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Stadtgespräch: Die digitale Zukunft

Bürgermeister Henning Schulz und Stadtwerke-Chef Ralf Libuda über den Glasfaserausbau

Gemeinsam mit ihren Tochterunternehmen, der BITel Gesellschaft für Telekommunikation und der Netzgesellschaft Gütersloh, treiben die Stadtwerke Gütersloh den clusterweisen Ausbau eines zukunftsfähigen Glasfasernetzes im Stadtgebiet weiter voran. In den kommenden Jahren plant der heimische Energieversorger, jährlich rund elf Millionen Euro zu investieren, um insgesamt etwa 640 Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur ist ein Großprojekt, das die Stadtwerke schon heute für die Daseinsvorsorge von morgen umsetzen. „Die Breitbandversorgung wird künftig genauso wichtig sein wie die Versorgung mit Strom und Wasser. Daher setzen wir schon heute auf die zukunftssichere und stabile Glasfasertechnik bis ins Haus. Denn die letzten Meter sind entscheidend, um die volle Bandbreite dieser ultraschnellen Technologie nutzen zu können“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Ralf Libuda. Und für Bürgermeister Henning Schulz steht fest: „Der Ausbau des Glasfasernetzes ist ein wichtiger Faktor, um die Attraktivität Güterslohs als Wirtschaftsstandort sowie als Wohnort weiter zu stärken und dauerhaft zu festigen“. GT-INFO-Chefredakteur Markus Corsmeyer sprach mit Bürgermeister Henning Schulz und Stadtwerke-Geschäftsführer Ralf Libuda über das zukunftsweisende Projekt und seine Bedeutung für den Digitalen Aufbruch Gütersloh.

INTERVIEW: MARKUS CORSMEYER, FOTOS: ANTOINE JERJI

Herr Schulz, Sie haben sich das Thema Digitalisierung auf die persönliche Agenda geschrieben. Ist das richtig?
HENNING SCHULZ: Ich versuche, bei dem Thema des digitalen Wandels Impulse zu setzen, Menschen zu stimulieren, sie wachzurütteln und auf den Pfad zu bringen, sich mit dem digitalen Wandel zu beschäftigen – aus meiner Verantwortung heraus als Bürgermeister. Ich bin fest davon überzeugt, dass es für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Gütersloh und für die Zukunft des Zusammenlebens der Menschen in unserer Stadt wichtig ist. Gemeinsam identifizieren wir im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses gerade Themen, die für die Entwicklung der Stadt Gütersloh wichtig sind. Das ist der Weg, den ich mit dem Digitalen Aufbruch und dem Digitalen Wandel beschreite.

Was bedeutet der Ausbau des Glasfasernetzes für die Stadt Gütersloh?
RALF LIBUDA: Der Ausbau des Glasfasernetzes ist für uns eine Erweiterung der Wertschöpfungskette. Die Stadtwerke setzen auf den Slogan „Aus Leidenschaft für Ihren Alltag! “Wir beliefern heute die Stadt mit Strom und Gas – und wir bieten im Bereich der Mobilität Dienstleistungen an. Darüber hinaus sind wir schon lange in der Telekommunikation tätig. Es kommt aber ein Quantensprung, in dem wir einen Ausbau des Glasfasernetzes umsetzen, gerade weil Glasfaser bis ins Haus gebracht wird. Wir schaffen erstmalig Anschlüsse, die wirklich durchgängig bis in die Häuser und die Wohnungen hinein verbunden sind.

Wo steht die Stadt Gütersloh aktuell? Wo werden wir nach dem Glasfaserausbau stehen?
RALF LIBUDA: Der Ausbau wird einige Jahre dauern. Es ist eine nachhaltige und wichtige Investition in die Infrastruktur der Stadt. Wir beginnen im ersten Jahr mit rund 90 Kilometern Ausbau. Beim Glasfaserausbau in den Gütersloher Gewerbegebieten sind wir bereits seit Jahren erfolgreich. Dazu haben wir viele Schlüsselkunden rechtzeitig mitgenommen. Jetzt beginnen wir clusterweise, die Telekommunikation in den einzelnen Stadtteilen voranzutreiben.

