Helden im Heidewald

Die Stars des FC Gütersloh

Es waren die Jahre, in denen Fußball noch nach nassem Rasen roch, Ascheplätze und abgenutzte Schuhe den Alltag prägten und wilde Frisuren zum Spielfeld gehörten. Das Heidewaldstadion bot bis zu 15.000 Zuschauern eine greifbare, intensive Kulisse – Nähe zum Feld machte jedes Spiel zum Gemeinschaftserlebnis für Fans und Verein.

Training der 1. Mannschaft, geleitet von Fritz Grösche (4. v.l.)

In dieser Zeit wurde auch die Oberliga Westfalen gegründet, die dritthöchste Liga im deutschen System unter der 2. Bundesliga. Erfolg erforderte Einsatz, Konzentration und körperliche Präsenz: Viele Spieler pendelten tagsüber zwischen Beruf und Training, am Wochenende wartete der Rasen. Aufstiege in die 2. Bundesliga waren möglich, doch sie stellten Vereine vor enorme sportliche und organisatorische Herausforderungen. Die Meister jeder regionalen Oberliga mussten sich in Aufstiegsrunden gegen gleich starke Konkurrenten behaupten, bevor ein Sprung in den Profi-Bereich gelang. Gütersloh befand sich in diesem Spannungsfeld. Ohne Trainingszentren, Videoanalyse oder umfassendes Sponsoring waren Disziplin, Zusammenhalt und Charakter entscheidend – und genau das hatte der FCG.

Als der 1978 gegründete FC Gütersloh – hervorgegangen aus der Fusion von DJK Gütersloh und SV Arminia Gütersloh – erstmals in der Oberliga Westfalen antrat, war das kein vorsichtiges Herantasten eines Fusionsvereins. Es war ein klares Statement: Platz vier in der Premierensaison 1978/79 war ein Ausrufezeichen für einen Klub, der sich auf Anhieb behaupten wollte.

Thomas Stratos (Verteidiger, Mittelfeld) ist ein Bindeglied zwischen mehreren Generationen am FCG: Er begann seine Karriere in Gütersloh, spielte dort bis 1988 und kehrte fast 20 Jahre später als Ch eftrainer in der Saison 2006/07 zurück – ein Zeugnis dafür, wie eng die Bande zwischen Verein und Persönlichkeit waren. Seine spätere Profikarriere (unter anderem in der Bundesliga und 2. Bundesliga) verleiht seiner FCG-Zeit zusätzliches historisches Gewicht.

Aufbau der Mannschaft
An der Seitenlinie stand mit Fritz Grösche ein Trainer alter Schule. Grösche, der bereits im westfälischen Amateur- und Halbprofi-Fußball Erfahrungen gesammelt hatte, übernahm Verantwortung und prägte die Anfangsjahre entscheidend. Für ihn war Disziplin kein pädagogisches Konzept, sondern die Grundlage, um aus einer heterogenen Fusionstruppe ein funktionierendes Team mit klarer Hierarchie zu formen. Keine Experimente, klare Rollen, eindeutige Aufgaben – das war seine Philosophie. Auf dem Platz spiegelt sich dies in den Führungsspielern wider, die seine Vorgaben umsetzten und die Mannschaft strukturierten.

Zu ihnen gehörte damals unter anderem Heribert Bruchhagen. Der spätere Bundesliga-Manager, der bei Eintracht Frankfurt und beim Hamburger SV Karriere machen sollte, übernahm in Gütersloh in der Liga, in der Spiele der Legende nach eher robust und nach weniger strengen Regelauslegungen als heute liefen, die Rolle des Offensivspielers. Zwischen 1978 und 1982 stand er als Spieler im Kader des FCG, ehe er von 1982 bis 1988 als Trainer wirkte. In dieser Doppelfunktion – erst als Lenker auf dem Platz, später als Chef an der Linie – wurde er zu einer der prägenden Figuren der Vereinsgeschichte. Bruchhagen brachte Struktur ins Spiel, formte Taktik und Tempo, und führte die Mannschaft gemeinsam mit Axel Preuß, dessen Präsenz auf dem Platz von 1978 bis 1980 ein weiterer stabiler Pfeiler der frühen Jahre war. Laut Mannschaftskaderlisten absolvierte Preuß in diesen Jahren für den FCG 59 Spiele und erzielte 1 Tor. Er hatte vor der Gründung des FC Gütersloh übrigens schon für den Vorgängerverein Sportvereinigung Arminia Gütersloh (SVA) gespielt. Ein weiterer Spieler, der vom SVA mit in den FCG wechselte, war Wolfgang Mocek.

