„Wir waren friedensbeseelt“

Zeitzeugen berichten in der Volkshochschule von ihrem Engagement im Friedensaktivismus 

Dieses Thema hat offensichtlich größeres Interesse geweckt: Rund 40 Besucherinnen und Besucher sind kürzlich in der Aula der Volkshochschule (VHS) zum 19. Erzählcafé zusammengekommen. Bei der Veranstaltung des städtischen Fachbereichs Kultur wurden Erinnerungen, Erfahrungen und Perspektiven aus mehreren Jahrzehnten Friedensarbeit vorgetragen und diskutiert. Die Veranstaltung wurde von Historiker Dr. Franz Jungbluth moderiert.

Auf dem Podium berichteten vier Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus unterschiedlichen Kontexten ihres Engagements: Eckhard Möller, Frido Jacobs, Monika Füller und Ludger Kleine-Ridder. Sie schilderten persönliche Zugänge zum Friedensaktivismus und spannten dabei einen Bogen von den Protestbewegungen der 1960er-Jahre bis zu heutigen Initiativen.

Eckhard Möller erinnerte sich an seine erste Friedensdemonstration im Jahr 1967. Damals war Möller erst 13 Jahre alt und entschied sich später, geprägt von vielen weiteren Friedensaktionen, zur Kriegsdienstverweigerung. Rückblickend zeigt er sich überzeugt von seiner Entscheidung: „Ich würde es wieder tun“, sagte Möller – und betonte, dass die Frage der Verweigerung heute wieder aktueller denn je sei.  

Auch Frido Jacobs entschied sich ebenfalls zur Kriegsdienstverweigerung. Damit gehörte er Ende der 50er zur ersten Generation der Verweigerer, die damals noch Wehrdienstverweigerung genannt wurde. Geprägt wurde er unter anderem durch die Erfahrungen seines Vaters in Kriegsgefangenschaft. Früh engagierte er sich zudem in der örtlichen Gruppe von Amnesty International. Sein Ziel sei es gewesen, den Gedanken von Demokratie und Menschenrechten in andere Staaten zu tragen und auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen.

Monika Füller berichtete ausführlich über die Friedensaktivistin Sabine Gramlich und deren Wirkung in Gütersloh. Durch den Französischunterricht war sie mit Gramlich in Kontakt gekommen und engagierte sich bald selbst im Friedenskreis. Gemeinsam organisierten sie unter anderem die Aktion „Stille für den Frieden“ in der Martin-Luther-Kirche. Zudem gestalteten sie Fotos und Plakate für Demonstrationen. „Wir waren friedensbeseelt“, erinnerte sich Füller. Auch vor symbolträchtigen, aber bewusst friedlichen Aktionen schreckte die Gruppe nicht zurück – etwa als zur Veranschaulichung der atomaren Bedrohung durch den nahegelegenen Flugplatz Leichensäcke aufgestellt wurden. 

Der ehemalige Lehrer Ludger Kleine-Ridder berichtete von jahrzehntelangem Engagement in verschiedenen Initiativen. Dazu gehörten Demonstrationen und Flugblattaktionen gegen Atomenergie unter dem Motto „Strom ohne Atom“, Friedensmärsche sowie Projekte wie Regenwald-AGs an Schulen, mit denen er Umwelt- und Friedensfragen auch in die Bildungsarbeit einbrachte. 

Auch das Publikum beteiligte sich lebhaft an der Diskussion. Viele der Anwesenden kannten sich aus früheren gemeinsamen Aktionen gegen Krieg und Aufrüstung und ergänzten die Erinnerungen mit eigenen Beiträgen. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Bedeutung von Sabine Gramlich (1913–2005), die für viele eine prägende Persönlichkeit der lokalen Friedensbewegung war. 

Das Erzählcafé entwickelte sich so zu einem Abend des Erinnerns und Austauschs über Engagement, Mut und gesellschaftliche Verantwortung. Das Video zur Veranstaltung steht ab sofort auf dem Kulturportal unter www.stadt.gt/erzaehlcafe-19 kostenfrei zur Verfügung.

Auf dem Podium berichteten vier Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus unterschiedlichen Kontexten ihres Engagements: Eckhard Möller, Frido Jacobs, Monika Füller und Ludger Kleine-Ridder. Foto: Stadt Gütersloh. 

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