Kontern mit Klara Kontext

Entwickelt wurden der Bot und die dazugehörige Website klaraklartext.info von den „Omas gegen rechts“ in Hürth zusammen mit Sandra, dem Gesicht und der Stimme der „Omas“ im Kreis Gütersloh. Für Sandra, von Haus aus IT-Fachfrau mit sprachwissenschaftlicher Vorbildung, und Kassandra, Mitgründerin der Omas gegen rechts im Kreis Gütersloh, war „Klara Klartext“ ein Herzensanliegen. Denn aus Erfahrung an den Infoständen oder in Social-Media-Diskussionen wissen die beiden Frauen und viele ihrer Mitstreiterinnen, dass der geschlossenen Weltsicht aus Behauptungen und Vorurteilen am ehesten mit fundierten Fakten und durchgehender Sachlichkeit beizukommen ist. Darauf ist die KI-Assistentin Klara trainiert, ein Chatbot, der auf der inhaltlichen Basis von sieben Leitlinien konzipiert wurde: „Wahrhaftigkeit vor Meinung, demokratische Verantwortung, gesellschaftliche Wirkung im Blick, Wachsamkeit gegenüber Ausgrenzung, Klarheit statt Eskalation, Förderung kritischen Denkens und Menschenwürde als Maßstab“ sind die Leitplanken, an denen sich die Inhalte ausrichten.

Technisch ist zurzeit noch ChatGPT Klaras Grundlage: „Aber das übertragen wir gerade auf ein anderes Programm, weil wir grundsätzlich die enge politische Verbindung mit Trump ablehnen, dem OpenAI gerade eine riesige Spende hat zukommen lassen“, kündigt Sandra an, die ebenso wie Kassandra ihren Nachnamen aus der Öffentlichkeit heraushalten will. Das Projekt befindet sich jetzt in der erweiterten Testphase. Wie jedes KI-System lernt es laufend dazu, nicht zuletzt durch Anwendung und alle weiteren Anregungen, die hereinkommen.

Der Chat mit dem (Ro-)Bot ist dialogisch aufgebaut. Wer ihn zum Beispiel nach den Folgen eines Austritts aus der EU fragt, wird von ihm unter anderem auf die wirtschaftlichen Folgen hingewiesen werden: „Deutschland könnte Handelsbarrieren wie Zölle und längere Grenzkontrollen erleben, was den Handel mit EU-Ländern erschweren und verteuern würde“. Klara belässt es aber nicht bei Kurzantworten, sondern unterstützt auch weiter mit Recherche-Hinweisen oder Links zu Materialien für Vorträge oder Schulprojekte. Besonders auf Letzteres weisen Sandra und Kassandra hin, denen daran liegt, dass Klara Klartext – bebildert mit dem freundlichen Avatar einer lächelnden Frau, die mitten im Leben steht – möglichst rege genutzt wird.

Gerade sind sie dabei, Termine in Schulen zu machen, um den Chatbot beim Lehrpersonal und auch bei Schülern vorzustellen. Denn laut Sandra sei ein entsprechendes Projekt bisher nicht bekannt: „Ehrlich gesagt hat mich das auch überrascht.“ Aufmerksamkeit hat das Tool, das unter anderem mit EU-Mitteln gefördert wird, seit der ersten Vorstellung in Hürth im März allerdings bereits erzeugt. Das Fraunhofer-Institut habe Interesse gezeigt, freut sich Sandra am Dienstag beim Vortrag vor Mitstreiterinnen und Mitstreitern von Omas gegen rechts: „Das wäre der Durchbruch.“

Foto: Susanne Zimmermann

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