Miele trauert um Dr. Peter Christian Zinkann

Das Familienunternehmen Miele trauert um Dr. Peter Christian Zinkann, der am 19. Oktober 2026 im Alter von 98 Jahren verstorben ist. Als Geschäftsführender Gesellschafter prägte er das Unternehmen über vier Jahrzehnte hinweg – insbesondere mit Innovationen wie dem ersten Miele-Waschvollautomaten oder der Miele-Schontrommel, die maßgeblich zur internationalen Erfolgsgeschichte des Unternehmens beitrugen.
Geboren am 17. September 1928 in Bremen, zog Dr. Peter Christian Zinkann mit seinen Eltern und seiner Schwester in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs nach Gütersloh, wo er bis zu seinem Tod gelebt und gewirkt hat. Sein Studium absolvierte er an der Technischen Hochschule Darmstadt und der Handelshochschule St. Gallen. 1954 schloss er als Diplom-Ingenieur im Fach Maschinenbau ab und promovierte eineinhalb Jahre später zum Dr. rer. pol. Nach einem beruflichen Aufenthalt in den USA und einer Weltreise trat er 1957 in das Unternehmen ein, das sein Großvater Reinhard Zinkann gemeinsam mit Carl Miele sen. im Jahr 1899 gegründet hatte. Mehr als vier Jahrzehnte lang leitete und prägte Dr. Peter Christian Zinkann die Firma zusammen mit seinem Geschäftspartner Rudolf Miele († 19. August 2004). Als geschäftsführender Gesellschafter der Miele Gruppe war er bis zum 31. Dezember 2004 tätig.
Seit 1958 war Dr. Peter Christian Zinkann mit Dr. Karin Zinkann verheiratet. Der gemeinsame Sohn Dr. Reinhard Zinkann vertritt seit 1999 die Familie Zinkann in der Geschäftsleitung der Miele Gruppe.
Dr. Peter Christian Zinkann spielte eine entscheidende Rolle dabei, Miele zu einem führenden Unternehmen für Qualitäts- und Innovationsstandards im Bereich Hausgeräte weiterzuentwickeln. Zu den Meilensteinen auf Produktebene zählten insbesondere die Entwicklung der ersten vollautomatischen Frontlader-Waschmaschine von Miele (1958), Europas erster elektronisch gesteuerter Trockner (1966) sowie legendäre Produktdetails wie die Miele-Besteckschublade (1986) und die Miele-Schontrommel (2001).
„Mit dem Tod von Dr. Peter Christian Zinkann verlieren Miele, die Industrie und das Land eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit, die Familie ihren großmütigen Patriarchen, die Stadt einen engagierten Ehrenbürger – und die Belegschaft von Miele ihren hochverehrten Seniorchef“, so die Geschäftsleitung der Miele Gruppe.
Unternehmerische Haltung und Verantwortung
Das Leitbild seines unternehmerischen Handelns war es stets, nicht nur wirtschaftliche Werte zu schaffen, sondern auch den Menschen zu dienen – sowohl den Kundinnen und Kunden als auch den Beschäftigten. Dabei hatte er stets auch das Gemeinwohl und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen im Blick. Dr. Peter Christian Zinkann war überzeugt, dass darin die grundlegende Aufgabe eines jeden Unternehmers liegt.
Langfristiges Denken über Generationen hinweg, Bodenständigkeit und finanzielle Solidität gehörten ebenfalls zu seinen zentralen Prinzipien. Auch nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftsführung blieb er dem Unternehmen bis zuletzt sehr eng verbunden.
Soziales und kulturelles Engagement
Im Jahr 2003 wurde Dr. Peter Christian Zinkann zum Ehrenbürger der Stadt Gütersloh ernannt, die er zeitlebens mit wohltätigen Zuwendungen unterstützt hat. Zuletzt ermöglichte er auch die grundlegende Restaurierung der Orgel in der Gütersloher Stadthalle, die bereits sein Vater Kurt Christian Zinkann 40 Jahre zuvor gestiftet hatte. Für sein jahrzehntelanges Engagement im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich wurde Dr. Peter Christian Zinkann 2006 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. „Das Bemühen, das wirtschaftlich Richtige und das menschlich Richtige in Übereinklang zu bringen, hat Ihnen in ungewohntem Maße Vertrauen und Zuneigung gebracht“, so dazu in der Laudatio.
Als Anerkennung seines Einsatzes für eine verbesserte und praxisnähere Ingenieursausbildung wurde er 2004 zum Ehrensenator der Universität Paderborn ernannt. Für sein Lebenswerk und als Anerkennung seiner persönlichen Verdienste auf dem Gebiet der Haushaltstechnik erhielt Dr. Peter Christian Zinkann die Carl-Heinrich-Dencker-Ehrennadel der Universität Bonn. „Der Laureat gilt nicht nur als erfolgreicher Unternehmer, sondern auch als einfallsreicher Erfinder“, hieß es dazu in einer Mitteilung. Dr. Peter Christian Zinkann hat während seiner aktiven Zeit bei Miele und darüber hinaus mehr als 130 Patente angemeldet und erhalten, denen auch im Ruhestand weitere folgten.
In Gütersloh wurde vor dem Miele Museum ein öffentlich zugänglicher Kondolenzraum eingerichtet, der allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bietet, ihre Anteilnahme auszudrücken und zu kondolieren. Weitere Informationen zur Beisetzung werden zeitnah mitgeteilt.
Vita
In seiner Zeit als Geschäftsführer und zum Teil darüber hinaus gehörte Dr. Peter Christian Zinkann diesen Aufsichts-, Verwaltungs- bzw. Beiräten an:
Landesbeirat Westfalen der Dresdner Bank
Viessmann-Werke (1994–2007)
Verwaltungsrat TÜV Rheinland (1973–2001; stv. Vors.)
Zanders Feinpapiere AG (1975–1990)
Dürr-Beteiligungs AG, Stuttgart (1990–1995)
Flender GmbH, Bocholt (1977–1986)
Mannesmann-Kienzle GmbH (1977–1995)
Fried. Krupp GmbH (1972–1978)
Krupp Stahl AG (1978–1993)
Krupp Hoesch-Stahl (1993–1997)
ThyssenKrupp Steel (1997–2005)



