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Verbot Silvesterfeuerwerk

Ein Gespräch mit Klimaaktivist Stefan Schneidt


Die Frage nach dem Für und Wider von Silvesterfeuerwerken ist nicht nur in Gütersloh ein Thema. Warum sonst ging allein schon die Tatsache, dass ein Antrag auf Verbot von privaten Feuerwerken des Gütersloher Klimaaktivisten Stefan Schneidt an den Hauptausschuss im Rat der Stadt bundesweit durch die Medien ging? Obwohl ein solcher Antrag auf breite Zustimmung stößt, gibt es auch etliche Gegenstimmen und so wurde auch ein Gegenantrag zum Thema eingereicht. Gespannt wartete man am Montag, 11. November, auf ein Ergebnis. Am Ende des Tages ließ die Stadt wissen: „Die Anträge werden in der Umweltausschusssitzung am 25. November, 17 Uhr Ratssaal, beraten. Dorthin hat vorhin der Hauptausschuss die Bürgeranträge verwiesen. Die 1. Beigeordnete Christine Lang verwies allerdings auch auf rechtliche Grenzen der Stadt, hier Verbote zu erlassen.“

Jetzt also der 25. November. Ausgang? Ungewiss. GT-INFO hat Stefan Schneidt zu den Bewegründen seines Antrags befragt.

Stefan, dein Antrag an die Stadt Gütersloh lautet: sie möge sich aus diversen Gründen, wie der Sicherheit von Mensch und Tier sowie der Umwelt- und Luftbelastung zuliebe, für ein Verbot von privater Silvesterböllerei im Stadtgebiet einsetzen und ein zentrales Feuerwerk anbieten. Zur Begründung führst du an, dass laut Umweltbundesamt Deutschland in der Silvesternacht 4.500 Tonnen Feinstaub ausstößt, was etwa 15,5 Prozent der jährlichen im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge entspricht. Du gibst an, dass rund 442.000 statistisch errechnete vorzeitige Todesfälle im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung stehen und man in Deutschland davon ausgehe, dass eine schadstoffbelastete Umgebung zum Tod von mehr als 62.000 Menschen beigetragen hat. Das alles setzt du in einen kausalen Zusammenhang. Kannst du das bitte erklären?
Aufgrund der Tatsache, dass die EUA im letzten Jahr in ihrem Report „Luftqualität in Europa 2018„ herausfand, dass die Luftverschmutzung die größte Gesundheitsgefahr in Europa darstellt, ist es eine logische Schlussfolgerung, dass wir unsere Gewohnheiten und Traditionen hinterfragen und ändern müssen. Dazu gehört es, unnötige Verschmutzung, wie an Silvester, bestmöglich zu vermeiden. Dies dient auch dazu, bleibende Schäden, wie z.B. Ohrverletzungen zu reduzieren. Zehntausende Menschen erleiden durch die Silvesternacht jedes Jahr in Deutschland solche Verletzungen.

Was sagst du in diesem Zusammenhang zu dem Verweis der 1. Beigeordneten Christine Lang auf eine rechtliche Grenze der Stadt, hier Verbote zu erlassen?
Es gibt unterschiedliche rechtliche Ansichten, die Stadt hat aber zumindest die Befugnis dazu, Feuerwerksfreie Zonen zu schaffen oder zu vergrößern. Dabei ist für mich Böllern nichts Privates, da durch Lärm, Luftverschmutzung und Müll die Allgemeinheit beeinträchtigt und eventuell sogar geschädigt wird.

In deiner Antragsbegründung sprichst du auch soziale Aspekte an. Kannst du das noch ein wenig ausführlicher erläutern?
Für mich geht es zum einen um Menschen, die Traumata haben, die durch Silvester und die laute Knallerei ausgelöst werden. Es gibt zum anderen viel Kinderarbeit in der Feuerwerksindustrie, vor allem in asiatischen Ländern. Außerdem ist Klimaschutz in allen seinen Aspekten – also auch dem Feuerwerk an Silvester – die sozialste Thematik überhaupt für alle Lebewesen und die Natur auf unserem Planeten.

Dein Antrag und auch ein Gegenantrag werden nun am 25. November im Umweltausschuss diskutiert. Meinst du, es gibt noch eine Chance für dein Anliegen?
Ja, da die Thematik wichtig und die Argumentation für ein Verbot logisch ist.

Wie würde dann ein Verbot deiner Meinung nach aussehen?
Leider werden Verbote immer als „Spaßverderber“ wahrgenommen und haben aufgrund des Begriffs „Verbot“ schon etwas inhärent Negatives an sich, egal wie logisch und notwendig sie sind. Dabei muss dieses Verbot gar nicht negativ sein. Ich denke, dass jeder Silvester auch ohne eigene Knallerei feiern kann. Die Stadt Gütersloh sollte eine professionelle Alternative anbieten und dadurch Feinstaub einsparen. Dafür könnte ein Laserfeuerwerk in Frage kommen. Ich persönlich habe die beste Feuerwerk-Show meines Lebens bei einem Laserfeuerwerk erlebt und kann es jedem nur empfehlen. Ich glaube, einige Leute wären überrascht davon, wie viel besser ein professionelles Feuerwerk sein kann. Somit könnten durch das Verbot alle profitieren; die Umwelt, weil Feinstaubausstoß vermieden wird und die Menschen, weil wir ein besseres Feuerwerk zu sehen bekommen. Tiere würden sich selbstverständlich auch nicht darüber beschweren, nicht mehr eine ganze Nacht verängstigt sein zu müssen.
Es könnte eine stadtnahe Veranstaltung stattfinden, zum Beispiel am Berliner Platz, beim Theater oder auf dem Rathausplatz.

Wenn du die Möglichkeit hättest, würdest du noch etwas deinem Antrag hinzufügen wollen?
Es ist zynisch gegenüber den Opfern der Klimakrise, dass wir trotz des Wissens und der aktuellen Debatte so fahrlässig mit unseren Emissionen umgehen und dies zelebrieren. Ebenso wünsche ich mir eine Politik, die sich für das Wohl der Menschen und des Planeten einsetzt, anstatt kurzfristig und eigensinnig auf Wählerstimmen abzuzielen. Insbesondere die Verwaltung und die Parteien haben Angst davor, durch ein Verbot bei der Kommunalwahl 2020 schlechter abzuschneiden. Das ist keine zielorientierte und logische Politik, die das Leben der Menschen verbessert, sondern reines Taktieren zu egoistischen Zwecken.
Die Stadt Gütersloh soll als Vorreiter für den Kreis dienen, den Anfang für Veränderungen setzen und damit ein Bewusstsein für den Klimaschutz in allen Lebenssituationen schaffen.

In dem Zusammenhang erschien vor einigen Tagen der „Brown to Green Report“ zur Klimakrise. Sieht du da deine Ansichten bestätigt?
Aber ja! Er zeigt doch, dass die Industrieländer die Welt in Richtung drei Grad Erwärmung treiben. Dabei sind die G20 für 80 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Wir haben laut aktuellen Berechnungen noch acht Jahre Zeit, um nicht auf über 1,5 Grad Erderwärmung zu kommen. Mit unseren konservativen Einstellungen zum Klimaschutz werden wir jegliche Ziele um ein vielfaches verfehlen und gnadenlos versagen. Dabei ist der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre deutlich sichtbar. Während die Konzentration 1960 noch bei 315ppm war, ist sie aktuell bei über 415ppm.

Ein Wort zum Schluss?
Tradition widmet sich den Toten, Veränderung den Lebenden.

Foto: stock.adobe.com / Comofoto

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