RSS Feed   |   Kontakt   |   Impressum

Achtung! Diese Seite verwendet Cookies.

Wenn Sie keine Cookies verwenden wollen, ändern Sie bitte die Einstellung in Ihrem Browser.

„Initiative Attraktive Innenstadt“: Katja Giese, Christian Wiedemann, Gabriele Hilgenstöhler, Oliver Johannknecht (v.l.) mit dem Bürgerantrag.

„Parkgebühren auf Null setzen“

Eine neu gegründete „Initiative Attraktive Innenstadt“ hat jetzt
beim Rat der Stadt Gütersloh einen Bürgerantrag gestellt.
Die Antragsteller wollen, dass die Entgelte und Parkgebühren
für die städtischen Parkhäuser, Tiefgaragen und oberirdischen
Stellplätze in der Innenstadt für die erste Stunde auf Null
gesetzt werden. Darüber hinaus soll die Anzahl der Politessen
reduziert und die Parkflächen auf dem Marktplatz und an
der Weberei reduziert werden.

Kritisch betrachten die Antragsteller und Antragstellerinnen das 2013 eingeführte „Parkraumbewirtschaftungskonzept“. Es sei bei den Bürgern „umstritten“. „Öfter gab es Anträge verschiedener Fraktionen, auf Vorschläge aus der Bürgerschaft einzugehen und Veränderungen zu beschließen. Eine endgültige Entscheidung scheint bis heute nicht getroffen zu sein, so dass der Unmut in der Bevölkerung weiter wächst“, heißt es in der Begründung des Bürgerantrages. Der Antrag wird weiter begründet: „Anstatt den Bürgerinnen und Bürgern aufgrund der guten Konjunkturlage auch einmal etwas zurückzugeben, führen stattdessen Erhöhungen von Steuern, Abgaben und Gebühren immer wieder zu Mehrbelastungen, die den Ausschlag geben, den Euro und Cent mehrfach umzudrehen und den bis heute ohnehin zurückgehenden Umsatz im Einzelhandel in der Talfahrt zu beschleunigen. Die Schließung auch alteingesessener Fachgeschäfte spricht eine eindeutige Sprache.“ Die Initiative befürchtet, dass der Einzelhandel in der Innenstadt mittelfristig nicht mehr in der Lage sei, die „Park & Buy-Aktion aus sinkenden Umsatzerlösen zu finanzieren. Eine Erhöhung beziehungsweise die Beibehaltung der Parkgebühren und Tagesentgelte in der Innenstadt werde diese Entwicklung sogar noch forcieren.
Mit der Gebührenbefreiung in der ersten Parkstunde wollen die Antragssteller ein Signal für diejenigen setzen, die gerne in der Gütersloher City einkaufen möchten, sich aber aufgrund der höheren Parkentgelte für Einkaufsmöglichkeiten in anderen Städten und Gemeinden entscheiden. „Diese Aktion stärkt das Image unserer Stadt. Durch die Maßnahme kann sich Gütersloh von den Nachbarstädten absetzen, insbesondere von Bielefeld mit seinen hohen Parkgebühren“, so Oliver Johannknecht, Sprecher der Initiative. Der Verzicht sei ein wichtiger Beitrag zur Standortsicherung der Gütersloher Innenstadt. Der Zusammenschluss aus Einzelhändlern und Bürgern führt in der Begründung weiter an: „Die Gütersloher Werbegemeinschaft setzt sich zum Beispiel dafür ein, die sogenannte Brötchentaste flächendeckend in der Innenstadt einzuführen und die Parkflächen auf dem Marktplatz wieder gebührenfrei zur Verfügung zu stellen.“
Aufgrund zahlreicher Gespräche, die die Antragsteller mit Besuchern der Innenstadt geführt haben, wollen sie die Einführung eines „Null-Euro-Tarifes“ für die erste Parkstunde. „Die Personalaufstockung bei den Politessen, zwei weitere Dienstfahrräder, die Installation von Blitzanlagen in der Unterführung der Friedrich-Ebert-Straße, die Geschwindigkeitsänderung im Bereich Hohenzollernstraße zur Durchsetzung von Parkgebühren und vieles mehr erweckt den Eindruck, dass es der Stadt nicht um Verkehrssicherheit geht, sondern dass einzig und allein die Erhöhung der Einnahmen im Vordergrund steht.“
Redaktionsleiter Markus Corsmeyer traf sich mit Katja Giese, Oliver Johannknecht und Christian Wiedemann als Vertreter der Initiative zum Stadtgespräch.

