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Bürgermeister Henning Schulz kam zur Eröffnung von Makerspace am Samstag, 13. Oktober, in die Gütersloher Stadtbibliothek. Foto: Frank Tiedemann

Open Your Mind!

Makerspace ist für alle da!“, sagen die Vorstandsmitglieder Olaf Koenig und Michael Prange vom gleichnamigen Verein in Gütersloh. Knapp ein Jahr hatte es gedauert bis aus der Idee ein eingetragener Verein wurde. Vorbild sind die Makerspace-Communities, die bereits in vielen Großstädten zu finden sind. Ihr Konzept ist so einfach wie genial: Makerspace ist eine öffentlich zugängliche Werkstatt, die Vereinsmitgliedern, aber auch allen Interessierten, Zugang zu Maschinen, Werkzeugen und Software innerhalb einer kreativen Community ermöglicht. Basteln, werkeln, programmieren? Alles ist möglich. Wer schon immer mal sein handwerkliches Geschick testen wollte, kann sich hier ausprobieren. Auch wem für ein besonderes Projekt das nötige Knowhow fehlt, hat die Möglichkeit, es hier zu finden und die Fähigkeit zu erlernen. Ob Löten oder Programmierarbeiten – Interessierte und Mitglieder von Makerspace profitieren voneinander und zeigen einander, wie es geht. In Workshops oder ganz einfach beim „über die Schulter“ schauen.

Dafür hat ihnen die Stadtbibliothek seit dem 13. Oktober 2018 unentgeltlich gleich mehrere Räume zur Verfügung gestellt. Auf der Empore im zweiten Stock treffen sich Mitglieder und Interessierte der Gütersloher Makerspace-Community jeweils mittwochs von 17.30 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr zum Werkeln und Basteln, aber auch zum regen Austausch von künftigen Projekten und gemeinsamen Visionen.

GT-INFO-Redakteurin Birgit Compin hat mit Olaf Koenig und Michael Prange über die Ziele des Vereins gesprochen.


Was macht Makerspace in Ihren Augen so besonders?

Olaf Koenig: Als öffentlich zugängliche freie Werkstatt ist Makerspace für alle geeignet, die kreativ sein wollen oder davon profitieren möchten. Grundsätzlich sollen alle Menschen hier die Möglichkeit erhalten, Maschinen zu nutzen, die man zuhause nicht hat. Der Sinn von Makerspace ist das gemeinsame Arbeiten und das Teilen von Knowhow und Hardware.

Michael Prange: Wie bieten Hilfe zur Selbsthilfe, indem fehlende Fertigkeiten in Workshops erlernt werden können und helfen so, individuelle Projekte durchzuführen. Wesentlich sind natürlich auch Programmierung und Elektronik. Allerdings ist eines ganz wichtig: Wir unterstützen gerne, sind aber keine Dienstleister. Wenn jemand etwas löten möchte, kann er das bei uns erlernen.

 

Gibt es weitere Beispiele, was Sie mit Makerspace leisten können?

Olaf Koenig: Wir haben bereits viele Anfragen. So auch von einem Vater, dessen Sohn einen kleinen Roboter bauen möchte, der mittels Handy gesteuert wird. Wir werden ihnen also zeigen, wie es geht. Ich selbst möchte eine Poolheizung mit Sonnenkollektoren bauen und werde von dem Knowhow unserer Mitglieder profitieren können.

Michale Prange: Mein Hobby ist das Bierbrauen und ich möchte mit Makerspace meine Anlage weiter ausbauen. Gleichzeitig bin ich als Maschinenbauingenieur auch Konstrukteur. Da kann ich viele Hilfestellungen geben und natürlich einen 3D-Drucker bedienen. Andere Mitglieder absolvieren derzeit ein Duales Studium in der Automatisierungstechnik. Auch von ihrem Knowhow kann jeder bei Makerspace partizipieren.

Olaf Koenig: Dass wir das alles hier und jetzt umsetzen können, haben wir der Geschäftsführerin der Stadtbibliothek, Silke Niermann, zu verdanken. So können wir unentgeltlich einige Räume und Ausstattungen nutzen, wofür wir sehr dankbar sind. All das ist ein erster großer Schritt. Später sollen irgendwann noch anderswo zusätzliche Werkstätten hinzukommen, um auch Arbeiten an größeren Projekten erledigen zu können, wie zum Beispiel Schweißarbeiten. Doch das ist sicherlich noch Zukunftsmusik.


Maker Space lebt auch von dem Knowhow seiner Mitglieder. Doch sie haben sich gerade gegründet und die Mitgliederzahl hält sich noch in Grenzen. Gibt es Bereiche, die Ihnen noch fehlen und die Sie dringend benötigen?

