Ein ,,Sahnehäubchen“ im Orchesterklang
DAS SONIC.ART SAXOPHONQUARTETT IN DER STADTHALLE GÜTERSLOH
Vier Saxophone und ein großes Orchester: Wenn das sonic.art Saxophonquartett am 22. April gemeinsam seinen Auftritt mit der Nordwestdeutschen Philharmonie in der Stadthalle Gütersloh hat, treffen außergewöhnliche Klangfarben auf orchestrale Wucht. Im Gespräch geben Adrian und Annegret Tully Einblicke in die Vielseitigkeit ihres Instruments, die besondere Zusammenarbeit mit dem Orchester und die Faszination, klassische Musik mit dem Saxophon neu erlebbar zu machen.
Wenn man Ihren Auftritt hier mit nur drei Begriffen ankündigen sollte, welche wären das?
Adrian Tully _ Saxophon, Show, Erlebnis.
Im Mittelpunkt stehen dann vier Saxophone. Was macht diese Instrumente dabei besonders?
Annegret Tully _ Ich denke, die große klangliche Bandbreite. Im Saxophonquartett
gibt es, ähnlich wie im Chor, vier Stimmlagen: Sopran, Alt, Tenor und Bariton. Jedes Saxophon hat eine individuelle Klangfarbe, wahrscheinlich noch stärker als beispielsweise bei einem Streichquartett. Man kann einerseits einen homogenen Quartettklang erzeugen, andererseits kann jedes Instrument deutlich aus diesem Klang ausbrechen. Wir können zarte Töne erzeugen, warm und weich spielen, aber auch schrill bis hin zu derb.
Das Saxophon wird oft mit Jazz verbunden. Was reizt Sie daran, damit Klassik zu spielen?
Annegret Tully_ Als das Saxophon erfunden wurde (1842), gab es noch gar keinen Jazz. Es war tatsächlich als Orchesterinstrument erdacht – als Brücke zwischen Holz und Blech. Sie mag das Saxophon im Jazz persönlich sehr gern, aber gerade in der klassischen und modernen klassischen Musik lässt sich die Vielseitigkeit des Instruments zeigen. Das ist eine große Überraschung für das Publikum, das nicht selten zum ersten Mal klassisches Saxophon hört. Es macht große Freude, Menschen damit für das Instrument zu begeistern.
Sie spielen in Gütersloh das „Concerto grosso“ von William Bolcom. Was ist das für ein Stück?
Adrian Tully _ Es erinnert manchmal an Filmmusik und generell an einen amerikanischen Klang. Es gibt vier Sätze mit unterschiedlichen Stilen: klassisch und lebendig, ein Lied ohne Worte, einen schmalzigen Walzer und zum Schluss eine jazzige und witzige Badinerie.
Im Concerto grosso geht es um den Dialog zwischen Solisten und Orchester: Ist das ein Miteinander oder ein musikalisches Kräftemessen?
Adrian Tully _ Gegen ein großes Orchester werden wir nie gewinnen! Daher geht es eher um Dialog und einen Austausch von Ideen und Farben. Nur manchmal bei den Höhepunkten spielen wir mit dem vollen Orchester kräftig zusammen – dabei haben wir Glück, dass der Saxophonklang sich so stark von den klassischen Instrumenten unterscheiden kann. Da sind wir ein „Sahnehäubchen“ auf dem Orchesterklang.
Was passiert denn in der Zusammenarbeit mit einem Orchester, was im Quartett allein nicht möglich ist?
Adrian Tully _ Musikalisch gesehen entdecken wir mit einem Orchester zusammen neue Klangfarben. Besonders bei Uraufführungen von neuen Werken, wie dem „Concerto Elena Firsova“, das wir neulich in Linz und Darmstadt spielten. 2027 werden wir auch in Bochum ein neues Werk von Dai Fujikura mit Orchester präsentieren – auf die neuen Möglichkeiten unserer Klangkörper sind wir immer gespannt.
Welche Reaktionen erleben Sie beim Publikum auf diese Art der Stücke?
Adrian Tully _ In Deutschland sind die ZuschauerInnen sehr offen dafür. Selbst wenn es mal eine kleine Herausforderung gibt, sind die Programme von der Intendanz immer gut durchdacht und gestaltet. Ich finde, die deutschen Orchester kennen ihr Publikum sehr gut.
Insgesamt reicht ihr Repertoire von Barock bis Gegenwart – wie entscheiden Sie, was auf die Bühne kommt?
Annegret Tully _ Bei Originalliteratur für Saxophon bestimmen wir irgendwie gemeinsam, was uns gefällt und zu uns passt. Wenn wir bearbeiten, müssen wir aber erst mal entscheiden, ob man ein Werk auch mit Blasinstrumenten umsetzen kann. Ein Stück verändert sich durch die Bearbeitung etwas, der Charakter sollte aber erhalten bleiben. Nicht zuletzt entscheiden die KonzertveranstalterInnen mit. Diese kennen ihr Publikum und haben ein Gespür, wie abenteuerlustig es ist.
Wenn das Publikum nach dem letzten Ton ein Gefühl behalten soll – welches wäre das?
Adrian Tully _ Wer weiß, was eine Person an dem Tag oder in der Woche vor unserem Konzert schon erlebt hat … Vielleicht wird man begeistert, herausgefordert oder berührt – wir können nur hoffen! Oder man entscheidet, endlich mal ein Instrument zu lernen, oder vielleicht ist man kurz abgelenkt und erlebt etwas innere Ruhe. Hauptsache, das Publikum hat etwas gefühlt – langweilig wird’s auf keinen Fall!
Stadthalle Gütersloh
Nordwestdeutsche
Philharmonie/Adrien
Perruchon/sonic.art
Saxophonquartett
Mittwoch, 22. April,
20 Uhr
Einführung: 19.15 Uhr
Eintritt: 21,-/25,-/30,-/
36,-/39,- Euro (ermäßigt:
10,50/12,50/ 15,-/18,-/
19,50 Euro)
Programm:
Khachaturian,
Masquerade Suite |
Bolcom, Concerto
grosso | Dvorák,
Sinfonie Nr. 4 d-moll
Foto: SONIC.ART