Willi Mense war als aktiver Fußballer zuvor unter anderem schon in der Bundesliga (Werder Bremen) und der 2. Bundesliga (Preußen Münster) aktiv, bevor er in Gütersloh Trainer wurde. Unter seiner Leitung gelang dem FCG 1989 dann im DFB-Pokal der 1:0-Sieg auswärts bei Hertha BSC. Ein Pokalabend in Berlin, der zeigte, wozu dieser Verein fähig war – dennoch gilt dieser Erfolg als ein klassischer Pokal Ausrutscher – ein Underdog Erfolg. Aber das macht es nicht weniger schön.

Aufbau der Mannschaft
An der Seitenlinie stand mit Fritz Grösche ein Trainer alter Schule. Grösche, der bereits im westfälischen Amateur- und Halbprofi-Fußball Erfahrungen gesammelt hatte, übernahm Verantwortung und prägte die Anfangsjahre entscheidend. Für ihn war Disziplin kein pädagogisches Konzept, sondern die Grundlage, um aus einer heterogenen Fusionstruppe ein funktionierendes Team mit klarer Hierarchie zu formen. Keine Experimente, klare Rollen, eindeutige Aufgaben – das war seine Philosophie. Auf dem Platz spiegelt sich dies in den Führungsspielern wider, die seine Vorgaben umsetzten und die Mannschaft strukturierten.

Zu ihnen gehörte damals unter anderem Heribert Bruchhagen. Der spätere Bundesliga-Manager, der bei Eintracht Frankfurt und beim Hamburger SV Karriere machen sollte, übernahm in Gütersloh in der Liga, in der Spiele der Legende nach eher robust und nach weniger strengen Regelauslegungen als heute liefen, die Rolle des Offensivspielers. Zwischen 1978 und 1982 stand er als Spieler im Kader des FCG, ehe er von 1982 bis 1988 als Trainer wirkte. In dieser Doppelfunktion – erst als Lenker auf dem Platz, später als Chef an der Linie – wurde er zu einer der prägenden Figuren der Vereinsgeschichte. Bruchhagen brachte Struktur ins Spiel, formte Taktik und Tempo, und führte die Mannschaft gemeinsam mit Axel Preuß, dessen Präsenz auf dem Platz von 1978 bis 1980 ein weiterer stabiler Pfeiler der frühen Jahre war. Laut Mannschaftskaderlisten absolvierte Preuß in diesen Jahren für den FCG 59 Spiele und erzielte 1 Tor. Er hatte vor der Gründung des FC Gütersloh übrigens schon für den Vorgängerverein Sportvereinigung Arminia Gütersloh (SVA) gespielt. Ein weiterer Spieler, der vom SVA mit in den FCG wechselte, war Wolfgang Mocek.

Torkönige und Verteidigung
Im Tor wechselten sich Uli Granzow und Klaus Witt ab – zwei erfahrene Keeper, die wussten, dass jeder hohe Ball im Heidewald ein Abenteuer sein konnte. Uli Granzow, ein Keeper mit wahnsinnigen Reflexen, Klaus Witt kam von RW Oberhausen aus der 1. Bundesliga nach Gütersloh. Vor ihnen verteidigten Spieler wie Thomas Körber, der in der Saison 1980/81 auf 27 Einsätze kam. Seine Aufgabe war es, Räume zu schließen und Angriffe zu unterbrechen. Durch seine Zuverlässigkeit konnte die Mannschaft vorne offensiv agieren, ohne hinten zu wackeln. Michael Struschka, ein weiterer Verteidiger, absolvierte in der Saison 1981/82 insgesamt 33 Spiele und stand damit fast durchgehend auf dem Platz. In einer Liga mit hartem Terminplan war dies ein klarer Ausdruck von Belastbarkeit und dem Vertrauen, das der Trainer in seine Spieler setzte.