Wie hoch ist die Aufmerksamkeit in der Stadt für das Thema Glasfaserausbau?
RALF LIBUDA: Wir sind sehr gut gestartet und haben Bürgerversammlungen in den Ausbaugebieten durchgeführt – mit Teilnehmerquoten von 200 bis 300 Teilnehmern. Viele interessierte Bürger haben sich gerade übrigens mit dieser Technologie intensiv beschäftigt. Das ist wichtig, denn es handelt sich hier nicht um ein Produkt, das man so „von der Stange“ verkauft. Die Menschen haben reflektiert, dass sie eine komplette Infrastruktur erhalten.

Es wird im Zusammenhang mit dem Glasfaserausbau von einer Daseinsvorsorge gesprochen. Was bedeutet das?
RALF LIBUDA: Nicht nur das Thema der Telekommunikation steht im Fokus – es geht zum Beispiel auch um den Energie- und den Wasserbereich. Darüber hinaus gehören auch die Bäder zur Daseinsvorsorge. Man will wirklich jeden Bürger daran teilhaben lassen. Das Teilhaberecht gehört zur Daseinsvorsorge. Wir reden mittlerweile von der digitalen Daseinsvorsorge, weil wir hierdurch ermöglichen, dass alle Bürger an der Digitalisierung und den digitalen Themen teilnehmen können. Daseinsvorsorge bedeutet, möglichst vielen Bürgern die Möglichkeit zu geben, teilzunehmen.

Welchen Mehrwert haben die Bürger durch den Glasfaserausbau?
HENNING SCHULZ: Natürlich muss man sehen, dass sich die Anwendungen, mit denen Menschen auf ihren Smartphones oder Rechnern zu Hause agieren, ziemlich dynamisch ändern. Vor wenigen Jahren konnten wir uns noch nicht vorstellen, über Netflix, Mediatheken, Spotify oder ähnliche Anbieter hochqualitative Full-HD Filme oder Ähnliches zu streamen. Damals legten die Menschen noch eine DVD in ihren Player. Im Laufe der Digitalisierung kommen immer mehr sogenannte Echtzeitanwendungen ins Spiel. „Echtzeit“ bedeutet eine Online-Konsultation beim Arzt. „Echtzeit“ bedeutet aber auch, dass ich in meinem PKW dynamisch weiß, wo ich mit höchster Wahrscheinlichkeit einen Stellplatz finde. In Echtzeit werden heute unsere Verkehrsströme gesteuert. Und wenn ich über den Aufbau von 5G-Netzen rede, ist es völlig klar, dass jeder 5G-Funkmast in der Erde an Glasfaser angeschlossen werden muss, sonst wird man nie die Leistung in die Funknetze einer Stadt bringen können. Es ist tatsächlich eine Basis-Infrastruktur. Wenn wir sie nicht hätten, gäbe es einen Flaschenhals, der – territorial gesehen – in Gütersloh diese Anwendungen früher oder später ausgrenzen würde. Dann wäre die Teilhabe an der digitalen Welt nur noch in einem begrenzten Spektrum möglich.

Wie erfolgt der Ausbau?
RALF LIBUDA: Letztlich entscheidet die Nachfrage, ob eine Wohnsiedlung an das Breitbandnetz angeschlossen wird. Die Phase der Vorakquise dauert noch bis einschließlich 14. Dezember 2019. Für einen wirtschaftlichen Ausbau benötigen wir jedoch eine Vertragsabschlussquote von 35 Prozent im jeweiligen Ausbaugebiet. Sollte die Quote erreicht sein, könnten wir Anfang 2020 mit dem Ausbau
starten und die ersten Haushalte im zweiten Quartal des kommenden Jahres ans Netz bekommen. Wir werden die Stadtteile Kattenstroth „Mitte“ und Avenwedde Bahnhof parallel ausbauen und hoffen, dass wir im Jahr 2020 alle Bereiche angeschlossen haben.

