil immer irgendwas Kleines dazwischen kommt“. Aus ihrem FSJ nimmt sie vor allem mit, dass sie gelernt hat, noch offener zu sein und stellt diesen Punkt wie Felix heraus. Sie ergänzt, dass sie außerdem gelernt hat sich selbst mehr zuzutrauen. Bestärkt hat sie hierbei auch die Dankbarkeit der Bewohnerinnen und Bewohner, die sie als Feedback auf ihre Arbeit erhalten hat.

Aus ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen heraus sieht Annabel für künftige FSJler:innen die Chance, mit einem Freiwilligendienst praktische Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden: Ist das ein Beruf, der zu mir passt? Weil ein FSJ für sie mehr bietet als ein Praktikum und über ein ganzes Jahr verschiedene Facetten und Einblicke in einen Berufsbereich gibt. Felix empfiehlt künftigen Freiwilligendienstler:innen, auf jeden Fall Fragen zu stellen und mit den Kolleg:innen aus dem Team zu sprechen, egal, ob man etwas nicht versteht oder man Eindrücke verarbeiten möchte. Dieser Austausch mit dem Team bleibt auch in der Ausbildung wichtig. Die eigene Rolle verändert sich aber, erklärt Felix. Das Organisatorische und mehr Eigenverantwortung rücken mit den neuen Aufgaben in der Ausbildung in den Fokus.

Freiwilligendienste wie das FSJ von Annabel und der Bundesfreiwilligendienst von Felix bieten die Chance, ein Berufsfeld wie die Pflege aktiv kennenzulernen, sich auszuprobieren und sich selbst weiterzuentwickeln, um herauszufinden was einem liegt. Für beide hat genau das sehr gut funktioniert, denn aus dem detaillierten Einblick in die Pflege ist der Wunsch entstanden zu bleiben. Der Freiwilligendienst ist aus der heutigen Perspektive für beide damit tatsächlich das, was Felix rückblickend als „Leuchtturm“ bezeichnet: eine Orientierung dafür, wo es beruflich hingehen kann.

Fotos: Diakonie Gütersloh

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