Sie gehören zur „Initiative Attraktive Innenstadt“. Was können wir unter diesem Begriff verstehen?
Oliver Johannknecht: Es ist ein dauerhaftes Thema, wenn wir uns mit unseren Kunden unterhalten! Wir werden immer wieder auf die Parkplatzsituation in Gütersloh angesprochen. Deren Entwicklung macht unsere Innenstadt unattraktiv. Dazu kommt die erhöhte Frequenz der Politessen. All das hat zu dieser Initiative geführt.
Katja Giese: Es gibt übrigens mehrere Initiativen in Gütersloh. Leider fehlt in Gütersloh in diesem Zusammenhang noch die große Klammer. Darüber hinaus gibt es aber auch noch den Zusammenschluss der Geschäftsleute von Hohenzollernstraße/Dreiecksplatz, dem ich mich als Anwohner angeschlossen habe. Gerade die Situation für Schulkinder und Kindergartenkinder hat sich durch die neue Regelung der Aufhebung der Spielstraßen verschlechtert. Ich habe mich daher auch dem Zusammenschluss der Hohenzollernstraße angeschlossen.
Oliver Johannknecht: Die Parkplatzsituation in Gütersloh ist immer wieder ein Thema von vielen Güterslohern. Wir haben uns daraufhin entschlossen, diesen Bürgerantrag zu stellen.

Warum haben Sie den Bürgerantrag gestellt?
Oliver Johannknecht: Weil die Autofahrer in der Stadt immer wieder gegängelt werden. Wir haben immer neue Blitzanlagen, es wurden zwei weitere Politessen eingestellt, die zwei neue Dienstfahrräder bekommen haben. Es sind gebührenpflichtige Parkplatzflächen ausgeweitet worden. Darüber hinaus bekommen Anwohner keine Parkausweise. Die Stadt zockt immer weiter ab und verdrängt die Autofahrer aus der Innenstadt und zerstört die Infrastruktur des Einzelhandels. Das sind die Gründe. Die Leute haben keine Lust mehr, in die Stadt zu kommen. Wenn die Leute auf die „grüne Wiese“ ausweichen oder ins Internet gehen, weil sie nicht mehr in die Innenstadt wollen, macht diese Verkehrspolitik alles noch viel schlimmer. Diese Entwicklung ist nicht gut. Wir haben Angst, dass sich diese Entwicklung in Gütersloh immer weiter verstärkt. Es muss ein Umdenken stattfinden. So wird die Innenstadt kaputtgemacht, und die Menschen werden unzufrieden.

Sie beschreiben die Situation in Gütersloh. Ist das eher ein grundsätzliches Gefühl – oder merken die Einzelhändler es auch am sinkenden Umsatz?
Gabriele Hilgenstöhler: Ja. Wir merken das natürlich. Die Kunden sprechen die Situation aber auch in unseren Geschäften an. Sie sehen Unterschriftenlisten bei mir liegen. Grundsätzlich: Gütersloh zeigt sich immer mehr von seiner unsympathischen Seite – dazu tragen das Ordnungsamt und auch einige Politessen bei. Sie gehen zum Teil unsensibel vor. Ich spreche da insbesondere für die Situation in der Hohenzollernstraße.
Oliver Johannknecht: Ich wiederhole mich: Man fühlt sich wirklich gegängelt. Es wird mit Druck versucht, Geld zu machen. Das sehe ich täglich, denn ich wohne und arbeite in der Innenstadt ...
Katja Giese: Es gibt auch ein Problem für die Eltern. Die Feldstraße war eine Spielstraße ohne Parkautomaten. Dort gibt es zwei Kindergärten und eine Musikschule. Auch an der Altstadtschule gab es einen Parkplatz, der genutzt werden konnte. Für Eltern, die ihre Kinder vor der Arbeit zum Teil mit dem Auto bringen müssen, gibt es keine Parkplätze mehr. Die Politessen drücken leider kein Auge zu. Sie wissen genau, wann die Bringzeiten sind. Und sie stehen wirklich schon  dann zu diesen Zeiten da ... Grundsätzlich: Wir brauchen ein umfassendes Konzept, das die Interessen aller berücksichtigt.
Oliver Johannknecht: Richtig: Es gibt verschiedene Gruppen, unterschiedliche Straßen, dazu Anwohner- und Einzelhändlerinteressen, aber keinen einheitlichen Tenor ... Es fehlt ein „Runder Tisch“, damit sich die Menschen und Besucher dieser Stadt nicht mehr abgezockt fühlen!

Haben Sie Kontakt zur Verwaltung?
Oliver Johannknecht: Wenn man bei der Stadt Gütersloh anruft, bekommt man zur Antwort: Außer Ihnen beschwert sich keiner! Das ist die Standardantwort. Man wird als Einzelfall abgetan. Die Stadt weist das Problem an dieser Stelle von sich.
Gabriele Hilgenstöhler: Es gibt ein Problem in der Kommunikation mit der Verwaltung. Ich habe anfangs gedacht, dass es mit meiner Person zu tun hat, weil ich immer wieder anrufe und mich häufiger beschwere ...  Ich habe es geglaubt, bis mich Kunden eines Besseren belehrt haben. Viele Kunden kommen nicht mehr, weil sie dieser Stadt kein Geld mehr in den Rachen werfen wollen. Die Stadt reagiert oft unsensibel. Warum sollen Besucher eigentlich noch von außerhalb kommen? Man sieht viele Gütersloher, die samstags nach Bielefeld, Wiedenbrück  oder Münster fahren. Sicherlich werden dort auch Parkgebühren erhoben. Aber auf eine andere Weise.

