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Vom Körperkult bis zum Kulturevent

Gütersloher Kult-Location Parkbad feiert 100 Jahre Bauhaus

Text: Birgit Compin . Fotos: Stadtarchiv, Parkbad/Frank Tiedemann

Seit 2015 das Gütersloher Parkbad mit Pächter Franz-Josef Füchtenschnieder eine bemerkenswerte Renaissance erfuhr, ist in dieser familienfreundlichen Location im Sommer eigentlich immer was los – sofern das Wetter mitspielt natürlich. Nachdem sie jahrelang nur ein wenig vor sich hinplätscherte, brachte der neue Betreiber mit ein paar Veränderungen das prallgefüllte Leben zurück in die denkmalgeschützte Anlage am Rande des Gütersloher Stadtparks. Apropos Denkmal: Denn darum geht es hier! Feierte die Freizeitanlage im Stadtpark 2018 noch ihren 90. Geburtstag, geht es in diesem Jahr noch ein wenig höher hinaus: Die weltberühmte Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet. Eine „Kunstschmiede“ also, die auch nach ihrem Ende überlebte und deren Schule bis heute das Design und die Architektur nachhaltig prägen. Grund genug also, um das 100 Jahre „junge“ Bauhaus in diesem Jahr gebührend zu feiern – und das Parkbad jubelt im Juli mit.

Warum? Um das zu beantworten, werfen wir zunächst einmal einen Blick zurück in die damalige Zeit, ihre Strömungen und die Historie des Bades, in dem so viele Gütersloher Schwimmen lernten.

Die Zeiten ändern sich
Die Gründung des Bauhauses steht weltweit für eine Art Zeitenwende. Wikipedia sagt dazu: „Nach Art und Konzeption war es damals etwas völlig Neues, da das Bauhaus eine Zusammenführung von Kunst und Handwerk darstellte. Das historische Bauhaus stellt heute die einflussreichste Bildungsstätte im Bereich der Architektur, der Kunst und des Designs im 20. Jahrhundert dar. Das Bauhaus bestand von 1919 bis 1933 und gilt heute weltweit als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst und Architektur. Die Resonanz des Bauhauses hält bis heute an und prägt wesentlich das Bild modernistischer Strömungen.“
Es war eine Strömung, die auch im beschaulichen Gütersloh über kurz oder lang Einzug hielt.

Körperkult und Freizeitkultur
Die 1920er-Jahre waren die Zeit, in der viele städtische und kommunale Schwimmbäder wie Pilze aus dem Boden schossen. „Zum ersten Mal stand die körperliche Ertüchtigung mit ihrer gesünderen und natürlichere Lebensweise im Fokus und das Schwimmen gewann an Bedeutung“, erklärt Yasmin Renges in dem Buch „Die Stadtbäder der Goldenen Zwanziger“ den aufkeimenden Boom. Seit der Jahrhundertwende hatte sich durch diese  Reformbewegungen eine Körperkultur entwickelt, die fast schon in eine Art Körperkult abdriftete. Schwimmbäder waren dafür ideale Orte. Viele verfügten über Friseure, Ärzte, Gymnastikräume, verschiedene Arten von Wannen- und Duschbädern und über Areale für das sogenannte Luftbaden. Gleichzeitig waren die Schwimmbäder wichtige Institutionen der Hygieneförderung – auch das erkannte man gerade.

Ein privates Bad entsteht
Auch diese Strömung fand ihren Weg nach Gütersloh. Man ging mit der Zeit, und der Bäderbau startete auch hier. Es war 1925, als das Parkbad in Gütersloh vom eigens gegründeten Verein „Parkbad Gütersloh" geplant wurde. Spenden von ortsansässigen Firmen wie etwa der Wolf Seil- und Drahtwerke und Miele sorgten für die nötige Finanzierung. Damit wurde das Bad, im Gegensatz zu den vielen städtischen Schwimmbädern seiner Zeit, zum privaten Bad.
Mit dem Entwurf wurde der Bielefelder Architekt Paul Heidrich beauftragt, über den man heute kaum noch etwas weiß. Was blieb war dieses Bad, das er im Stil des ebenfalls zu der Zeit boomenden Bauhaus-Stils entwarf. Auf dem großzügigen Grundstück an der Dalke gestaltete er ein Ensemble aus einem 50 Meter-Becken, einem sogenannten Kinderplanschteich und einem langgestreckten, rechteckigen Gebäude, das sich an der Stirnseite des Schwimmbeckens erstreckt. Zwei Sprungtürme und eine Rutsche am Becken, eine große Liegewiese in unmittelbarer Nähe und eine aufgeschüttete Sanddüne am Kinderteich machten das Areal komplett.

