Gütersloher Splitter
Dezember 2025 | Von Heiner Wichelmann
Es scheint, dass sich die Menschen an diesem begnadeten Sonnentag etwas langsamer bewegen, so, als wollten sie sich ins wärmende Licht stellen.
Gerade jetzt brauchen die Aussteller auf dem Gütersloher Weihnachtsmarkt unsere Solidarität. Langt zu an den Ständen, singt mit vor der Bühne und stoßt auf eine bessere Lösung im nächsten Jahr an. Wir wissen jetzt doch alle Bescheid.
Selbst in der Kneipe, dem Schutzraum gegen die raue Welt mit all ihren Zumutungen da draußen, sei die Stimmung leicht eine andere geworden, hört man. Die Nachrichtenlage drückt noch an der Theke aufs Gemüt, da bleib ich doch lieber auf dem Sofa? Leute, kommt zurück auf ein Bier. Man freut sich doch, wenn ihr da seid. Gibt ja immer viel zu besprechen, und gerne auch lustig. Lachen ist Therapie gegen den Wahnsinn.
Die BfGT zeigt im Leserbrief mit dem Finger auf die vermehrten Leerstände in der Innenstadt. Zwar gehören die aufgezählten Verluste nicht zu den Edel-Adressen, aber leer ist leer, und die vielen Friseurbetriebe, Brillengeschäfte und Süßzeugläden taugen nicht als Magneten für die Region. Was ist denn jetzt mit dem Citymanagement und ihrem Projekt Zukunft?
Die neuen, jungen Nachbarn haben rundum eingeladen, um sich den anderen Familien in der Straße bei Glühwein und Plätzchen vorzustellen. Die Stimmung ist prächtig, es gibt viel zu erzählen, denn die Gäste sind schon lange nicht mehr in solch lockerer Runde zusammengekommen. So paart sich Freude über das Wiedersehen nach Jahren mit der als etwas peinlich empfundenen Erkenntnis über fehlende Initiative in der Vergangenheit. Feiern kann doch so einfach sein. Pläne kommen auf.
Hören Sie auch den wachsenden Chor der Frustrierten und Mutlosen? Wo sind die geblieben, die trotz allem nicht verzagen? Meldet euch, denn es ist besser, Menschen dazu zu bringen, für etwas einzutreten, als sie in die Depression zu reißen. Und fangen wir gleich damit an. Da denke ich an den Spruch über Martin Luther King: Er hat gesagt, „Ich habe einen Traum“ und nicht „Ich habe einen Alptraum“.
Beim Lesen eines Buches bin ich ganz bei mir: meine Bilder, meine Gefühle, meine Gedanken. Kein fremdes Reden.
Der Jahreskalender 2026 füllt sich bereits mit Glücksorten, Pflichtaufgaben, Familienterminen. Jetzt müssen wir nur noch gesund bleiben – schnell ins Fitnessstudio.
Nach der fröhlich-lauten Zufallsbegegnung auf der Straße gehen die Paare wieder ihrer Wege und sind zurück in der Anonymität des Alltagslebens.
Die Stadt steckt voller verborgener Geschichten, aber wer hinschaut und hinhört, kann sie entdecken. Dort ein Augenaufschlag, hier eine Geste und drüben ein paar Wortfetzen – mehr braucht’s manchmal nicht, um zu verstehen.
Der Verlust mancher bisherigen Gewissheit stimmt mich keineswegs melancholisch – er befreit sogar, erweitert den Raum. Ich lächle heute über verbrauchte Sprachmuster und finde den Witz im lange zu kurz Gedachten.
Nie sind die Gespräche mit den Enkeln kürzer als beim Abholen von der Schule: Wie’s heute war, will ich wissen. Gut, lautet die Antwort. Und Ende. Wir schnattern dann über andere Dinge.
Heiner Wichelmann
Heiner Wichelmann
Grafik: AdobeStock © izzul fikry (ijjul)