Michael Prange: Grundsätzlich sind alle Fähigkeiten gefragt. Näher sind für uns genauso wichtig wie Modellbauer, Tischler, Programmierer, Ingenieure und so weiter. Gleichzeitig möchten wir natürlich wachsen und möglichst viele Mitglieder generieren. Sie erhalten viele Vorteile und sind bei Haftpflichtschäden direkt über den Verein versichert, können bei Maschinenanschaffungen mitbestimmen, die Geräte ohne Wartezeiten nutzen und kostenlos an den Workshops teilnehmen.


Doch auch Nichtmitglieder können von Maker Space profitieren.

Michael Prange: Ja, denn niemand muss Mitglied sein, die Werkstatt steht zweimal wöchentlich jedem zur Verfügung. Auch ist es uns wichtig, dass Makerspace für wirklich jeden offen ist – nicht nur für Ingenieure, Handwerker oder Facharbeiter, sondern für jede Berufssparte und alle Interessierten mit und ohne Vorkenntnisse. Wir begrüßen Menschen mit und ohne Behinderung und es ist unerheblich, ob jemand arbeitslos ist, Rentner oder Schüler. Völlig unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität und Religion ist bei uns jeder herzlich willkommen. 

Olaf Koenig: Genau das ist sehr wesentlich, denn wir leben hier den Open-Mind-Gedanken. Makerspace steht für neue Ideen und Ansätze. Wir möchten damit auch dem weltweiten Trend, hin zur Abgrenzung und Abschottung, entgegenwirken, denn wir sehen das als den falschen Weg an. Durch Abgrenzung hat noch nie jemand etwas gewonnen. Deshalb ist unsere Philosophie: Gemeinsam geht alles besser.

 

Das Thema Digitaler Aufbruch in Gütersloh ist für Makerspace sehr wichtig. Warum?

Olaf Koenig: Weil wir von „unten“ kommen. Man spricht da oft von der Graswurzelbewegung. Eine Basisbewegung also, die aus der Bevölkerung entsteht. In unserem Fall heißt das: Wir warten nicht, bis jemand uns ein Portal oder ein anderes entsprechendes Umfeld bietet, um digital aktiv zu werden, sondern schaffen das mit dem entsprechenden Knowhow ganz einfach selbst.

 

Versteht sich Ihr Verein auch als Teil eines digitalen Netzwerkes?

Olaf Koenig: Auf jeden Fall. Unser erstes Vereinsprojekt planen wir gerade mit der AG Verkehrswende und dem Freifunk Gütersloh. Dafür werden im Makerspace Feinstaubsensoren gebaut und an einigen Gütersloher Verkehrsknotenpunkten installiert. Eine Gruppe aus Stuttgart stellt dafür die freie Software zur Verfügung und Freifunk wird dafür sorgen, dass die erfassten Daten übermittelt werden. Die Auswahl der Messpunkte und die anschließende Auswertung wird von der Verkehrswende durchgeführt. Bisher sind erst drei der selbst gebauten Messstationen in Gütersloh aktiv, die Daten sind für jeden unter maps.luftdaten.info einsehbar. Auch zum bundesweit agierenden Verein Freie Software und Bildung, kurz FSuB, bestehen gute Kontakte, sodass auch hier über weitere Kooperationen nachgedacht wird.

 

Wenn ich jedoch kein Bastler, Tüftler oder Programmierer bin, aber ein defektes Gerät reparieren lassen möchte – könnten Sie mir weiterhelfen?

Olaf Koenig: Genau dafür planen wir ein sogenanntes Repaircafé. Einmal im Monat können defekte Geräte zu uns in die Stadtbibliothek gebracht werden und wir versuchen, sie mit dem Besitzer zusammen zu reparieren oder die Ursache des Defekts zu finden. Das wird dann tatsächlich eine Art Dienstleistung sein, für die wir uns eine kleine Spende für unseren Verein wünschen. Allerdings besorgen wir keine Ersatzteile oder ähnliches.

 

Neben einer Werkbank und verschiedenen Geräten haben sie gerade auch einen 3D-Drucker für den Verein angeschafft. Könnte ich den ohne Vorkenntnisse bedienen?

Michael Prange: Nein, das geht leider nicht, denn dafür sind Vorkenntnisse unbedingt erforderlich. Damit es nicht zu Unfällen kommt, erhalten zunächst einmal unsere Mitglieder eine kostenlose Einweisung und lernen die ganzen Stellschrauben kennen. Nichtmitglieder haben aber die Möglichkeit, von den Vereinsmitgliedern etwas drucken zu lassen, was allerdings, je nach Andrang, auch mit Wartezeiten verbunden sein kann. 

 

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