Mit Leidenschaft und Empathie
ESG-Schülerfirma Aero One zur besten in Deutschland gekürt
Professionelle Drohnenaufnahmen als volldigitale Lösung für Immobilienmaklerinnen und -makler, Bauunternehmen sowie Architekturbüros: Das ist die Geschäftsidee der Schülerfirma „Aero One“ vom Evangelisch-Stiftischen Gymnasium Gütersloh.
Eine hochkarätig besetzte Fachjury beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln kürte Ende Juni „Aero One“ zur besten Schülerfirma Deutschlands und vergab auch gleich Studienstipendien. Für gt!nfo stellten sich die Schülerinnen Freya Knight (15) und Amy Thomalla (16) von Aero One zum Stadtgespräch über ihr Projekt, ihre Arbeit und ihre Leidenschaft.
Wie kam es zur Schülerfirma „Aero One“?
Amy: Gerne. Die Initiatoren waren Linus Held und Jonathan Kreutzheide. Linus beschäftigte sich schon als Neunjähriger leidenschaftlich mit Drohnen und hat auch den Drohnenführerschein gemacht. In unserem Wahlpflichtfach „Wirtschaft, Medien, Kultur“ – kurz: WMK – traf er auf unseren heutigen Geschäftsführer Jonathan, der im WMK bereits mit 14 Jahren eine erste Medienfirma gegründet hatte. Die beiden heckten dann die „Aero One“-Idee aus.
Freya: Linus ist also auf Jonathan zugegangen mit der Drohnenidee, und Jonathan überlegte sich den Immobilienmarkt als Zielgruppe, also Makler, Immobilieneigentümer, Bauunternehmen und Architekten. Das war im Herbst vergangenen Jahres. Friederich Grüninger, Amy Thomalla und ich stießen dazu, und die eigentliche Arbeit startete dann im Januar. Im März haben wir das Projekt bereits gelauncht.
Jonathan hatte schon eine gute Struktur, und die Bereiche und Zuständigkeiten untereinander für Finanzen, Technik, Marketingmanagement und Vertrieb waren schnell festgelegt. Seit März sind wir voll geschäftsfähig. Rechtlich sind wir Partner vom Bereich ESG-Medien.
Das ging ja alles ganz schnell …
Freya: Ja, im März ging unsere Website online. Wir hatten unseren Businessplan aufgestellt und schon die ersten Kunden akquiriert – das Maklerunternehmen Kaup Immobilien, conceptGT und Wapelbeats, für die wir seitdem Fotos und Filme von Immobilien, Grundstücken und auch Events produziert haben.
Macht ihr mit eurer Firma bereits richtigen Umsatz?
Freya: Ja, wir dürfen aber aus steuerlichen Gründen nicht mehr als 20.000 Euro Umsatz machen, aber so weit sind wir noch lange nicht. Zurzeit wird auch jeder Umsatz direkt wieder in Equipment, Software oder Weiterentwicklungen reinvestiert.
Wie groß ist eure Gruppe?
Amy: Wir sind zu fünft: Jonathan ist Geschäftsführer und auch unser KI-Freak. Linus ist der Drohnenpilot, Friederich hat bisher das Backoffice gemacht und übernimmt jetzt die Technik. Amy verantwortet den Bereich Marketingmanagement, und ich bin die Head of Sales. Aber wir sind nur eine von insgesamt zehn Start-up-Schülerfirmen im Wahlpflichtfach WMK mit insgesamt 55 Schülerinnen und Schülern.
Wie oft trefft ihr euch?
Amy: Jeden Tag. Seit dem Bundeswettbewerb sind wir für zwei Wochen freigestellt, weil wir uns mit dem ersten Preis in Köln für den europäischen Wettbewerb, der in Lettlands Hauptstadt Riga stattfindet, qualifiziert haben. Wir feilen jetzt weiter an unserem Konzept und müssen dort alles auf Englisch performen.
