Smart City Gütersloh
KI ersetzt nicht den Kontakt von Mensch zu Mensch
Haben die Roboter das Rathaus übernommen? Oder ist doch noch nicht alles „smart“ in der City? gt!nfo hat bei Carsten Schlepphorst und Thorsten Schmidthuis zum Stand der Dinge nachgefragt. Als Beigeordneter und Fachbereichsleiter stehen sie an der Spitze des Digitalisierungsteams in der Gütersloher Verwaltung.
Vor knapp zehn Jahren hat die Stadt Gütersloh in einer ersten großen Kampagne zur Digitalisierung den Leitsatz entwickelt „Wir machen uns das Leben leichter“. Woran merken die Gütersloher und Gütersloherinnen das, wenn sie Kontakt mit dem Rathaus aufnehmen?
Carsten Schlepphorst: Ganz konkret im Bürgerportal, das wir Anfang 2025 ganz neu konzipiert und an den Start gebracht haben und das das alte Portal komplett ersetzt. Es ist jetzt, im Gegenteil zu früher, direkt in unsere städtische Website integriert, so dass die Bürger und Bürgerinnen nicht mehr zwischen verschiedenen Systemen wechseln müssen. Sie können Leistungen dort beantragen, wo sie sich auch informieren.
Thorsten Schmidthuis: Im Bürgerportal sind Stand heute mehr als 70 städtische Dienstleistungen aus allen Bereichen aufgenommen und – wo möglich – laufen sie medienbruchfrei digital durch, also von der Antragstellung, über die Bearbeitung bis zur Antwort.
Carsten Schlepphorst: „Wir machen uns das Leben leichter“ wollen wir auch im Handling darstellen. Das heißt: Für die Anmeldung über die zentrale BundID haben wir die niedrigschwelligste Form gewählt: Anmeldung über E-Mail-Adresse und Password. Wir würden uns allerdings wünschen, dass der Bund den bundesweiten Zugang zu Behördendienstleistungen stärker bewirbt, denn wir merken, dass es da eine gewisse Zurückhaltung bei den potenziellen Nutzern gibt. Was die Dienstleistungen angeht, arbeiten wir so pragmatisch wie möglich. Wenn jemand zum Beispiel ein Führungszeugnis beantragt und bezahlt, muss keine Unterschrift erfolgen. Wenn jemand für einen Dritten ein Führungszeugnis beantragt und bezahlt, ist das okay. Es wird ohnehin direkt an den Adressaten geschickt. Dort, wo wir die Hürden niedrig halten können, machen wir das.
Wo läuft das schon richtig gut?
Thorsten Schmidthuis: Neben den klassischen Dienstleistungen wie Sperrmüll-Antrag, Meldebescheinigung oder Wohnsitzanmeldung kann man als Beispiel den ganzen Bereich des E-Payments nennen. PayPal ist drin und ganz neu nun auch die Zahlung mit Kreditkarte. Komplett neu aufgesetzt haben wir zum Beispiel Antrag und Vergabe der Bewohnerparkausweise, was intern und extern jetzt viel einfacher ist. Gut läuft auch der Self-Checkin am Servicecounter im Bürgerbüro.
Und trotzdem schneidet Gütersloh im Ranking der Bitkom, dem führenden Digitalverband, eher bescheiden ab. Wie kann das sein in einer Stadt, die beim Smart-City-Projekt des Bundes zu den Modellkommunen gehört?
Carsten Schlepphorst: Rankings können Fluch und Segen zugleich sein. Im Falle des Bitkom-Rankings kritisieren wir, dass die Vergleichbarkeit nur bedingt möglich ist, denn wir werden hier mit „großen“ Großstädten verglichen und nach Kriterien bewertet, die bei uns teilweise gar keine Rolle spielen. Beispiel: KfZ-Zulassung, die bei uns Aufgabe des Kreises ist oder Themen wie E-Scooter und urbane Logistik. Alles keine Themen bei uns, aber wir bekommen dafür 0 Punkte. Bei anderen Themen frage ich mich, warum die nicht berücksichtigt worden sind: wenn wir zum Beispiel in Seniorenheimen mit Smartphone und Tablet Schulungen machen. Oder nehmen Sie die flächendeckende digitale Ausstattung unserer Schulen, da sind wir deutlich unterbewertet worden. Aber es gilt auch: Unser Ziel ist kein Ranking-Platz, sondern es sind konkrete Verbesserungen für die Menschen vor Ort.
Kürzlich haben Sie den sogenannten Urban Stack vorgestellt – ein digitales Ökosystem, das als Open-Source-Plattform auch von anderen Kommunen genutzt und gemeinsam weiterentwickelt werden kann. Das sollte die Stadt Gütersloh im nächsten Ranking aber nach vorne bringen, oder?
Carsten Schlepphorst: Allein, dass es hier bei uns als Smart-City-Projekt entwickelt worden ist, ist schon besonders. Vor allem überzeugt aber seine vielfältige Einsatz- und Weiterentwicklungsmöglichkeit. Die Stadt der Zukunft wird mit Daten gestaltet. Dazu leistet der Urban Stack einen wesentlichen Beitrag, indem die Plattform es Kommunen ermöglicht, gemeinsam digitale Lösungen zu entwickeln und zu nutzen. Zum einen für ihre eigenen Datenbestände, zum anderen auch in der Vernetzung der Daten.
Foto: Susanne Zimmermann