Was hat sie motiviert, diesen Bürgerantrag zu stellen?
Oliver Johannknecht: Gütersloh muss attraktiver werden. Das ist der eigentliche Grund.
Christian Wiedemann: Die Leute müssen sich doch auch mal eben ihr Brötchen holen können oder in die Apotheke gehen, ohne sofort ein Knöllchen zu bekommen. Oft hat man auch kein passendes Kleingeld in der Tasche.
Oliver Johannknecht: Ich kann einsehen, dass im Innenstadtbereich Parkgebühren genommen werden müssen. Das kann ich einsehen. Die Stadt muss schließlich auch Geld verdienen. Aber man muss gerne in die Stadt fahren wollen, ohne gleich zum Geldbeutel greifen zu müssen. Man muss auch mal eben in die Stadt fahren können.

Wie beurteilen Sie das Image dieser Stadt?
Christian Wiedemann: Gütersloh ist keine attraktive Einkaufsstadt. Ich zitiere jemanden aus meinem Freundeskreis: „Warum soll ich denn mit dem Auto in die Stadt fahren, fünf Euro fürs Parken bezahlen und möglicherweise noch einen Strafzettel kassieren, wenn ich im Internet bestellen kann? Im Internet wird sogar nach Hause geliefert. Es gibt wenig Gründe, in die Innenstadt zu fahren.“
Gabriele Hilgenstöhler: „Die Menschen werden immer mehr ins Internet gejagt.

Ist die Parksituation in anderen Städten besser?
Oliver Johannknecht: Bielefeld zum Beispiel hat auch hohe Parkplatzgebühren. Aber genau das ist ein Argument gegen diese Gebühren, da man einen Standort attraktiver gestalten kann, wenn man entspannt in die Stadt fahren kann, ohne sofort zur Kasse gebeten zu werden. Ein neues Parkkonzept ist ein großes Plus, um eine Stadt attraktiv zu machen. Dann kann man sich auch in einer Stadt wohlfühlen. Man muss etwas für die Bürger, Kunden und auch die Besucher von außerhalb tun.
Gabriele Hilgenstöhler: Wir lesen ständig in den Tageszeitungen, dass wir unsere Stadt attraktiver gestalten. Es gehört aber grundsätzlich dazu, den Kunden beim Parken entgegenzukommen.

Was wird der Bürgerantrag bewirken?
Oliver Johannknecht: Die Damen und Herren im Rathaus sollen sich Gedanken machen. Die Bürgermeinung soll aufgenommen werden. Die Frage muss aufgegriffen und beantwortet werden: Was wollen die Bürger und Einzelhändler in dieser Stadt?
Katja Giese: Wir waren auch schon einmal einen Schritt in der Diskussion weiter. Als es das Stadtcafé noch gab, wurde ein Gespräch zwischen Einzelhändlern und Vertretern der Fraktionen geführt. Da waren wir bereits im Gespräch. Und es zeichnete sich ab, dass man Unterstützung bekommen kann. Diese Gespräche sind aber leider im Sande verlaufen.

Sie stellen einen Bürgerantrag und repräsentieren die Initiative. Wie ist aber der Kontakt zu den anderen Einzelhändlern beziehungsweise Mitgliedern der Werbegemeinschaft in Gütersloh?
Christian Wiedemann: Wir haben uns im Vorfeld keine Gedanken darüber gemacht, alle mit ins Boot zu holen. Wenn wir aber eine Unterschriftenliste auslegen – die ist bestimmt sofort voll. Wir werden jetzt einmal sehen, wie auf den Bürgerantrag reagiert wird.

Wie kann die Stadt attraktiver werden?
Oliver Johannknecht: Grundsätzlich müssen wir in Gütersloh umdenken und die Chance nutzen, uns gegenüber anderen Städten hervorzuheben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten – aber man muss auch gemeinsam mit allen darüber reden. Das kann die Politik nicht allein unter sich ausmachen. Man muss Eltern, Einzelhändler, Anwohner und möglichst viele Bürger fragen, mit ins Boot holen. Es darf keine Einzelentscheidung in diesem Zusammenhang geben.
 
Was machen Sie, wenn ihr Bürgerantrag scheitert und sich an der Situation, die Sie kritisieren, nichts ändert?
Katja Giese: Ich wünsche mir, dass es dann eine Initiative gäbe, in der sich alle Gütersloher wiederfinden. Dann sollte man mehr Leute mobilisieren, die sich dann einbringen können. Je mehr Leute wir sind, desto größer ist dann auch unser Sprachrohr. Dann müssen wir versuchen, möglichst viele Einzelhändler zum Mitmachen zu bewegen. Dann müssen wir unser Anliegen auf ein größeres Fundament stellen. Irgendwann muss man uns dann hören.
Oliver Johannknecht: Man muss einen Termin festlegen und einen Runden Tisch mit uns und den Entscheidern dieser Stadt ein-
berufen.

Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zu diesem Beitrag:
Ihr Name*:
EMail:
Sicherheitsabfrage
Kommentar*:
(*) = Zum Absenden benötigte Informationen.