Open Space für alle Kreativen
Ein Ortswechsel markiert eine Zeitenwende: Geschäftsführer Markus Corsmeyer über Idee und Konzept des gt!nfo-Auftritts am neuen Standort
Als wäre es nicht genug: Nicht nur, dass unser Stadtmagazin gt!nfo in diesem Jahr das 50-jährige und unsere Agentur Lokalwerkstatt ihr fünfjähriges Jubiläum feiert – jetzt ändert sich auch unsere Adresse: Die Lokalwerkstatt zieht mit ihrer kompletten Produktfamilie an die Blessenstätte. Der Ortswechsel markiert den Schritt zu einem medialen Kommunikationsort: offen, live, direkt, kreativ. Worum es geht, erläutert Geschäftsführer Markus Corsmeyer im Stadtgespräch.
Markus, unserem Jubiläumsjahr 50 Jahre gt!nfo ist kaum auszuweichen, das Grundrauschen ist allerorten: Reels, Plakate, Print, Website, Cards, Podcast – unser volles Programm. Und jetzt das: Umzug! Alles neu und ganz anders! Was war da hinter den Kulissen in den vergangenen Monaten?
Du weißt ja, dass die Dinge immer im Fluss sind. Ich habe schon vor Jahren den Gedanken gehabt, unser Portfolio der Stadtgesellschaft auch im direkten Kontakt zu präsentieren. Also offen zu sein für Kontakte, Impulse, Ideen. Für die Gütersloher, für die Stadt. An einer zentralen Adresse, die uns öffnet für kreative Arbeit und Input. Wir weiten uns jetzt aus, werden unsere multimedialen Ressourcen auf 177 Quadratmetern ausbreiten und ein offenes, einladendes Haus mit großer Fensterfront in der ganzen Breite sein. Unser Leitmotiv ist Kommunikation, sie ist Fundament und Inhalt unserer Arbeit und kommt jetzt auch baulich zum Ausdruck.
Wie lautet die neue gt!nfo-Adresse? Und ab wann wird sie es sein?
Wir haben einen Mietvertrag über das Ladenlokal Blessenstätte 19 unterschrieben und können dort ab 1. Mai einziehen. Es liegt direkt neben dem Restaurant Ellinadiko und gegenüber der Design-Werkstatt Holzpixel. Hier wird nicht nur der Ort der Redaktion sein – also für unser Stadtmagazin gt!nfo und für faktor3, unserem Magazin für Wirtschaft, Kultur und Leben im Kreis Gütersloh –, sondern auch der Agentur Lokalwerkstatt. Das heißt, wir ziehen dort mit unserem Gesamtportfolio ein und stellen damit unsere Crossmedialität in den Vordergrund. Alle, die Lust haben, sind immer herzlich eingeladen, sich die Dinge, die wir da produzieren, vor Ort anzuschauen.
Man könnte sozusagen auch bei einer Podcastproduktion zuschauen?
Mit ein bisschen Stille-Abstand: ja. Ich will noch weitergehen: Es wäre auch denkbar und sogar erwünscht, dass es Podcasts gibt, an denen Gütersloher zu tagesaktuellen Themen live, ungeschminkt und direkt teilnehmen. Wir werden grundsätzlich unsere Podcast-Formate weiterentwickeln.

Du sprachst von der Crossmedialität der Lokalwerkstatt: Was wird noch alles stattfinden am neuen gt!nfo-Standort?
Zum Beispiel werden wir im hinteren Bereich ein Fotostudio einrichten. Hier wird der Gütersloher Fotograf Matheus Fernandes arbeiten, was uns in diesem Bereich eine absolute Kompetenz gibt. Wir werden auf einem Monitor unsere Reels und Videos zeigen, wir denken an einen aktuellen Gütersloher Nachrichtenticker an der Wand, den man lesen kann, und es wird auch einen besonderen Kommunikationsbereich geben. Der wird auf der linken Seite des Lokals positioniert und wird samstags für viele eine Ziel-adresse sein. Da arbeitet dann nämlich für uns Güterslohs be-kanntester Barista an einer besonderen Siebträgermaschine: Peter Bunnemann höchstpersönlich. Ich habe ihn bequatscht.
Was ist mit dem Bühnenformat gt!nfo live, das ja bisher in der Weberei stattfand?
Das zieht jetzt auch in unsere eigenen Räume, wo wir Platz genug haben werden. Unterm Strich haben wir jetzt mit unseren Live-Formaten und unserer Podcast-Kompetenz einen medialen Treffpunkt. Das ist die Idee dahinter.
Diese Offenheit gegenüber der Stadtgesellschaft, das ist schon ein neuer Auftritt von gt!nfo und seiner Produktfamilie, oder? Steckt dahinter tatsächlich ein Langzeitplan? Diese Öffentlichkeit, die du suchst und der du dich stellst, ist ja ein besonderer Qualitätssprung.
