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PLUS GESUND IN: Wenn der Körper überreagiert

Macht falsche Ernährung den Menschen krank?

Kann falsche Ernährung den Menschen krank machen? Allergische Reaktionen auf bestimmte Lebensmittel, Unverträglichkeiten, andauernde Magen- und Darmbeschwerden oder Allergien – das alles gab es früher kaum. Sie könnten Hinweis sein, dass der Körper auf bestimmte Stoffe abwehrend reagiert. Eine Intoleranz oder eine Unverträglichkeit auf Fruktose, Laktose, Histamin oder Gluten stehen also im Verdacht, die Ursachen zu sein. Doch Vorsicht: „Allzu schnell wird in der heutigen Zeit eine dieser Diagnosen in den Raum gestellt und viele Menschen lassen wertvolle Lebensmittel in ihrer täglichen Ernährung weg, obwohl dieses gar nicht erforderlich wäre“, so die Ernährungsmedizinerin Dr. oec. troph. Claudia Anna Schröder-Böwingloh. Sie rät: „Ein genaues Hinschauen und eine intensive Beobachtung und Analyse sind wichtig, nur so kann eine richtige Diagnose getroffen werden.“ GT-INFO hat die Expertin zu einem Gespräch gebeten.

Die Industrie macht’s möglich
„Viele Beschwerden und vermeintliche Unverträglichkeiten entstehen in der heutigen Zeit durch einen übermäßigen Verzehr von Industrie- und Fertigprodukten“, so die Expertin weiter. Sie enthalten in der Regel viele künstliche Zusätze, wie Farb- und Aromastoffe, Konservierungsstoffe, große Mengen an weißem Industriezucker oder hellen Auszugsmehlen aus der Massenproduktion. Sehr viele Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, ernähren sich fast ausschließlich von solchen Convenience und Fast Food Lebensmitteln. Die ständig hohe Zufuhr von Zucker und Zusatzstoffen und das Fehlen von frischen Lebensmitteln, wie Gemüse, Rohkost, Salat und Obst oder auch guten Vollkornprodukten lassen die Ernährung einseitig und unausgewogen werden.

Zucker und Weißmehl oftmals im Fokus
Die Folge scheint klar: In vielen Fällen reagiert der Körper dauerhaft mit Abwehr und es kommt zu Problemen, wie Magen- und Darmbeschwerden, Hautreaktionen, Beschwerden im Bereich der Atemwege oder auch häufigen Kopfschmerzen. „Um herauszufinden, ob eine wirkliche Erkrankung vorliegt oder die Beschwerden einfach nur durch eine Fehlernährung zustandekommen, sollte man ein Ess- und Trinkprotokoll führen“, rät die ernährungsmedizinische Beraterin. Oft reichen wenige Tage einer genauen Auflistung aller verzehrten Lebensmittel und Getränke aus, um Licht ins Dunkel zu bringen. Das Ergebnis lässt hoffen: „Nicht selten führt eine gesunde Ernährungsumstellung schnell zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden“, so Schröder- Böwingloh weiter. „Weniger Industriezucker, weniger Weißmehlprodukte und schon ist das Thema einer Fruktose-Intoleranz oder einer Gluten-Unverträglichkeit vom Tisch.“

Milch ist kein Getränk
Ähnlich sieht es bei einem übermäßigen Verzehr von Milchprodukten aus: Wer täglich bis hin zu einem Liter Milch oder deutlich über 500 Gramm Milchprodukte verzehrt, reagiert wegen der ganzen Zusatzstoffen in vielen dieser Produkte mit Magen- und Darmbeschwerden. Wird die Zufuhr auf ein vernünftiges Maß reduziert und werden vor allem naturbelassene hochwertige Milchprodukte zugeführt, verschwinden die Probleme wie von „Geisterhand“ und der Test auf eine Laktose-Intoleranz wird überflüssig. „Milch ist kein Getränk, sondern ein hochwertiges Nahrungsmittel“, sagt Claudia Anna Schröder-Böwingloh. Die Obergrenze der empfehlenswerten täglichen Zufuhr im Rahmen einer gesunden Ernährung liegt bei 250 Gramm. Wer jedoch mehrfach am Tag einen Milchkaffee oder Latte Macchiato zu sich nimmt, liegt sehr schnell bei einem Liter Milch und mehr. Ein kleiner Überblick über die einzelnen Arten möglicher Unverträglichkeiten.

Intoleranzen
„Eine Nahrungsmittelintoleranz ist ein angeborener Defekt, der im Laufe des Lebens ausbrechen kann. Er geht – einmal ausgebrochen – nicht mehr weg“, sagt Frau Dr. Schröder-Böwingloh. Die Intoleranz äußert sich in der Regel über Beschwerden im Magen- und Darmtrakt. Um beschwerdefrei zu leben, müssen sich Betroffene anders ernähren als gewohnt. „Für eine entsprechende Diagnose sollte man einen Gastroenterologen oder Internisten aufsuchen und sich bei bestätigter Diagnose ernährungsmedizinisch beraten lassen.“

Unverträglichkeiten
Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit äußert sich ähnlich wie eine Intoleranz, rührt jedoch oft von der übermäßigen Aufnahme eines bestimmtes Lebensmittels her. „Durch eine gezielte Ernährungsumstellung kann sie gut behandelt werden“, so Schröder-Böwingloh. Die zunächst unverträglichen Nahrungsmittel können nach einer Karenzphase meist in gemäßigten Mengen wieder problemlos vertragen werden. „Wie schon bei den Intoleranzen auch, sollte man einen Gastroenterologen oder Internisten und eine Ernährungsberatung
konsultieren.“

Allergien
Nahrungsmittelallergien äußern sich in der Regel durch Hautreaktionen, Atembeschwerden, Juckreiz, tränende Augen oder eine laufende Nase. Häufig geht sie einher mit Erkrankungen der Atemwege oder auch Heuschnupfen. Sogenannte Kreuzallergien sind nicht selten. Festgestellt werden können Nahrungsmittel-Allergien unter anderem durch Bluttests
bei Allergologen, HNO- oder Lungenfachärzten.

