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Sun Is Shining – Over The Rainbow

„Das Ambiente im Wapelbad passt wie Arsch auf Eimer zum Reggae. Mit dem Sonnenuntergang und dem weitläufigen Gelände, dem Sand und dem ganzen Open-Air-Feeling. Da stimmt doch einfach alles“, schwärmt Bademeister Matthias Markstedt von seiner Idee, die Reggae Vibes in diesem Sommer
noch größer als sonst aufzuziehen. Bereits im vergangenen Jahr hatten es die Vibes in sich. „Allerdings mussten wir noch am Sound schrauben – und der passt jetzt“, sagt er. Längst vergessen ist die erste Reggae Night
im August 2014 mit ihrer grandiosen Besetzung, die allerdings im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel. Oder um es mit Markstedts kernigen Worten zu sagen: „Wir sind damals abgesoffen.“ Schuld daran war natürlich der heimische Regen.

Text: Birgit Compin  |  Fotos: Wapelbad  

Aber hey, was bedeutet schon Regen beim Reggae-Konzert? „Nichts“, sage ich heute, „Alles“, sagte ich damals. Und das ist länger her. Damals war, als Bob Marley mit seinen Wailers ankündigte, in Berlin die Waldbühne unter jamaikanischen Dampf zu setzen. Das war im Juni 1980. Der Tag begann dumpf, es regnete gefühlt seit Wochen, und kalt war es auch noch. Selbst wenn der Regen ausblieb, schien es, als wolle er gleich wieder losplatzen, einzig, um noch heftiger als zuvor den Dreck von den Westberliner Straßen fortzuspülen. Das Ticket war längst gekauft. Aber so schlechtes Wetter – da ging ich doch lieber gleich mit Freunden in den Dschungel, „unseren“ Club an der Nürnberger. Doch dann kamen sie, die Marley-Jünger. Beseelt von einem – bis heute – legendären (und letzten) Berlin-Konzert des größten Reggae-Poeten aller Zeiten. Triefendnass und ziemlich eingematscht tanzten sie durch den Club und wurden nicht müde, uns verweichlichten Pappnasen mit ihren Geschichten von 16.000 sich im Regen wiegenden Menschen zu nerven. Und ja, jetzt hatte sie vermutlich auch der Letzte begriffen, diese prophetische Textzeile Marleys: „Sun Is Shining – Over The Rainbow“. „Nie wieder“, sagte ich. „Nie wieder werde ich wegen einem bisschen Regen ein Reggae-Konzert verpassen.“ Und das zog ich durch. Egal, ob Summerjam-Festival am Fühlinger See in Köln oder ein „Splash“ in Jamaikas westlichsten Zipfel Negril. Ich war dabei. Allerdings muss ich gestehen, dass es dort auch nicht wirklich regnete. Der Regen kam später.

„No, No, No“ 

Und das war so: Als der Bademeister 2014 die ersten Reggae Vibes im Wapelbad ankündigte, war ich eine der ersten, die Karten hatte. Doch dann kam das Déjà-vu: Dieser 30. August war ein düsterer, kalter Tag, es regnete Bindfäden, und mit maximal zehn Grad war es auch unangenehm kalt. Statt also zum Konzert zu radeln, nahm ich eine Abkürzung und die Einladung von Bekannten zum gemütlichen Essen an. Ich hatte mein eigenes „Nie wieder“ vergessen. Und im Wapelbad?

