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Proben für den Auftritt auf dem Gütersloher Weihnachtsmarkt und bedienen dabei alle klassischen Instrumente eines Jazz-Orchesters: Die Bläser-Section besteht aus vier bis fünf Trompeten, dazu ebenso viele Posaunen und Saxophone. Klavier, Schlagzeug, Bass und Gitarre bilden die Rhythmusgruppe. Ihr Repertoire umfasst neben dem stimmigen Big Band-Sound mit Swing- und Jazzelementen auch aktuelle Rock- und Pop-Songs. Foto: Jens Dünhölter.

Von besinnlich bis Big Band

Symphonisches Blasorchester, Bläserensemble, Big Band, Jugendorchester und Spielmannszug – was wäre der Gütersloher Weihnachtsmarkt ohne die Orchester und Kapellen der hiesigen Vereine, Institutionen und Schulen! Viele von ihnen treten Jahr für Jahr auf der Weihnachtsmarktbühne auf – und lassen die Zuhörer so manches Mal aufhorchen. Zeit also, sich eine dieser
Formationen einmal genauer anzuschauen. Und man sehe es mir nach, dass dabei meine Wahl auf die ESG Big Band fällt. Schließlich ist sie ja auch meine „Kapelle“, obwohl es sie zu „meiner Zeit“ noch gar nicht gab. Doch selbst wenn ich nicht zu den Ehemaligen des Stiftischen Gymnasiums gehören würde, müsste ich neidlos anerkennen: Die sind richtig gut! 

Jazz? Swing? Glenn Miller? Benny Goodman? Oder vielleicht doch eher Funk, Soul, Rock und Pop? Alles kein Problem. Die Big Band des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums beherrscht bei ihren Auftritten so ziem-lich alle gängigen musikalischen Genres. Der jährliche Bühnenauftritt der zumeist 20-köpfigen Band gehört mit Sicherheit zu den besonderen Momenten in der Adventszeit. Und das nicht nur, weil sich dann vor der Bühne all die Mitschüler und „Ehemaligen“ tummeln. Die ESG Big Band scheint längst aus den Schuhen einer herkömmlichen Schulband herausgewachsen zu sein und hat sich in der gesamten Region einen sehr guten Namen erarbeitet. Warum das so ist, liegt nicht nur an den vielen Talenten, die das musisch orientierte Gymnasium Jahr für Jahr hervorbringt, sondern vor allem auch an den beiden höchst engagierten Musiklehrern und Bandleadern Christian Rasche und Dennis Rödiger. Deshalb – und aus besagten anderen Gründen – habe ich die beiden Lehrer zu einem Gespräch in der Aula des Gymnasiums getroffen und eine Probe der Band besucht.

 

Mittendrin in der musischen Welt des ESG

Was macht die Big Band so gut, frage ich und schon bin ich mitten drin, in der musischen Welt dieser Schule. „Die Big Band erweitert unser klassisch orientiertes, musikalisches Programm“, erklären beide. Und das ist über alle Stufen hinweg gut besetzt – angefangen mit dem Vororchester „Capella“ und dem „Kurrende“ genannten Chor der unteren Jahrgangsstufen, über die Musische Stunde, den Mittelstufen-Chor, die Kantorei und das Kantorei-Orchester bis hin zum Gymnasial-Posaunenchor. Um also das ehrwürdige Genre ein wenig aufzulockern, gründete Christian Rasche die Big Band als Folgeprojekt der ehemaligen Jazz AG. Und das ist mittlerweile Schulgeschichte, denn im kommenden Jahr feiert die Big Band ihr 25-jähriges Bestehen! 