Typisch Bauhaus
Das Bauhaus selbst hat keinen allgemeingültigen Stil, lässt aber bei aller Eigenständigkeit immer auch gewisse Gemeinsamkeiten und gestalterische Prinzipien erkennen: Flachdach, Fensterbänder, Glasfassaden, rechte Winkel und eine Kastenarchitektur sind bis heute „typisch Bauhaus“. Und genau das findet sich im Ensemble des Parkbades: Wirken die Eingänge noch ein wenig expressiv, kommt das Parkbad eher schlicht daher. Auf der Gebäuderückseite wirkt der Terrassenbereich in den Baukörper wie nahezu eingeschnitten und ist genauso breit wie das Schwimmbecken. In der Mitte des Gebäudes prangt eine große Uhr mit quadratischem Zifferblatt. All das sind Elemente, die für eine gelungene Umsetzung der damaligen Bauhaus-Architektur sprechen. Selbst die großen Lettern „Parkbad Gütersloh“ erinnern mit ihrer Gradlinigkeit an das Bauhaus-Konzept.

Perle im Park
So also begann die Geschichte des Gütersloher Parkbads mit einem architektonischen Erbe, das heute noch Bestand hat und gerade sein 100-jähriges Bestehen feiert. Am 2. Juni 1928 wurde das Bad im Stadtpark als erstes Freibad in Gütersloh der Öffentlichkeit feierlich übergeben. Die architektonische Perle zog über Jahrzehnte hinweg Generationen von Güterslohern an die Dalke, um hier Schwimmen zu lernen. Vor allem die Älteren erinnern sich noch gut an ihre ersten Schwimmversuche und „Köpper“ im Stadtpark. Bis heute stehen die einstigen Sprungtürme am Beckenrand und sind mittlerweile dekorative, aber auch zeitgeschichtliche Dokumente in der denkmalgeschützten Anlage. 1992 wurde das Gebäude samt Anlage in die Liste der Baudenkmäler aufgenommen.

Gelebtes Denkmal
Über Jahre hinweg war das Parkbad von Schließung und Abriss bedroht, doch es konnte Dank einer Initiative des Politikers und Gütersloher Landtagsabgeordneten Jürgen Jentsch gerettet werden. Das ehemalige Schwimmbecken wurde auf eine Wassertiefe von 30 Zentimetern aufgeschüttet und damit zum riesigen Planschbecken für Jung und Alt umfunktioniert. Dadurch konnte der Betrieb als Freibad und Planschbecken für Kinder weitergeführt werden. Seit 1998 wird das Parkbad als Freizeiteinrichtung betrieben und hat sich zum Treffpunkt mit Kultstatus für Menschen jeden Alters entwickelt. Eleganz und Anmut der Anlage blieben jedoch erhalten und so bietet das gesamte, im Bauhaus Stil errichtete Ensemble, ein echtes Alleinstellungsmerk- und Denkmal seiner Art.