Das ist dann wirklich eine große Bühne, das Fernsehen ist da und die Presse. Am Pitch in Riga – dazu gehört ja auch der Messestand – sind 40 Firmen aus rund 30 Ländern beteiligt. Wir sind, ehrlich gesagt, schon ziemlich nervös. Gut, dass uns unsere betreuenden Lehrer Johannes Leiskau und Tanja Milse wieder begleiten!
Wie schafft ihr das neben dem normalen Unterricht?
Freya: Unser Schülerfirmenprojekt ist ja eines unserer Fächer, das geht also in die Zeugnisse ein. Wir investieren dazu aber auch jeden Nachmittag mindestens anderthalb Extrastunden in die Firma. Eigentlich sind wir Tag und Nacht mit dem Thema beschäftigt. Alles dreht sich derzeit um die Weiterentwicklung unseres Projekts.
Natürlich skalieren wir unsere Geschäftsidee. Da gibt es ständig neue Ideen. Zum Beispiel bildet Linus Drohnenpiloten aus, er baut die Drohnen auch selbst und kann sie reparieren, was uns natürlich viele Kosten einspart. Wir akquirieren weitere Kundenkreise, erstellen YouTube-Videos für B2B-Kunden und so weiter. Im Moment sind wir gefühlt ständig mit der Firma beschäftigt.
Was uns hilft, ist, dass wir wirklich mit Empathie und viel Leidenschaft für das Projekt arbeiten. Es macht einfach Spaß!
Wendet ihr euch auch an private Kunden?
Amy: Klar haben wir auch ein B2C-Angebot. Dafür haben wir die eigene Plattform Immohero.org entwickelt. Da ist alles dabei, was das Herz eines Privatkunden begehrt. Man muss nicht direkt mit uns in Kontakt treten. Alles wird über den E-Mail-Server abgewickelt, Buchungen werden automatisch bestätigt.
Gerade launchen wir auch unsere eigene Planungsplattform für die gewünschten konkreten Drohnenflüge, die zeitlichen Abstimmungen und das Buchen. Je nach Wunschpaket werden die Preise direkt ausgeworfen. Und wir garantieren eine Fertigstellung innerhalb von 48 Stunden.
Das ist wichtig, weil jeder Tag, an dem man eine Immobilie nicht verkauft, den Verkäufer Geld kostet. Immo Hero hat uns übrigens auch zum europäischen Entscheid gebracht, weil es europaweit angeboten werden kann und skalierbar ist.
War der Entwicklungsdrang schon immer da?
Freya: Bei mir ist es das Gefühl: Ich kann mein Leben selbst aufbauen. Ich kann eine Idee entwickeln und daraus etwas machen. Und als wir dann in dem Projekt drin waren, hat sich das alles erst richtig entwickelt.
Jonathan hat uns am Anfang ziemlich getrieben. Er wusste ja, wo es langgeht bei einer Firmengründung, und wir waren da noch vergleichsweise unerfahren. Er machte uns Mut für die ersten Anrufe bei möglichen Kunden. Diese Erstkontakte mit Kaup Immobilien und conceptGT, bei denen wir uns als Schülerfirma vorstellten, waren dann auch gleich erfolgreich – bis heute.
Welche Rolle spielt die Schule für euch?
Amy: Das ESG wird von innovativen Ideen getragen. Es bietet eine Infrastruktur, in der wir uns entfalten können. Die Lehrer pushen uns, wo immer es geht, egal, ob es um den Unterricht selbst geht oder um Ideen außerhalb der Schule.
Dazu kommt aber auch, dass wir uns als Team passend gefunden haben, denn wir sind alle sehr leistungsorientiert. Im Moment sind wir allerdings echt am Limit; wir schlafen nicht genug. Das liegt einfach daran, dass wir abends mit neuen Ideen einschlafen und morgens direkt alles umsetzen – und das meistens schon, bevor wir in die Schule fahren.
Bleibt nebenbei noch Zeit für TikTok und Instagram?
Freya: Natürlich nutzen wir Social Media, aber in erster Linie für unser Projekt, weil wir uns vermarkten möchten. Wir connecten uns auf LinkedIn mit Bildungsministerien, mit dem Amoni-Programm, mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft und anderen.
