Lokaljournalismus als Lebenselixier
Journalistinnen und Journalisten im Kreis Gütersloh trauern um einen, der wie kaum ein anderer die lokale Berichterstattung in der Region verkörperte: Johannes Bitter ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Der langjährige Gütersloher Lokal- und Kreis-Chef der Tageszeitung DIE GLOCKE war Lokaljournalist mit ganzem Herzen, und das ist so gemeint, wie es hier steht. Für Johannes Bitter war die Begleitung des lokalen und regionalen Geschehens „heilige“ Pflicht und Lebenselixier.
Über Jahrzehnte sorgte der gebürtige Rüthener dafür, dass die Leser und Leserinnen der GLOCKE gut informiert blieben über politische Entwicklungen und über das soziale Leben in Stadt und Kreis. Dabei gehörte er zu denjenigen seiner Zunft, die immer den gesamten Kreis Gütersloh im Blick hatten. Die kommunale Neuordnung Anfang der Siebziger Jahre, als aus den Kreisen Halle und Wiedenbrück der Kreis Gütersloh wurde, hat er als Berichterstatter aktiv begleitet, kontroverse Diskussionen dargestellt und komplexe Verwaltungsentscheidungen auf allgemein lesbares Niveau gebracht. Verständlichkeit, Aktualität und die Nähe zu den Menschen, die mit ihrer Arbeit, in Vereinen und Gruppen, auf Dörfern und in den Städten die Einwohnerschaft repräsentieren, blieben sein Anspruch in mehr als 40 Jahren Tätigkeit für die Zeitung, der er auch im Rentenalter bis fast zu seinem Tod als „freier Mitarbeiter“ verbunden blieb. Darüber hinaus kamen seine Erfahrung und sein umfassendes, geradezu archivalisches Wissen über Stadt und Kreis anderen Medien zugute. Für gt!nfo erstellte er über etliche Jahre hinweg den Jahresrückblick – präzise recherchiert, die großen Entwicklungen und spannende Details berücksichtigend.
Johannes Bitters Erinnerungsvermögen darf als legendär gelten: Vermutlich hätte man ihn nachts mit einer Frage zum zweiten Vorsitzenden eines Vereins in irgendeinem Ortsteil von Verl wecken können, und er hätte neben dem Namen auch die Amtszeit und die vorherige Tätigkeit nennen können. Aber nicht nur wegen dieser Fähigkeit war Bitter Ansprechpartner für jüngere Kolleginnen und Kollegen im lokalen Zeitungskosmos. Sachlichkeit, Fairness und die Einhaltung von allen Regeln der Vertraulichkeit kennzeichneten seine immer sachliche Berichterstattung. Geradezu legendär auch seine große Hilfsbereitschaft gegenüber denen, die als Journalisten neu in die Region kamen. Wer mit ihm als Anfängerin in einer Rats- oder Kreistags-Sitzung saß, durfte sicher sein, dass Johannes Bitter ihn mit den korrekten Namen, Vornamen und allen anderen wichtigen Informationen der Teilnehmenden versorgte.
Alle technischen Entwicklungen der vergangenen 60 Jahre hat Johannes Bitter miterlebt und mitgetragen: vom legendären „Bleisatz“ über Fax und „Floppy Disc“ bis hin zu digitalen Redaktionssystemen. Stift und Kamera blieben sein Basis-Arbeitszeug, wobei er als Redakteur zwangsläufig über viele Jahre auch zum „Meister der Dunkelkammer“ wurde, der jeden Tag sein Bildmaterial selbst entwickelte. Denn eines galt für den Menschen Johannes Bitter allemal: Als Chef blieb er immer auf Augenhöhe mit den Mitarbeitenden. Einer, an den man sich gern erinnern wird.
Foto: Archiv





