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Jannik Paul-Hambrink mit seiner Masterarbeit über die ehrenamtliche Arbeit im Tennisclub SVA Gütersloh e.V.

Neuer Schwung im Tennisclub SVA

Mit seiner Masterarbeit über die ehrenamtliche Arbeit, ihre gesunkene Attraktivität und die notwendigen Konsequenzen für den Tennisclub SVA Gütersloh hat der Sportwissenschaftler Jannik Paul-Hambrink einen kräftigen Impuls für einen Neustart im Verein gegeben.

Text: Heiner Wichelmann  |  Fotos: Jens Dünhölter

Unsere Zivilgesellschaft ist ohne das Ehrenamt kaum noch denkbar. Laut einer Allensbach-Studie von 2016 engagieren sich rund 14,9 Millionen Menschen ab 14 Jahre mindestens einmal im Monat ehrenamtlich bzw. unentgeltlich in einer Bürgerinitiative, einem Sportverein, einer sozialen Organisation oder Ähnlichem. Allerdings: Die Zahlen tendieren nach unten – all überall und auch in Gütersloh. Fast alle Vereine stehen beispielsweise vor dem Problem, ihre Vorstandspositionen zu besetzen. Obwohl in Deutschland fast jeder Zweite Mitglied in einer Organisation oder einem Verein ist, mögen sich die wenigsten in einer Schlüsselposition ihres Vereins betätigen.

Der Bielefelder Sportwissenschaftler Jannik Paul-Hambrink, Mitglied beim Tennisclub SVA Gütersloh, hat sich dieses Problems in seiner Masterarbeit 2018 an der Uni Bielefeld angenommen. Sein Thema: „Gesellschaftliche Veränderungsprozesse und damit einhergehende Herausforderungen an das ehrenamtliche Engagement im Sport“. Darin beschreibt er nicht nur das gesellschaftliche Phänomen der nachlassenden Bereitschaft von Vereinsmitgliedern, sich ehrenamtlich mit Funktion und Verantwortung zu engagieren, sondern erarbeitet auch Lösungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Situation. Die Ergebnisse sind bezogen auf die Situation beim Tennisclub SVA, gleichwohl aber übertragbar auf andere Vereine, wohl auch nicht nur im Sportbereich. 

Mitgliederengagement ließ nach

Jannik Paul-Hambrink, der aus sportlichen Gründen vom Tennispark in Bielefeld-Schildesche zum SVA wechselte und dort seit fünf Jahren spielt, stieß auf offene Türen im Verein, als er den Vorschlag machte, seine Masterarbeit am Fallbeispiel SVA zu schreiben. Im Tennisclub stand im vergangenen Jahr eine Zäsur an: Der 1. Vorsitzender Michael Adam, 1977 Gründungsmitglied des Vereins, hatte nach zwölf Jahren Vorstandsverantwortung seinen endgültigen Rücktritt für die Jahreshauptversammlung im März 2019 angekündigt. Dazu kam auch der Rücktrittswunsch des Geschäftsführers Lothar Gärtig. Die Suche nach neuen Kandidaten gestaltete sich schwierig. Ein Appell an die Mitglieder, sich stärker zu engagieren und einzubringen, zeigte nur geringe Wirkung. In den Jahreshauptversammlungen 2017 und 2018 fanden sich bis auf wenige Ausnahmen keine Personen, die sich neu bei der SVA engagieren wollten. Es zeigte sich auch zunehmend, dass sich nur wenige Mitglieder für die Instandhaltung der Anlage verantwortlich fühlten, trotz verschiedener Lösungsansätze des Vorstandes; der Verein stand zudem vor wichtigen Investitionsentscheidungen und es herrschte eine allgemeine Unsicherheit über den zukünftigen Weg. Warum das Engagement der Mitglieder für den Verein insgesamt nachgelassen hatte und welche Lösungsansätze es hierfür gibt, wollte Paul-Hambrink durch Befragungen der Mitglieder herausfinden.