Wir suchen einfach Connections, weil es immer wieder etwas Neues gibt, das uns treibt. Das ist anstrengend, aber wir können es schaffen, weil wir meiner Meinung nach eine gute Balance und eine gute Struktur in unserem Leben haben. Dazu gehört auch, dass wir uns auf unsere Elternhäuser verlassen können. Sie unterstützen uns immer bei unseren Ideen.
Es scheint ja gar keine Probleme zu geben?
Freya: Doch, natürlich gibt es welche. Aber wir haben gelernt, Probleme eher als Chancen zu sehen, gerade wenn uns die Emotionen mal ein bisschen mitreißen.
Gestern zum Beispiel haben wir erst überlegt, wo wir mit der Vorbereitung auf Riga und den Europaentscheid überhaupt anfangen sollten, weil einfach so viel Spannendes vor uns liegt. Es gibt gerade wahnsinnig viel zu tun. Meine Mutter sagt manchmal, sie könne kaum fassen, wie schnell wir uns in der Schule gerade weiterentwickeln.
Spürt ihr die Veränderung bei euch selbst?
Amy: Also, ich würde tatsächlich sagen, ich war immer schon recht selbstständig im privaten Bereich. Aber ich war nie so wirklich selbstbewusst. Und jetzt, seitdem wir die Firma gegründet haben, bin ich total ein extrovertierter, offener Mensch geworden.
Ich merke, was eigentlich in mir steckt, und bin damit viel selbstbewusster geworden. Ich zeige das auch gerne. Das hilft, in Konfliktsituationen Standing zu zeigen. Es ist nicht immer leicht, alles im Team zu entscheiden, aber wir schaffen das. Wir sind eine tolle Gruppe und haben viel Spaß bei der Arbeit.
Wie bereitet ihr euch auf den europäischen Wettbewerb vor?
Freya: Wir waren gerade in Frankfurt und haben dort einen Management-School-Workshop bei Bloomberg gehabt, den wir in Köln geschenkt bekommen haben. Das war ein wirklich extrem tolles Pitchtraining auf Englisch, bei dem wir unter anderem die Juryinterviews für Riga geübt haben.
Die Verantwortlichen gaben uns viel Feedback dazu, wie und wo wir unsere Performance noch überarbeiten müssen. Es ging auch um Kleinigkeiten, zum Beispiel, dass wir unser Team Mitglied für Mitglied vorstellen sollten, unsere Charts nicht zu sehr ausdehnen sollten und anderes mehr.
Sie haben auch im Businessplan Schwachstellen entdeckt und gezeigt, was man noch besser machen könnte. Am Ende sind wir fast mit einem leeren Pitch nach Hause gefahren – aber mit ganz vielen Notizen. Das ist jetzt die Arbeit, die wir für Riga machen müssen. Wir sind Bloomberg sehr dankbar für die Hinweise!
Wie weist ihr die Rechtssicherheit eurer Aufnahmen nach?
Amy: Das tun wir auch. In unserem Management Summary zeigen wir, wie wir bei den Videos und Fotos Rechtssicherheit herstellen, welchen Umsatz wir erwarten können, welche Umsatzrendite wir erzielen, wie skalierbar unser Geschäft ist und so weiter. Und wir beschreiben dezidiert unsere Geschäftsidee und unsere Dienstleistungen.
Freya: Was auch erwähnt werden muss, sind die notwendigen Verträge, die wir mit unseren Kunden abschließen müssen. Dafür suchen wir noch einen superguten Rechtsanwalt. Das wird uns Geld kosten, aber das ist es uns wert, um irgendwann mit diesem Geschäft auch selbst Geld verdienen zu können.
Bleibt noch zu sagen: Viel Glück und Erfolg beim europäischen Wettbewerb in Riga!
Amy und Freya: Herzlichen Dank!
Nach Redaktionsschluss erreichte die Redaktion die Nachricht, dass Aero One beim europäischen Entscheid in Riga einen mittleren Platz belegte. Auch das ist eine starke Leistung!

Fotos: Heiner Wichelmann