Da trotzte ein vielsagendes „No, No, No“ dem Platzregen. Wie hingegossen kam er daher, dieser melancholische Reggae-Song, dessen Coverversion 1994 die Welt eroberte. Mitgebracht hatte ihn Jamaikas Reggae-Queen Dawn Penn, zusammen mit jeder Menge neuem Material. Gemeinsam mit der Band „The Magic Touch“, Saralène und dem Pionier der Funk- und Reggaemusik, Roy Ellis, folgte sie dem Ruf des Bademeisters, um im Wapelbad diese neue Musikreihe zu etablieren: „Wapel Vibes“ nannte sich die Reggae Summer Night damals noch und sie sollte von nun an in jedem Jahr stattfinden. Die Tickets kosteten zehn Euro und waren auf 2.500 Stück begrenzt. „Wir hatten eine große Bühne mit allem Zipp und Zapp aufgebaut und dann kam dieser Dauerregen“, erinnert sich Markstedt. Eine kleine Ansammlung von 500 Menschen trotze der Witterung und tanzte durch das glitzernde Nass. Und während ich wieder einmal den Regenbogen hinter den Wolken vergessen hatte, tanzten der Bademeister und seine Getreuen einfach mit. „Was sollte ich auch sonst machen?“, grinst der. „Wir sind in dem Regen mit 10.000 Euro abgesoffen, bei 15.000 Produktionskosten.“ Die Folge: „Ich habe eine Flasche Sekt auf ex reingezogen. – Wo warst du damals eigentlich?“ Gute Frage. Aber dieses Mal wird alles anders!

Und dann kam Dave

Doch es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis die Mannschaft um Markstedt nochmals die Reggae Vibes in Angriff nahm. „Wenn du heute Bands aus Jamaika haben willst, sind die entweder viel zu teuer oder werden von den großen Festivals geblockt und dürfen nirgendwo anders hin. Deshalb haben wir das seinlassen.“ Doch irgendwann kam Dave ins Wapelbad. Er kennt sich wie kaum ein anderer aus in der Reggae-Szene und Künstler wie Elijah Prophet, Utan Green oder Mark Wonder zählen zu seinen Freunden. „Die Kontakte sind durch viele Reisen nach Jamaika entstanden“, erzählt er. Weit mehr als 20 Mal hat er die Karibikinsel besucht. Jetzt versucht er seit einigen Jahren in Gütersloh und OWL den Menschen dieses besondere Reggae-Feeling mit Konzerten näherbringen –
mit wachsendem Erfolg. Er scheint damit sogar eine Art Trendsetter zu sein, ist doch der jamaikanische Groove wieder auf dem Vormarsch, wie auch die Playlists von Global-Pop-Sendern wie Cosmo eindrucksvoll belegen. 

The Return of the 

Reggae Vibes

Und so kam, was kommen musste: Die Neuauflage der Reggae-Konzerte im Wapelbad folgte 2018. „Ich sag mal so“, erklärt Markstedt die Wiederbelebung lachend: „Durch das Holi können wir das Regenrisiko jetzt abfangen.“ Mit anderen Worten: Das alljährliche pulvrige Farbspektakel zum Holi-Festival zieht die Besucher magisch an und ist damit der Erfolgsgarant im Wapel-
beats-Kalender. Die Einnahmen dienen dem Verein als Puffer, wenn außergewöhnliche finanzielle Ausgaben drohen. „Und deshalb trauen wir uns wieder ran.“

Easygoing, Joy and Happiness

Jetzt also übernahm Dave das Booking. Mit Kumpel Mark Wonder verpflichtete er nicht nur einen Freund, sondern eine musikalische Berühmtheit auf dessen karibischer Heimatinsel: Durch seinen einzigartigen Style zählt er zu den besten Roots-Reggae-Künstlern der Szene. Unter dem Motto „Sommer, Reggae, Sonnenschein“ kamen neben dem Mann aus Kingston Town auch die „Rude Cut Band“ aus den Niederlanden „and many more“. Als dann noch kam, womit kaum noch jemand gerechnet hatte, pilgerten die Reggae-Fans ins Wapelbad, denn: Es regnete nicht! Im Gegenteil – die Temperaturen waren so, wie sie im Sommer 2018 eigentlich immer waren: weit oben auf der Quecksilberskala. 1.500 Reggae-Fans erlebten ein herrlich entspanntes „Easygoing, joy and happiness feeling“, so der Bademeister. Das Publikum selbst war ein bisschen anders als zu Wapelbeats-Zeiten: „Es kamen auch mal andere, neue Leute, die etwas älter sind. Das war herrlich entspannt, sehr angenehm und hat richtig gut geklappt“, sagt der Bademeister rückblickend. „Wir werden ja auch älter“, philosophiert er noch ein bisschen vor sich hin, bevor er von dem was kommt, zu schwärmen beginnt.

