Gute Freund, getreue Nachbarn
Das Brot des Lebens ist nicht nur das Brot. Es ist nicht nur eine festliche Mahlzeit. In seiner Auslegung der vierten Bitte des Vaterunser – „unser täglich Brot gib uns heute“ – zählt Luther die Elemente des Lebens auf, die den Hunger von Leib und Seele stillen: An letzter Stelle nennt er die „guten Freunde und getreuen Nachbarn“. Heute ist nach 50 Jahren gt!nfo Gelegenheit, dafür zu danken.
In der Bibel ist zu lesen, es sei wohlgefällig, „wenn die Nachbarn sich lieb haben“. Manchmal denke ich, es wäre schon viel wert, wenn manche Nachbarn sich einfach in Ruhe ließen. Aber das steht nicht in der Bibel. Und Luther spricht von den „getreuen“ Nachbarn. „Getreu“? Das sind Mitmenschen, die in treuer, anhänglicher Weise eine menschliche Beziehung pflegen und wahrnehmen und sich dabei auch durch Belastungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen – eben „getreu“. Wer das von seinen Nachbarn und Mitmenschen erfährt und selber weitergibt, hat Anteil am Brot des Alltags.
Aber das Brot des Lebens ist auch nicht nur das Brot guter Nachbarschaft. Wie gesagt, in seiner Auslegung der vierten Bitte des Vaterunsers zählt Luther die Elemente des Lebens auf, die den Hunger von Leib und Seele stillen. Vor den getreuen Nachbarn nennt er dort „die guten Freunde“. Man könnte auch, heute beim gt!nfo-Jubiläum, einen „Tag der Freundschaft“ feiern? Aber die DDR hat einen solchen Schindluder mit dem kostbaren Begriff getrieben, dass „Tag der Freundschaft“ ein unmöglicher Ausdruck ist.
Jedoch können wir auf das Wort nicht verzichten. Es ist ja nicht von ungefähr, dass Jesus in seinen Abschiedsreden (Johannesevangelium 14–16) die Beziehung zu seinen Jüngern als „Freundschaft“ charakterisiert und er ihnen zeigt, dass sie nun „seine Freunde“ geworden sind.
Im menschlichen Bereich ist die Freundschaft nach der Ehe und den Familienbanden die zweitschönste Beziehung. Manchmal sind Freunde sogar wichtiger als die Verwandten. (Manchmal ist das so, und dann sollte man es auch akzeptieren.) Das Ziel guter Freundschaft ist es, ein herzliches Gegenüber zu finden, das sich mit der eigenen Persönlichkeit verträgt. „Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen und trotzdem zu uns halten“, hat die kluge Maria von Ebner-Eschenbach einmal gesagt. Darum auch ist die berühmte Tapferkeit vor dem Freund schwieriger als die Tapferkeit vor dem Feind.
Gelingende Freundschaft ist eine Gratwanderung von Nähe und Distanzbedürfnis, Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit. Freundschaften können ihre Zeit gehabt haben – oder zerbrechen.
Dir, lieber Herausgeber von gt!nfo, ist an diesem Tag zu danken, dass du manchen in Gütersloh zum „guten Freund“ und immer wieder für viele ein „getreuer Nachbar“ geworden bist. Die Psychologie sagt, dass ein Mensch mit 150 Personen in seiner Beziehungskapazität erschöpft ist und wir durchglühen, wenn wir diese Zahl überschreiten. Höchstens zehn Prozent dieser 150 könnten gute Freunde sein. Das kann nicht stimmen, wenn man an den großen, großen Kreis der Freunde von gt!nfo denkt.
Darum, lieber Markus Corsmeyer, bleib uns erhalten. Übernimm Dich nicht.
50 Jahre sind eine große Zahl. Und weiterhin getreue Nachbarn und gute Freunde.







