50 Jahre und kein bischen greise …

War es nicht gerade gestern, als das Leben so richtig anfing, man aus dem Gröbsten raus war, das Lockerleichte ebenso Einzug hielt wie die Reife, mit dem Gegenteil von locker-leicht umgehen zu können? Und – zack: ist man 50. Keine Panik, findet Thorsten Wagner-Conert in seiner Ansichtssache: 50 ist, was man draus macht.

Manche haben regelrecht kalte Füße vor diesem einen Geburtstag, dem runden mit der fünf davor. Der Lack könnte langsam ab sein, the luck is over, die Immobilienfinanzierung drückt verlässlich, die Pubertiere sind ausgezogen, auf der Karriereleiter stagniert’s schon länger, und der hippe Verkaufsberater im Finke-Sportgeschäft hat beschlossen, dich nun endgültig zu siezen – entweder in Anerkennung deiner Reife oder aber, um sportlich Durchtrainiertes vom Siechtum des Alters hörbar zu trennen. Auch so macht es dir dein gesellschaftliches Umfeld nicht leicht: Die einen beginnen zu fragen: „Wie lange musst du denn noch?“, die anderen (und jüngeren) erklären dir ungefragt ihre Welt in freudiger Unterstellung, dass du ja so langsam ein Auslaufmodell wirst.

Und du selbst? Entweder hattest du dich schon vor zehn Jahren ins Altenteil verabschiedet mit der Überzeugung, nach Reihenhaus, Passat Kombi, zwei Kindern, Dackel, 3er-2er-1er-Sitzgruppe, da kommt jetzt aber auch wirklich nicht mehr viel, that’s life. Oder aber du stößt, 50 werdend, auf diesen Punkt, den sie Alterspubertät nennen: Alles noch einmal da capo, jawoll. Das Sinnieren darüber, den Motorradführerschein doch noch zu machen, es den vermeintlich Jungen mal zu zeigen, die beigen Klamotten einmal noch im Schrank zu lassen zugunsten dessen, was gerade so als hip über die Theke der überteuerten Markenklamotten-Läden gereicht wird und in der Fitnessbude draufladen, was sich gut sehen lässt im viel zu engen T-Shirt …

Das Leben hat seine Witzfiguren, die einen sind’s mehr, die anderen etwas weniger – aber niemand ist so richtig frei davon, im Älterwerden zumindest verhaltensoriginelle Ein- und Ausfallerscheinungen in die ein oder andere Richtung an den Tag zu legen.

Da hat es das gt!info doch eine ganze Ecke leichter: Gut, auch das war mal krawalliger, mal etwas leiser, hatte ein paar Höhen und sicher auch Tiefen. Und sicher hatte das Heft auch mal mehr Pickel als heute. Aber in dieser Schwankungsbreite ist es sich immer treu geblieben, anspruchsvoll, inhaltsstark, neben den Augen belieferte es auch immer den Kopf, damit der was zum Denken hat. Und es hatte immer einen Spiegel parat – nicht um selbstgefällig oder altersleidend hineinzublicken, sondern um ihn den Stadtvorderen vorzuhalten. Wenn man denn so wollte, hat das Blatt immerhin fünf Bürgermeister und eine Bürgermeisterin „verschlissen“. Vielleicht wurden sie aber auch nur friedfertig begleitet.

Vom gt!info lernen bedeutet älter werden lernen: Fünf Jahrzehnte lang immer auf der Höhe der Zeit, nach wie vor eine feste Säule in der Landschaft der ansonsten schon mal auffällig wackelnden lokalen Medien, immer schnieke und passend zu dem, was Gesellschaft gerade so mochte, immer das für die Stadt Beste wollend, und so ein bisschen wie Bruder oder Schwester: Man kann sich auf das Blatt verlassen, muss es aber auch nicht ständig am Kopf haben. Und trotzdem dürfen die Freunde des gt!info sicher sein: Es kommt wieder, krümelt auf den Edelvelours, verschafft sich Platz in des Lesers Kopf, geht auch mal auf den Senkel, aber: Es gibt dabei alles für Stadt und Städter. Alles Gute, gt!nfo. Wer möchte nicht so sein wie du? So wunderbar 50? Und so mitten im Leben, du tolles Ding!

Foto: AdobeStock_©_pwmotion

Avatar-Foto

About Author /

Start typing and press Enter to search