Heute, so erfahre ich weiter, ist die Schule weitaus musischer aufgestellt als jemals zuvor. Und dafür wird hier auch einiges getan. Waren es gerade noch Schlagzeug, Gitarre oder Keyboard, die die Musikklassen dominierten, rückt jetzt ein neues Angebot die klassischen Instrumente in den Vordergrund. So bietet die Schule erstmals ab der fünften Klasse kleine Ensembles für Streich- und Blasinstrumente an, genauso wie eine Chorschule. Die Resonanz? Großartig! 30 Fünftklässler haben sich direkt für den Chor angemeldet, 27 weitere für ein Instrument. Unterstützt wird das Programm von der Kreismusikschule Gütersloh, deren Instrumentallehrer hier unterrichten – und zwar tatsächlich während der regulären Unterrichtszeiten. Das ist ein Novum.

 

Völlig freiwillig und sehr begehrt

Was das alles mit der Big Band zu tun hat? „In den unteren Jahrgängen wird damit der Nachwuchs für die älteren Musikklassen gelegt“, erklären die Lehrer. Auch die Big Band profitiere so von dem Nachwuchs, obwohl sie einen völlig anderen Status habe: Während die Musikklassen benotet werden, ist die Teilnahme an der Big Band völlig freiwillig. Die Proben finden in den späten Nachmittagsstunden statt, und zwar zu Zeiten, wenn an einen normalen Unterricht nicht mehr zu denken ist. Hinzu kommen die schulischen, aber auch öffentlichen Auftritte des Ensembles. Und wer jetzt denkt, dass darin vielleicht der eine oder andere Verdienst enthalten ist, liegt falsch, denn die Spenden gebuchter Auftritte verwenden die Lehrer für benötigte Materialien, wie Notensätze, Schlagzeugfelle oder ähnliches. So ist es für den Außenstehenden vielleicht mehr als erstaunlich, wie viele Schüler dennoch freiwillig und vor allem extrem gerne hier mitmachen. 

 

Soziales Miteinander inklusive

Mitglied in der Big Band zu sein, ergänzt Dennis Rödiger, bringe auch viele soziale Aspekte mit sich, denn hier funktioniere alles nur gemeinsam. Da sei der Zusammenhalt, der besonders dann zum Tragen komme, wenn die älteren die jüngeren Schüler unterstützen. Oder dann, wenn alle gemeinsam und autark das Equipment für einen Auftritt zusammenstellen und so ganz ohne fremde Hilfe aufbauen. Oder dass man hier sehr schnell merke, dass nachlässiges Üben der gesamten Gruppe schaden kann. „Wir haben hier wirklich eine tolle Truppe zusammen, und das über viele Jahre hinweg“, erzählen Rasche und Rödiger begeistert. Und zwar auch dann noch, wenn erfahrene Schüler nach dem Abitur die Gruppe verlassen. „Zu Beginn eines Schuljahres fragen wir uns jedes Mal, wo wir musikalisch ohne sie stehen.“ Doch irgendwie findet die Band dann schnell zur alten Form zurück, denn die Nachrückenden haben viel von den Älteren gelernt und können die Lücken schließen. 

 

Seit 1996 auf dem Gütersloher Weihnachtsmarkt

„Es ist wohl dem Engagement jedes Einzelnen zu verdanken, dass wir als Band trotz der ständigen Mitgliederwechsel einen Ruf erarbeitetet haben, der weit über die schulischen Konzerte hinausgeht“, sagt Christian Rasche. Bereits 1996 trat die ESG Big Band erstmals auf dem Gütersloher Weihnachtsmarkt auf. „Das war schon zwei Jahre nach der Gründung“, staunt er selbst nicht schlecht über einen Eintrag im alten Kalender. Alles Weitere folgte durch Mund-zu-Mund-Propaganda: So trat die ESG Big Band in den Folgejahren auf der Landesgartenschau Rietberg auf oder zum 50. Geburtstag des Landes NRW. Ein anderer Auftritt führte sie ins Lettische Valmiera und 2012 folgten sie einer Einladung des Forums Russische Kultur nach Moskau. „All das ist eher ungewöhnlich für eine Schulband und aus meiner Sicht überhaupt nicht selbstverständlich“, sagt Dennis Rödiger. „Diese Big Band ist etwas Besonderes und hat meiner Meinung nach den Stellenwert einer Schulband längst überschritten.“ 