Gütersloh gilt als Stadt des Digitalen Aufbruchs. Was kann der Glasfaserausbau in diesem Zusammenhang leisten?
HENNING SCHULZ: Glasfaser ist eine Basisinfrastruktur, die wir für unterschiedlichste Projektebenen benötigen. Es ist sicherlich nicht die alleinige Technologie. Wenn man aber über das Thema der digitalen Stadt spricht, kommen auch andere funkbasierte Technologien, wie LoRaWAN, in Frage. Wir spüren, dass sich Anwendungen entwickeln. Das
könnte die komplette Auslagerung nicht nur aller Daten, sondern auch aller Softwareanwendungen in die Cloud sein, aber auch die redundante Vernetzung von verschiedenen Unternehmensstandorten. Es gibt viele wichtige Themen, die uns im kommunalen Bereich betreffen. Zum Beispiel die IT an Schulen. Wir werden jede Schule mit einer Ein-Gigabit-Standleitung anschließen. Dieses Gigabit kann über ein Kupferfasernetz eben nicht transportiert werden. Andere kommunale Infrastrukturen werden auch betroffen sein. Wir werden in absehbarer Zeit erleben, dass man in Kindertagesstätten die Bildungsdokumentation - viel einfacher und näher am Kind in der Gruppe - z.B. über ein iPad - erfasst und eine Transparenz in Echtzeit herstellt. Es werden zukünftig viele kommunale und private Infrastrukturen im Fokus stehen.

Ab wann ist der Glasfaserausbau wirtschaftlich?
RALF LIBUDA: In ein- oder zwei Jahrzehnten kommen wir in den deutlich wirtschaftlichen Bereich. Die Risiken sind jedoch überschaubar. Wichtig ist: Diese Infrastruktur braucht jeder, und wir haben jetzt die Chance, selbst zu gestalten. Man darf nicht vergessen: Es ist eine Infrastruktur, die immer nutzbar ist und die immer einen großen Wert haben wird.

Gütersloh ist als Stadt an der Schnittstelle zum Bürger schon heute stark digitalisiert. Auf der anderen Seite sprechen Sie mit dem Digitalen Aufbruch auch das Engagement der Gütersloher Bürger an …
HENNING SCHULZ: Das Thema in der Verwaltung wird auch häufig als E-Government bezeichnet. Wir sind 2014 als Modellkommune gestartet und haben als eine der ersten Kommunen unser Bürgerportal aufgebaut. Das ist die zentrale Schnittstelle zwischen Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern. Heute kann man „24/7“ Dienstleistungen vom Sofa aus nutzen. Über 10 000 Menschen tun das bereits, indem sie ein Bürgerkonto eingerichtet haben – wenn man das auf Gütersloher Haushalte überträgt, um die es bei zahlreichen Dienstleistungen ja geht, ist das schon eine sehr gute Quote. Unser Ziel ist, dass wir sukzessive immer mehr Dienstleistungen in dieses Portal einbringen. Es ist eine wichtige Ebene, auf der Bürgerinnen und Bürger sicher mit der Verwaltung kommunizieren können. Die Menschen wachsen in die Dienstleistungen hinein. Diesen Aspekt werden wir immer weiter vorantreiben. Das Ergebnis digitaler Verwaltung bedeutet aber nicht, dass niemand mehr persönlich zu uns kommen soll! Im Gegenteil: Durch die Digitalisierung von Standardangeboten bleibt mehr Zeit für die eigentlichen Aufgaben, nämlich die Kommunikation mit den Bürgern und Bürgerinnen. Im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel in der Stadtgesellschaft möchte ich Projekte entwickeln, die einvernehmlich in der Stadtgesellschaft generiert werden. Denn jede Stadt braucht ihre speziellen Lösungen. Wir wollen individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen reagieren. Das ist das zentrale Thema des Digitalen Aufbruchs.

Was bedeutet der Glasfaserausbau für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen?
RALF LIBUDA: Sie haben die Möglichkeit, damit am Wettbewerb dynamisch teilzunehmen. Daten- und Bildtransporte stärken natürlich den Standort. Deshalb haben wir früh die Gewerbegebiete ausgebaut. Große Firmen waren zuerst im Ausbau. Jetzt geht es in allen anderen Bereichen weiter. Fakt ist: Unternehmen siedeln sich immer dort an, wo eine gute Infrastruktur in der Stadt gegeben ist. Eine Stadt muss eine gute Infrastruktur bieten, um wettbewerbsfähig zu sein – für die Firmen, aber auch für die Menschen, die in den entsprechenden Unternehmen arbeiten. Das ist ein hoher Wert, den man nicht unterschätzen darf.

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