Masterarbeit als Chance für den Verein

Sein Vereinsfreund Phillip Jaeckel, damals noch 2. Vorsitzender im Tennisclub, erkannte die Chance, die sich aus der Mitgliederbefragung ergeben konnte und trug das Thema in den Verein. Rund ein Drittel aller Mitglieder (80 von 240, dazu kommen noch 45 Kinder), beteiligte sich letztlich an der Befragung, was auch dazu beitrug, dass sich die Vereinsmitglieder mit dem Thema der ehrenamtlichen Arbeit und den Gründen für eine sinkende Bereitschaft zur Mitarbeit zu beschäftigen begannen. Erste Überraschung der Ergebnisse der Masterarbeit: Der Einfluss gesellschaftlicher Veränderungsprozesse (immer größere Freizeitkonkurrenz durch andere Angebote wie Fitnesscenter und moderne Sportarten, berufliche Verpflichtungen, Internet usw.) auf die gesunkene Bereitschaft, mit anzupacken im Verein, ist nur sehr gering. Sie sind nicht das eigentliche Kernproblem der SVA.

Zwei wesentliche Gründe für die geringe Attraktivität des ehrenamtlichen Engagements verdichteten sich in den Interview-Antworten der Teilnehmer, so Jannik Paul-Hambrink: „Da ist zum einen die Einstellung vieler, dass der Vorstand ihres Vereins so etwas wie ein Dienstleister ist. Sie empfinden die Zahlung ihres Mitgliederbeitrags als ausreichend, um die Vorteile ihrer Vereinszugehörigkeit zu nutzen. Das andere Thema ist die Kommunikationskultur.“ Philipp Jaeckel freute sich über die Tatsache, dass „deutlich wurde, dass sich die Mitglieder im hohen Maße mit unserem Verein identifizieren. Sie fühlen sich bei der SVA sehr wohl und ihnen liegt die Zukunft des Vereins am Herzen. Aber dieser grundsätzlich positiven Haltung steht eben die fehlende Arbeitsbereitschaft gegenüber. Das haben wir jetzt sozusagen schriftlich.“  

Was ist zu tun? Jannik Paul-Hambrink kommt in seiner Masterarbeit zum Fazit, das eine aktivere und umfassendere Kommunikation, eine Neustrukturierung der ehrenamtlichen Positionen sowie die Integration erster Anreizsysteme die Mitglieder zu mehr Engagement motivieren können. 

Das ist die Herausforderung für den neu gebildeten Vorstand, der in der Jahreshauptversammlung im März 2019 gewählt wurde. Mit Philipp Jaeckel als neuem 1. Vorsitzenden, Olga Hupe als neuer 2. Vorsitzenden und Till Wichelmann als neuem Geschäftsführer ist jetzt die Verjüngung der Führungsmannschaft eingeläutet. Das Team wird verstärkt durch Stefan Collet als Beisitzer, setzt aber auch weiter auf die Erfahrung von Michael Adam, der ebenfalls als Beisitzer mit Rat zur Verfügung steht. Dazu kommen Sportwartin Kristina Billen und Jugendwartin Eike-Leonie Garnschröder, die in ihren Ämtern bestätigt wurden. Geschäftsführer Till Wichelmann: „Wir nehmen die Ergebnisse der Mitgliederbefragung im Rahmen der Masterarbeit von Jan-
nik sehr ernst und haben bereits erste Konzepte für eine Revitalisierung des Vereinslebens erarbeitet.“ 2. Vorsitzende Olga Hupe
bestätigt dies: „Es gibt eine Menge Ideen und wir sind entschlossen, möglichst viele unserer Mitglieder für die Mitarbeit auch an einzelnen Projekten bei weitgehender Übertragung von Verantwortung zu gewinnen.“ Dabei kann das neue Führungsteam auf die Ergebnisse mehrerer Workshops von Herbst bis zum Februar, die Philipp Jaeckel auf der Basis der Erkenntnisse aus der Masterarbeit moderierte, zurückgreifen. Damals rekrutierte sich das Team, das heute den neuen Vorstand bildet. 

Die Zeichen stehen auf Aufbruch

Tradition und Aufbruch: Der Tennisclub SVA steht offensichtlich vor einer positiven Zukunft. Neue Turnierangebote, die Anlage eines modernisierten Kinderspielplatzes, die verbindliche Organisation der Pflege der Anlage, Feste, gemeinsame Unternehmungen, eine konstante Kommunikationsarbeit auf allen Social-Media-Kanälen und vieles mehr sollen die Vereinsanlage Im Reke 29 wieder zu einem selbstverständlichen Treffpunkt der Vereinsmitglieder machen. Der Verein, das sind alle: Dieses Bewusstsein soll letztlich auch die Qualität der sportlichen Arbeit steigern. Die Installierung eines professionellen Trainers gehört dazu. 

 

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