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Oskar Elbracht Foto:Archiv

Der Staatsanwalt

Zu den Kostbarkeiten Gütersloher Veröffentlichungen gehört wohl auch der von Friedemann Purbs (Galerie Friedemann) 1977 herausgegebene Band „Wilhelm Ohlbrock sieht Gütersloher“ mit Porträts Gütersloher Persönlichkeiten, die von Wilhelm Ohlbrock 1935/1936 liebevoll mit wenigen Feder- und Tusche-Strichen gezeichnet worden waren. Es handelt sich um Karikaturen von Persönlichkeiten aus der Gütersloher Gesellschaft, vom Bäcker bis zum Fabrikanten, vom Banker bis zum Redakteur. Ohlbrock vermochte es, Physiognomie, Charakter und Wesen der jeweiligen Person in fast schon genialer Weise skizzenhaft auf das Wesentliche herauszuarbeiten.
Ein Beispiel für eine der Karikaturen ist der legendäre Wirt der Gaststätte „Bremer Schlüssel“, Oskar Elbracht, der in diesem Jahr 135 Jahre alt geworden wäre. Oskar Elbracht, dem ständig eine (oft kalte) Brasil im Mundwinkel hing, war für seine Schlagfertigkeit bekannt und wurde fast nur „Der Staatsanwalt“ genannt. Tatsächlich war er gelernter Rechtspfleger, schaffte es aber in seinem Beruf bis zum Justizoberinspektor am Amtsgericht Gütersloh sowie zum sogenannten Amtsanwalt. In die Gütersloher Geschichte ging er aber als „Staatsanwalt“ ein. Oskar Elbracht hatte Humor genug, seinen Spitznamen mit Würde zu tragen, denn die alten Gütersloher kamen gerne zu ihm, wenn sie irgendetwas mit dem Gericht zu tun hatten („Schriww mi wat up, dat ik wat seggen kann!“), und Oskar Elbracht konnte auch immer helfen. Solche Gespräche fanden vielfach in seiner Gaststätte „Bremer Schlüssel“ – damals noch im langgestreckten Fachwerkhaus Am Domhof 2 auf dem heutigen Stadtbibliotheksgrundstück – statt, dessen Betrieb er nach Dienstschluss von seiner Frau Magda übernahm. Wenn einer sagte: „Ich geh mal zum Staatsanwalt“, dann wollte er nicht den gerichtlichen Ankläger aufsuchen, sondern er wollte im „Bremer Schlüssel“ ein tiefgekühltes Bier und einen herzhaften Schnaps trinken.
Im Prominenten-Kasino, dem damaligen Eckzimmer links vom Eingang – kredenzte Elbracht seinen Stammgästen Lachsbrötchen für 10 Pfennig. Wenn geschlachtet wurde, bereitete Frau Wirtin diesen Stammgästen ein leckeres „Schweinebraun“. Am Tisch saßen Justizinspektor Grundmann, Amtsgerichtsrat Dr. Linden, Assessor Zielonka (später Landgerichtsdirektor in Dortmund), „Baselheinrich“ (Barkey), der „lange Flöttmann“ (Direktor der Volksbank) und der Heimatdichter Fritz Steinhaus („Kiek süh“).
Der Name „Bremer Schlüssel“ stammt übrigens von den Gütersloher Fuhrleuten, die bis Beginn des Eisenbahnbaues 1846/47 eine wichtige Funktion in Gütersloh ausübten. Schon 1640 wird urkundlich erwähnt, dass sie bis zu den Nordseehäfen und Warschau sowie Köln und Frankfurt am Main fuhren. Die auswärtigen Kauffahrer, die auf ihren Reisen Gütersloh berührten, hatten ihre besonderen Gasthöfe. So pflegten die Bremer Fuhrleute im „Bremer Schlüssel“ (der Schlüssel befindet sich auch im Stadtwappen von Bremen) in drei Kammern des ersten Stocks zu wohnen, während die Gütersloher Fuhrleute in Bremen im „Gasthaus Stadt Gütersloh“ übernachteten.

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