Wenn es für den Gegner vor dem Tor gefährlich wurde, war oft Gisbert Paus beteiligt. Laut der internen Torschützenliste bei Jörg Rudolf erzielte er in der Saison 1980/81 24 Tore in der Oberliga Westfalen – eine beeindruckende Zahl für einen Amateur-Oberligaspieler. Gemeinsam mit Uwe Berghahn, der in derselben Phase rund 20 Treffer erzielte, bildete er das Herzstück der Offensive des FC Gütersloh. Ihre Tore sorgten dafür, dass der Verein regelmäßig in der oberen Tabellenhälfte stand und die Spiele für die Zuschauer am Heidewaldstadion spannend blieben.

Werner Roggenkamp Der „Mittelfeldrenner“ der Saison 1978/79 wird in FCG-Fan-Kreisen die Geschichte zugeschrieben, er sei der einzige Spieler gewesen,
der die große Stadionuhr im Heidewaldstadion mit einem Distanzschuss getroffen
habe – eine Erzählung, die in der lokalen Fankultur kursiert, allerdings nicht durch zeitgenössische Quellen eindeutig belegbar ist (sie oszilliert zwischen Mythos und Wahrheit).

Verschiedene Funktionen im Verein
Ein weiteres prägendes Gesicht dieser Ära war Paco Castillo. Der Mittelfeldspieler stand von 1980 bis 1988 auf dem Platz und war über sein aktives Engagement hinaus später auch in Vereinsmanagement Funktionen aktiv. Dadurch prägte er den Klub sowohl auf als auch neben dem Platz über viele Jahre hinweg.

Der sportliche Höhepunkt dieser Epoche folgte in der Saison 1983/84: Der FC Gütersloh wurde Meister der Oberliga Westfalen. Unter der Leitung von Heribert Bruchhagen, der inzwischen vom Spielfeld an die Seitenlinie gewechselt war, gewann der FCG den Titel und qualifizierte sich für die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Die Gegner kamen aus den anderen Oberligen, ein Modus, der sowohl sportlich als auch mental enorme Anforderungen stellte. Am Ende gelang der Sprung in die Zweitklassigkeit jedoch nicht, der große Traum platzte.

Der FC Gütersloh in der Saison 83/84, in der

Ernüchterung und Lichtblick
Die darauffolgende Saison brachte dann Ernüchterung: Mit Platz 14 erreichte der FCG die schwächste Platzierung dieser Ära. Zwischen 1985 und 1988 stabilisierte sich der Verein allmählich wieder – mit Plätzen 3, 8, 6 und 6 –, blieb jedoch ohne erneuten Durchbruch. Die Mannschaft hatte ihren Nimbus als Meister der Westfalenliga zwar nicht verloren, doch der Sprung in die 2. Bundesliga blieb ein unerfüllter Traum.

In dieser Phase tauchte ein Name auf, der für den FC Gütersloh später prägend werden sollte: Volker Graul. Er begann seine Zeit beim Verein als Spieler in der Saison 1981/82 bis 1982/83 und übernahm später Aufgaben als Trainer und Manager. Unter seiner Mitwirkung gelang es dem Klub in den 1990er-Jahren schließlich, den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu erreichen. Graul verkörperte dabei die besondere Kontinuität des Vereins: Bei ihm zeigte sich, wie eng Spieler, Trainer und Funktionäre miteinander verbunden waren und wie stark die Identifikation mit dem FCG über eine reine berufliche Rolle hinausging.

Fotos: Privat, Archiv, Jörg Rudolf; Illustrationen: freepik.com_ simpleline, DesignMatrix2

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