Das Fruktose-Problem
Wer an einer Fruktose-Intoleranz beziehungsweise -Unverträglichkeit erkrankt ist, leidet oft unter Bauchschmerzen und -krämpfen, an Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, aber auch an Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Verstopfungen oder Blähungen. Es gibt die angeborene Stoffwechselstörung Fruktose-Intoleranz und die sogenannte Fruktose-Malabsorption. Bei der ersten Variante kann die Fruktose nicht verdaut werden, sie ist nicht heilbar und ein kompletter Verzicht auf fruktosehaltige Lebensmittel ist empfehlenswert. Die Fruktose Malabsorption ist eine meist vorübergehende Aufnahmestörung. „Nach einer Karenz-Diät mit Ernährungsumstellung kann man sie gut in den Griff bekommen,“ so Schröder-Böwingloh. Schätzungen gehen davon aus, dass von einer hereditären Fruktose-Intoleranz eins von 20.000 Neugeborenen betroffen ist, von einer Malabsorptionsstörung jedoch 30 Prozent aller Menschen. „Man vermutet, dass ein übermäßiger Verzehr von fruktosehaltigen Lebensmitteln die Ursache ist, denn klassischer Zucker besteht zu 50 Prozent aus Fruktose.“ Betroffene müssen daher fast alle Obst- und viele Gemüsesorten, entsprechend verarbeitete Produkte, aber auch Honig, Ahornsirup, Fertigprodukte, Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel meiden. Auch hier rät die Ernährungsexpertin
zu einer begleitenden Ernährungsberatung.

Das Laktose-Problem
Eine Intoleranz beziehungsweise Unverträglichkeit gegenüber Laktose ist der der Fruktose ähnlich und auch hier unterscheiden Fachleute zwischen dem angeborenen und nicht heilbaren Laktasemangel und einem primären Laktasemangel, bei dem die Unverträglichkeit nachlässt. Außerdem gibt es den sekundären Laktasemangel, bei dem die Unverträglichkeit oft die Folge einer Erkrankung, einer Operation oder auch einer stark überhöhten Zufuhr von Milchzucker ist. „Ähnlich wie bei einer Fruktose-Unverträglichkeit erfolgt auch hier eine dauerhafte oder eine vorübergehende Laktose-Karenz und Ernährungsumstellung.“ Nach einer Beruhigung des Magen-Darmtraktes gibt es die Möglichkeit, Laktase-Enzyme einzunehmen. Menschen mit Laktose-Problemen sollten
Milch und Milchprodukte, aber auch Schokolade sowie Gebäck meiden. Hartkäse hingegen enthält keine oder nur minimal Laktose. Betroffene sollten auf laktosefreie Milch und pflanzliche Produkte wie Hafer, Reis oder Kokos umschwenken.

Das Histamin-Problem
„Die Histamin-Unverträglichkeit ist von allen am wenigsten erforscht“, so Schröder-Böwingloh. Histamin gehört zu den biogenen Aminen, die von Natur aus in verschiedenen Nahrungsmitteln zu finden sind. Sie entstehen aus Aminosäuren, den sogenannten Eiweißbausteinen und können durch Lagerung oder Erhitzung zu biogenen Aminen werden. Aus der Aminosäure Histidin entsteht Histamin, das bei einer Unverträglichkeit zu Beschwerden führen kann. Störungen im Magen- Darmtrakt, Kopfschmerzen, Migräne, Verspannungen, Herz-Kreislauf Beschwerden, niedriger Blutdruck oder starke Blutdruckschwankungen,
Hautirritationen, Juckreiz, Nesselsucht, eine laufende Nase, Niesreiz, Augenrötungen oder Atembeschwerden gehören dazu. Histamin findet sich in Wein, Sekt, in rohen und verarbeiteten Tomaten, in Sauerkraut, Spinat und verarbeitetem Fisch, in Erdbeeren, Kiwis und Bananen, Nüssen, Kakao und Schokolade, Dauerwurst, Schinken und Kasseler, in reifem Käse und in künstlichen Nahrungszusätzen. „Eine Diagnosestellung kann über einen Bluttest erfolgen, ist jedoch umstritten“, sagt die Ernährungsexpertin. „Besser eignet sich die sogenannte Provokationsdiät.“

Das Gluten-Problem
Das Klebereiweiß ist in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vorhanden. Grundsätzlich ist Gluten nicht bedenklich oder gefährlich.
Viele Menschen versuchen heute krampfhaft auf Gluten zu verzichten und greifen als Ersatz zu industriell gefertigten glutenfreien Lebensmitteln, die wiederum viele Zusatzstoffe und Zucker enthalten. Liegt jedoch keine diagnostizierte Erkrankung wie die Zöliakie oder Sprue vor, ist der Verzehr von Gluten kein Problem. Beschwerden, die ohne Erkrankung vorliegen, sind vielfach auf einen zu hohen und täglichen Verzehr von Gebäcken und Produkten aus industriell gefertigten hellen Auszugsmehlen zu erklären. „Wird der Verzehr reduziert und auf hochwertige Vollkornprodukte in Bio Qualität umgestellt, verschwinden die Beschwerden nach kurzer Zeit. Ist dies nicht der Fall sollte eine Untersuchung beim Facharzt stattfinden.“

Foto: stock.adobe.com / Rawpixel.com

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