Starke neue VIER JAHRESZEITEN
Mit großen Namen kennt sich das Theater Gütersloh aus – so liest sich auch die neue Saison der Reihe „Vier Jahreszeiten“ wieder wie ein internationaler Konzertkalender im Taschenformat. Möglich macht das erneut die Sponsorengemeinschaft KulturPLUS+.
Die neue „Vier Jahreszeiten“-Saison verspricht Temperament, Atmosphäre und jede Menge Charakter. Dabei bleibt die Reihe ihrem Prinzip treu: keine bloße Aneinanderreihung von Veranstaltungen, Konzerten oder Lesungen, sondern Programme mit künstlerischen Handschriften. Internationale Stars treffen auf ungewöhnliche Formate, musikalische Grenzgänger auf große Erzählungen. Mal wird es opulent und dramatisch, mal intim und experimentell – immer aber steht eine starke Persönlichkeit im Mittelpunkt.
Los geht’s am 26. November mit ordentlich Drama und südamerikanischem Feuer. Der uruguayische Bassbariton Erwin Schrott eröffnet die Saison mit „Tango Diablo“ – einer Mischung aus Opernarien und Tango, irgendwo zwischen Verführung, Abgrund und großer Geste. Schrott gehört zu den Sängern, die eine Bühne komplett einnehmen können. International wurde er Ende der 1990er-Jahre bekannt, als er den von Plácido Domingo gegründeten Wettbewerb „Operalia“ gewann. Seitdem singt er an den großen Opernhäusern der Welt. In Gütersloh zeigt er nun eine Seite, die perfekt zu seiner Bühnenpräsenz passt: Opernfiguren voller Dämonik und Leidenschaft treffen auf den melancholischen Sog des Tangos. Mephisto-Arien von Gounod oder Boito stehen neben südamerikanischen Rhythmen, große Oper neben verrauchten Nachtclub-Vibes. Das dürfte weniger ein klassischer Liederabend werden als vielmehr ein musikalisches Schauspiel voller Temperament.


Am 19. Februar folgt dann ein Abend, der gleich mehrere musikalische Welten zusammenbringt. Pianist und Komponist Fazıl Say kommt gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel und der französischen Trompeterin Lucienne Renaudin Vary ins Theater Gütersloh. Say gehört seit Jahren zu den Musikern, die sich konsequent jeder Schublade entziehen. Er spielt Mozart ebenso selbstverständlich wie zeitgenössische Werke oder eigene Kompositionen und verbindet technische Brillanz mit einer fast improvisatorischen Freiheit. An seiner Seite steht mit Lucienne Renaudin Vary eine Musikerin, die derzeit als einer der aufregendsten Namen der jungen Klassikszene gilt. Die Französin bewegt sich genauso selbstverständlich zwischen klassischem Konzertrepertoire und Jazz wie Fazıl Say zwischen den musikalischen Stilen.
Am 4. April übernimmt dann Sophie Hunger. Die Schweizer Musikerin ist schwer in Kategorien zu packen: ein bisschen Jazz, ein bisschen Chanson, Indie-Pop, Folk, Singer-Songwriter – ihre Musik lebt von Brüchen, von Atmosphäre und einer Stimme, die gleichzeitig distanziert und nah wirken kann. Spätestens seit ihrem Album „Monday’s Ghost“ gehört sie zu den eigenständigsten Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie spielte auf großen Festivals wie Montreux oder Glastonbury, arbeitete mit Produzenten wie Dan Carey zusammen und veröffentlicht nicht nur Musik, sondern auch den viel beachteten Roman „Walzer für Niemand“. Nach einer ausverkauften Solotour kehrt sie nun mit einem neuen Album und einem vielstimmigen Ensemble zurück auf die Bühne.Statt klassischer Bandbesetzung entsteht dabei ein Klangraum aus Flöten, Marimba, Klavier und Cello-Drones.


Zum Finale am 5. Mai wird es schließlich rockig, literarisch und ziemlich Bowie. Schauspieler Alexander Scheer widmet sich in „HEROES“ dem Werk von David Bowie – allerdings nicht als klassische Tribute-Show. Statt bloßer Greatest Hits verbindet Scheer Songs mit Texten aus jener Literatur, die Bowie geschätzt hat: von Homer bis Dublin, von Dante bis Christa Wolf. In „HEROES“ geht es deshalb weniger um Nostalgie als um die Frage, woher Bowies Ideen eigentlich kamen und wie sehr Literatur, Pop und Theater bei ihm zusammengehörten. Scheer gehört zu den spannendsten deutschen Schauspielern seiner Generation. Ob auf der Berliner Volksbühne oder im Kino – etwa als Gerhard Gundermann oder in Rollen als Keith Richards und Andy Warhol.

Fotos: Matthias Mueller, Luna ZscharntRoland Wimmer, Fethi Karaduman Simon Fowler, Jérôme Witz