 

Proben für den Auftritt

Und jetzt also der alljährliche Auftritt auf dem Gütersloher Weihnachtsmarkt. „Das ist auf jeden Fall ein Highlight in unserem Schulkalender“, sagen nicht nur die Lehrer, sondern auch die Schülerinnen und Schüler, die ich jetzt im Probenraum antreffe. Direkt nach den Herbstferien begannen sie, die ersten Stücke einzuspielen. Doch was die Weihnachtsmarktbesucher in diesem Jahr sehen und hören werden, ist teilweise noch geheim. „Klar ist es jedoch, dass die Musik wieder festlich swingend wird“, lacht Rasche. Denn auf der Bühne verteilen sich dann um die 20 Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse aufwärts. Gemeinsam bedienen sie alle klassischen Instrumente eines Jazz-Orchesters: Allein die Bläser-Section besteht aus vier bis fünf Trompeten, dazu ebenso viele Posaunen und Saxophone. Die nötige Rhythmusgruppe bilden Klavier, Schlagzeug, Bass und Gitarre. Unter ihnen ist auch Dennis Rödiger an der Gitarre, während Christian Rasche den Part des Dirigenten übernimmt. 

Zu hören gibt es selbstverständlich eine ordentliche Portion Big Band-Sound, angereichert  mit dem nötigen Swing und einer stimmigen Prise Jazz. Doch da geht noch mehr: „Natürlich spielen wir auch aktuelle Stücke“, erklären die Lehrer die Mischung aus Rock- und Pop-Elementen, mit der sie ihr Programm anreichern. Wie genau es aussehen wird, sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Nur so viel: „Rudolph, The Red Nosed Reindeer“ wird natürlich dabei sein, genauso wie „Frosty The Snowman“. Der Rest bleibt Schweigen, außer: 14 Stücke werden es wohl sein, doch ein rein weihnachtliches Programm wird es nicht. 

 

In vollen Zügen genießen

Bevor jedoch die Akteure jetzt in „medias res“ gehen, mache ich mich auf, die Proben zu verlassen. Jedoch nicht, ohne die wichtige Frage zu klären: Worauf freuen sich Lehrer und Schüler vor, während und nach ihrem Auftritt auf dem Gütersloher Weihnachtsmarkt am meisten? „All die Menschen vor der Bühne stehen zu sehen, hat für mich etwas sehr Schönes“, sagt Christian Rasche und Kollege Dennis Rödiger verbindet den Auftritt gleich noch mit einem Wunsch: „Eigentlich warte ich auf den Tag, an dem es richtig frostig kalt ist, unsere Zuhörer mit Glühwein oder Kinderpunsch in der Hand vor der Bühne stehen und trotz Kälte die vorweihnachtliche Stimmung genießen.“ Und es ist genau diese besondere weihnachtliche Atmosphäre, auf die sich auch Schlagzeugerin Pia freut. „Auf dem Weihnachtsmarkt riecht es so schön“, sagt die 13-Jährige und auch Schlagzeugkollege Fabian liebt den Geruch und die gute Stimmung, die dort herrscht. Natürlich, sagt Trompeterin Alina, freue sie sich auf die vielen Zuschauer mit all den Verwandten und Freunden. „Ich hoffe, wir können nach dem Auftritt noch ein bisschen Zeit zusammen verbringen“, so die 16-Jährige. Und genau das scheint in diesem Jahr durchaus möglich. „Statt wie sonst am Abend, treten wir erstmalig am Nachmittag auf“, sagt Christian Rasche. Und genau damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Bandmitglieder auch nach ihrem Auftritt noch ein wenig die Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt in vollen Zügen genießen können.

 
 

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