Ja und nein. Die ganze Welt, die wir so aufzeigen können, ist schon seit Jahren Bestandteil unseres Auftritts – also eben Liveshows, Moderationen, auch Buchproduktionen, die Magazine, unsere Website mit aktuellen Stories und Veranstaltungsterminen, die Podcasts, die Videos. Das Agenturgeschäft ist dazugekommen, als Wolfgang Sauer und ich uns selbstständig gemacht haben, weil der Flöttmann-Verlag sich von der gt!nfo-Welt verabschiedete und uns die Übernahme anbot. Inzwischen bin ich alleiniger Geschäftsführer, aber wir ziehen weiter an einem Strang. Als ich jetzt die Chance bekam, an die Blessenstätte zu ziehen, habe ich nicht lange überlegt. Die Agentur Lokalwerkstatt bietet ja bereits eine organisch gewachsene Medienpalette, die aber eher im Verborgenen produziert wurde. Jetzt gehen wir raus, zeigen unsere Arbeit gewissermaßen live.
Live im Sinne von dabei sein, mitmachen, sich einbringen auch von außen? So verstehe ich das. Also das gt!nfo-Lokal als Ort der Kommunikation?
Ja, genau. Ein Ort der Kommunikation, ein Open Space für alle Interessierten und Kreativen in dieser Stadt. Ein Faktor für die Kommunikationskultur in der Stadt insgesamt. Wir reagieren ganz kurzfristig und spontan auf Entwicklung. Weil wir nicht nur große Fenster haben, sondern auch eine weit geöffnete Tür zu uns. Wir wollen das Gespräch. Wenn uns was gefällt, werden wir das ganz kurzfristig entsprechend aufnehmen und dann auch umsetzen.
Kannst du da ein paar Beispiele nennen, die auf das Thema Aktualität einzahlen?
Wir werden immer wieder interessante Leute einladen. Es wird Impulsvorträge geben – wer Lust hat, kann es machen. Unplugged-Konzerte sind auch möglich. Der Laden gibt es her. Ein Thema sind auch Foto-Ausstellungen und Kunstpräsentationen. Es ist wirklich vieles denkbar.

Verzettelungsgefahr bei so vielen Möglichkeiten?
Nein, wir wollen ja kein Eventmanagement aufziehen. Das sind wir nicht. Aber es wird immer die Möglichkeit geben, situativ und spontan zu reagieren.
Die Einladung an die Kreativen in der Stadt bedeutet auch, dass neue Ideen erwachsen. Dafür bist du offen?
Ja, vor allem, wenn es einen Gütersloh-Bezug gibt. Das Schöne ist ja, dass wir für jede lokale Aufgabe eine Lösung, ein Werkzeug haben. Da fällt mir ein, dass ich mehr als 14 Jahre lang die größte Laufveranstaltung im Gütersloh gemanagt habe: „Gütersloh läuft“ im Stadtpark. Wir haben insofern schon eine Veranstaltungskompetenz. Die erste hybride Talkshow, die es gegeben hat, haben wir weit vor Corona gemacht, 2015 schon.
Wenn das Ganze, was eh schon im Werkzeugkasten drin ist, jetzt noch weiter gepflegt und intensiviert werden soll, bedeutet das auch Mehrarbeit. Wird sich die Lokalwerkstatt personell noch verstärken?
Die meisten Dinge entwickeln sich ja im Doing. Und da muss man dann entsprechend reagieren. Zurzeit sehe ich jedenfalls keinen Handlungsbedarf. Wir haben ja ein Top-Team und sind da super aufgestellt.
Welche Bedeutung hat gt!nfo für die Stadtgesellschaft aus deiner Sicht?
Wir produzieren ein anspruchsvolles Stadtmagazin mit großartigen Autoren und Journalisten in dieser Stadt. Das ist meine selbstbewusste Wahrnehmung. Ich bin journalistisch sozialisiert worden, in unserem Haushalt gab es selbstverständlich Magazine und Zeitschriften. Wir haben am Wochenende ohne Ende gelesen, das war wunderbar. Und ich habe immer Henri Nannen, den Herausgeber des Stern, bewundert. Der stand für ein großartiges, unterhaltendes, auch politisches
Magazin, dessen Wirkung er selbst als „Wohnzimmer“ bezeichnete. Wenn du so willst, ist das eine Idee, die ich hier im Kleinen in aller Bescheidenheit auch für gt!nfo in Anspruch nehmen möchte.
Hat die Lokalwerkstatt den Anspruch, diese Stadt mitzugestalten?
Ich glaube, das geschieht automatisch, das ist ja auch die Funktion unserer Lokalzeitungen und anderer Medien hier vor Ort. Wir machen es unterhaltend – und wir machen es auch kritisch. Zum Beispiel werden wir jetzt in diesen Tagen unser Podcast-Portfolio erweitern. Es wird eine neue Podcast-Serie geben: „Gütersloh auf der Couch“ wird sie heißen. Ich machedas mit Peter Bunnemann zusammen, und es wird eine Aufgabenverteilung geben so nach dem Motto Good Guy, Bad Guy.
Ich bin auf die Einrichtung des neuen gt!nfo-Büros gespannt!
Darfst du sein. Ich persönlich freue mich auf eine supertolle halbrunde Empfangstheke. Die Möbel werden fancy sein mit
einer gewissen Form von Gemütlichkeit und Wohlbehagen.
Wie schön. Danke für das Gespräch!
Fotos: Wolfgang Sauer








