
Autor: Birgit Compin
10.03.2021
Sind es Schneelandschaften? Vielleicht. Und doch ähneln sie nicht wirklich dem, was noch vor ein paar Tagen direkt vor unserer Haustür stattfand. Hier sind es Formen, Flächen, Schattierungen und Furchen – nur scheinbar entstanden im Schnee. Denn eigentlich sind es die Bilderwelten von Markus Maier. Da versinken große und kleine Unebenheiten im Untergrund, nur um anschließend wieder erhaben aufzutauchen. Mal gleißend weiß in Szene gesetzt, dann wieder in gräuliche Schattierungen getaucht, haben sie alle etwas gemeinsam: sie wirken niemals hart oder verkantet, sondern stets abgerundet und weich. So wie Spuren im Schnee eben. Oder etwa nicht?
Nun, sie können auch anders. Einige Bilder leuchten zinnoberrot, andere in kobaltblau. „Dass es diese Bilder überhaupt gibt, verdanke ich einem Zufall“, erklärt Maier. Lange bevor sie entstanden, beschäftigte sich der gelernte Zimmermann und spätere Architekt mit der abstrakten Malerei. Sein Lieblingsuntergrund war Jute, auf dem er dickflüssige Farben und Knochenleim großflächig verteilte. Jahrelang verfeinerte er diese Technik, bis er erkannte, dass sich die massive Farbsubstanz auf der Rückseite durch das grobe Gewebe presste und Formen hinterließ. Aus dem Zufall wurde Prinzip.
„Ich male nur noch von der Rückseite heraus“, sagt der bildende Künstler. Dann drückt er durch die gewebte Fläche die Masse auf die Vorderseite, so dass dort das spiegelverkehrte Motiv in einem Relief erscheint. „Reziprok“ nennt der heute 57-Jährige diese Gestaltungstechnik. Damit hat er sich längst überregional einen Namen gemacht. Im Sommer 2020 erhielt er vom Fraunhofer Institut das Stipendium „Artist in Lab“ und konnte am ISC in Würzburg Werkstoffe für seine Malerei entwickeln.
Von Anfang März bis Mitte Mai stellt Markus Maier zirka 50 Werke in der Galerie im Forum der Stadthalle aus. Die Besucher erwartet eine geheimnisvolle, fast magische Momentausnahme, die aus Druck und Bewegung heraus entstand und am Gewebe haften bleibt.
Erste Einblicke
Was wären diese Bilder ohne die Menschen, die sie betrachten? Auch wenn die Stadthalle für den Publikumsverkehr nicht geöffnet ist, werden die Arbeiten in einem virtuellen Rundgang auf dem YouTube Kanal der Kultur Räume vorgestellt.