Frischer Wind im Park
Mit Franz-Josef Füchtenschnieder aus Verl kam 2015 frischer Wind in „Ostwestfalens größtes Planschbecken“ – und das Parkbad wurde erneut zur Idylle im Stadtpark.
Er machte die Freizeiteinrichtung zu einem Ort, der eingebettet in die Gütersloher Stadtpark-Landschaft, Heimatgefühle weckt und mit viel Liebe und Leidenschaft von seinem Team gehegt und gepflegt wird. Liegen, Tische und Stühle säumen heute unter schattigen Sonnenschirmen den Pool-Rand. Kiosk und Grill versorgen mit vielen großen und kleinen Leckerbissen den Hunger zwischendurch und wer Durst hat, dem winken eisgekühlte Getränke. Als wahrer Geheimtipp entpuppt sich seit Jahren auch die überarbeitete Strandbar mit Beach-Flair, die an so manchen Sommerabenden für einen perfekten Sonnenuntergang im Stadtpark sorgt. Speziell zum Sundowner sorgt das Team der Parkbad-Bar für kalte Getränke, coole Drinks und Cocktails, hin und wieder garniert mit einem bunten Programm, dass sich von Mai bis weit in den September zieht.

Ein Fest fürs Denkmal
Das Jahr 2019 steht für die Parkbad-Verantwortlichen ganz im Zeichen des Bauhaus-Jubiläums. Doch besonders der Juli hat es in sich. Vom 12. Juli bis zum 14. Juli lädt das Parkbad die aktuelle Jugend- und Szene-Kultur zum Happening ein. „Das geschieht im Kontext des Bauhaus-Jubiläums und zeigt, wie bunt und kreativ die junge künstlerische und Kulturszene heute ist“, so Franz-Josef Füchtenschnieder. Mit einem „Street-Art, Musik und Food Festival“ feiert das Parkbad in dem gesamten Areal ein großes Fest. „Der 100. Geburtstag des Bauhauses ist für uns eine gute Gelegenheit, die aktuelle Kultur an diesem Ort zu reflektieren und in Szene zu setzen“, so der Betreiber weiter.

Immer in Pool Position
Dass Bade- und Freizeitkultur auch im Bauhaus-Jubiläumsjahr einen hohen Stellenwert im Gütersloher Parkbad genießen, zeigt das gesamte Sommerprogramm. Es gibt Konzerte, wie den „Reggae Summer Splash“ im August, Partys wie „Starman – A Tribute to David Bowie“ im Oktober, gastronomische Events wie den Streetfood-Market und natürlich das tägliche  reine Planschvergnügen. Auch die Veranstalter des „Gütersloher Sommer“ haben sich wieder angemeldet und präsentieren am Samstag, 20. Juli, „Elvis & The Hipshooters“ in Pool-Position. Damit ist und bleibt das Parkbad in Gütersloh eine außergewöhnliche Location für Flachwasser-Fans, tiefenentspannte Momente und spritzige Begegnungen.

Volles Programm zum Jubiläum im Juli
Am Freitag, 12. Juli, startet das Programm ab 16 Uhr mit einem Streetfood-Market unter dem Titel „Cheat Days“. Mehr als  ein Dutzend Food Trucks haben sich bereits angemeldet und servieren bis einschließlich Sonntag frische Food-Trends, kreative Snacks und kultige Drinks.
Am Samstagvormittag beginnt das Street-Art Projekt mit zehn Künstlern aus ganz Deutschland, die eine über 350 Meter lange Graffiti-Wall gestalten werden. „Der Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung von individuellen, figürlichen Motiven unter dem Einsatz verschiedenster Techniken und Styles“, so Organisator Michael Grohe. Unterstützt wird die komplette Aktion auch vom Fachbereich Kultur Gütersloh. Doch was wäre ein Samstag im Parkbad ohne Musik? Deshalb startet das Musikprogramm zum Street-Art-Festival unter dem Titel: „Hip Hop meets Reggae“. Die Gütersloher Musiker Fab Kush und Mr. Jawbone haben DJs und Live-Acts aus der gesamten Szene eingeladen. Unterstützt wird das Programm von Jugendzentren aus dem Kreis Gütersloh. Der Sonntag startet um 11 Uhr mit dem Streetfood-Market und der Ausstellung des Street-Art Projektes.

Foto 1: Das Parkbad Gütersloh nach der Eröffnung im Juni 1928. Die Aufnahme von „Ramhorst“ wurde um 1930 als Postkarte verwendet.
Foto 2: Das Parkbad wurde 1998 zur Freizeitanlage umgebaut. Heute verfügt es über einen Gastronomiebetrieb und bietet Freizeitaktivitäten für die ganze Familie an.

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