Eine Schippe drauf

„Im vergangenen Jahr sind wir an das Thema noch mit beschränktem Risiko rangegangen“, resümiert Markstedt und gibt zu: „Allerdings haben wir auch am falschen Ende gespart.“ 

Zwei kleine Bühnen und ein schrebbeli-
ges Jamaika-Soundsystem für die DJ´s waren
das Resultat. Und genau das wird jetzt anders: „In diesem Jahr gibt’s die Reggae Vibes mit einer großen Bühne und dem bewährten Wapelbeats-Soundsystem von Event-Corp aus Bielefeld – damit die Leute zufrieden sind.“ Auch beim Line-up legt der Wapelbad-Verein noch eine Schippe drauf. Dafür hat Dave jetzt einen anderen seiner Freunde angefragt: Utan Green. „Gemeinsam mit Admiral Tibet, Mark Wonder und Nature gehört er zu den Musikern, die in ihrer Heimat Jamaika ungemein berühmt sind“, erklärt Dave. „Jeder von ihnen hat eine beeindruckende Stimme, aber kaum jemand in Deutschland kennt sie.“ Zeit also, das zu ändern.

Samstag, 29. Juni, ist es soweit: „Auch in diesem Jahr möchten wir euch herzlich einladen, den Sommer mit guter Reggae-Music im Wapelbad zu feiern“, lautet die offizielle Einladung. Als Support des „Man of Love“ Utan Green wurde „The People’s Choice – Mr. Ray Darwin and Band“ verpflichtet. Auch dabei sind Foundation Sound aus den Niederlanden und Wild Pitch Sound. Gestartet wird um 16 Uhr. 

The Man of Love

Doch eins noch: Wer ist „The Man of Love“? „Der Bescheidene“, höre ich. So nämlich wird Utan Green in der Reggae-Szene gerne genannt. Schon früh zeigte er eine außergewöhnliche Liebe und Talent zur Musik, ist in seiner Vita zu lesen. Aufgewachsen in Waterhouse, einem Armutsviertel der Hauptstadt Kingston, waren es vor allem Künstler wie Bob Marley und Jacob Miller, die den Youth inspirierten, eine musikalische Karriere einzuschlagen. Mit „The Invaders“, die aus Utan und seinen beiden Geschwistern bestand, machte er erste Erfahrungen. Don Carlos von „Black Uhuru“ wurde auf sie aufmerksam und produzierte die ersten Tunes „Cry Of A Poor“ und „Down In The Ghetto“. 1979 verschlug es Utan dann nach Manchester, wo er regelmäßig mit dem legendären „Destiny Outernational“ Soundsystem auftrat und sich immer wieder mit Künstlern wie Garnett Silk, Everton Blender oder Tony Rebel das Mikro teilte. Jetzt wird er im Wapelbad Tunes wie „I’ll Be There“ oder „Oh No“ performen. 

Tanz über dem Regenbogen 

„Das wird wieder ganz relaxt“, ist sich der Bademeister sicher. „Es wird ein Reggae-Fest vom Feinsten.“ Und dafür bietet das Kultbad den schon erwähnten perfekten Rahmen. „Weißt du, die Leute können ja hier neben dem Musikhören auch noch was anderes machen, zum Beispiel ein bisschen Beach Volleyball im Sand spielen, oder so.“ Und wenn’s wieder regnet? „Dann bekommt ‚Ärzte ohne Grenzen’ dieses Jahr eine geringere Spende, weil wir das dann vermutlich finanziell auffangen müssen, aber die Leute hier, die würden was verpassen. Und das wäre doch schade,“ lacht er. Was das ist, weiß ich selbst am besten, denn das wäre dann wieder einmal der „Sunshine Over The Rainbow“ – und wer will sich den schon entgehen lassen? Ich sicher nicht!


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