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Reiner und Janik Schenke. Foto: Jens Dünhölter.

„Das passt in unsere Welt!“

Es gibt Geschäftseröffnungen, die nur die Aufmerksamkeit der nächsten Freunde und Familienangehörigen auf sich ziehen, andere werden viel beachtet. Und es gibt die, auf die die Menschen gewartet zu haben scheinen, für die der Markt wie geschaffen ist; wo Konzept und Qualität, Betreiber und Gebäude, Standort und Gestaltung von Anfang an eine glückliche Einheit bilden. Wenn am 26. November morgens um 5.30 Uhr der Schenkenhof an der B61, Ecke Isselhorster Straße, im ehemaligen Gebäude der Gaststätte Upmann seine Türen für die ersten Kunden und Gäste öffnet, freuen sich, so scheint es, die Gütersloher. Feinkosthändler Schenke fügt seinen bisher schon zehn Filialstandorten in Gütersloh, Harsewinkel und Bielefeld eine aufsehenerregende Neueröffnung hinzu: eine Bäckerei mit Frühstücksangebot, ganztägigem Restaurantbetrieb mit gehobener westfälischer Küche und einem Biergarten. Ein Paket, das das Zeug zum klassischen Ausflugsziel hat. Über Idee und unternehmerisches Risiko, Konzept und Management sprach GT-INFO-Redakteur Heiner Wichelmann mit den Investoren Reiner Schenke und seinem Sohn Janik Schenke.

Die Eröffnung des Schenkenhofs am 26. November wird von der Öffentlichkeit stark beachtet und überaus positiv begleitet. Empfinden Sie bei aller Vorfreude auch eine Besorgnis, die unternehmerisch richtige Entscheidung getroffen zu haben?

Reiner Schenke: Wir empfinden Respekt vor der Aufgabe, auch Anspannung, vor allem aber Begeisterung und Freude, weil wir in den vergangenen Wochen und Monaten ein tolles Team zusammenbekommen haben. Wir bekommen ja mit, dass die Berichte über den Schenkenhof Begeisterung auslösen, es gibt fast schon eine Euphorie um diesen Standort. Die Strahlkraft des Schenkenhofs hat dazu geführt, dass sich die richtigen Menschen gemeldet haben, sodass das Team jetzt passt. Absolut sogar. Unsere große Sorge war ja, wer betreibt operativ den Standort? Es gibt einfach ein großes Problem, gutes Servicepersonal, Reinigungskräfte und Köche zu bekommen. Wir haben das Glück, dass sich bei uns die Menschen melden, die mit ihrem Profil zu uns passen. Der Schenkenhof ist jetzt schon in aller Munde – Radio Gütersloh nutzte ihn bereits als Ortsangabe für eine Unfallmeldung. Er ist als Standort und mit seinem Konzept interessant und er ist trendy. Insofern überwiegen die positiven Erwartungen deutlich.

 

Sie brauchen viele Mitarbeiter ...

Reiner Schenke: Wir haben schon über 40 Personen eingestellt. Wenn denn irgendwann im nächsten Jahr zur Sommersaison der Biergarten erstellt ist, werden es etwa 60 Personen sein. Im Moment jedenfalls sind wir eigentlich schon komplett.

Janik Schenke: Die neuen Mitarbeiter sind sehr euphorisch. Wie die mitgehen, wie begeistert sie sind! Das trifft aber auch auf unsere vorhandenen Mitarbeiter zu, die ziehen ja genauso mit, kennen das Thema von Anfang an und freuen sich auf dieses Projekt. Unser Vorteil: Wir haben unser Unternehmen auf verschiedenen Säulen aufgebaut, führen überall das gleiche Qualitätsmanagement und können flexibel reagieren. Unser Bäckereikonzept entwickeln wir im Schenkenhof jetzt weiter. Es ist nicht so, dass unsere Mitarbeiter ständig wechseln. Aber da wir in jedem Standort nach denselben Qualitätsvorgaben arbeiten, können wir unsere Mitarbeiter überall einsetzen.

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, bei Upmann eine Bäckerei mit Restaurant und Biergarten zu eröffnen? 

Reiner Schenke: Ein Restaurant zu betreiben, war immer schon ein Gedanke in unserer Familie, weil das in unsere Welt passt. Aber es war nicht konkret. Thomas Hagedorn rief mich an. Er hätte eine Immobilie mit Grundstück gekauft, ideal als Standort für 

eine Bäckerei und eine Gastronomie. Das machst Du doch beides, fragte er? Ja, sagte ich. Dann lass uns einen Ortstermin machen, schlug er vor. Wann? „In einer halben Stunde.“ Eine Stunde später liefen wir – Janik war auch dabei – durch das heruntergekommene alte Gebäude von Upmann. Dort sahen wir dann den alten Bäckerofen, die verfallenen Räume, das Fachwerk und den speziellen Charme des Gebäudes. Uns war vor allem sofort klar: Das ist ein super verkehrsangebundener Standort. Ursprünglich war‘s übrigens nur eine Bäckerei, an die wir dachten. Das Thema Gastronomie und Biergarten hat sich dann erst im Prozess entwickelt, weil wir erst später die Historie und die Möglichkeiten des Standorts erkannten. Es wurde schnell klar: Wenn wir den Biergarten anbinden wollen und auch den Saal, dann gehört da eine Tagesgastronomie rein, die
à la carte arbeitet. Dann muss das stimmig sein, von vorne bis hinten. 

 

Den Saal hätten Sie anfangs auch ohne Restaurant betrieben?

Janik Schenke: Wir hatten so die Vorstellung, dass die Menschen sich gerne treffen, gerne bei Essen und Trinken gemeinsame Zeit verbringen. Das ist ein absoluter Trend. Auch in der Bäckerei hätten wir Gastronomie betrieben, aber so richtig professionell wurde es erst an einem Zeitpunkt, wo wir gesagt haben: Halbgas geht nicht, es geht nur Vollgas. Mit Saal, Biergarten, Restaurantbetrieb.

 

Mit welcher Überzeugung sind Sie diesen Schritt gegangen? Gutes Personal ist nicht einfach zu finden und ist auch teuer. Daran sind auch schon andere gescheitert.

Reiner Schenke: Was uns gastronomisch immer schon gereizt hat, ist die Überzeugung, dass in der Gastronomie gewöhnlich anders gekocht wird, als es dem Verhalten unserer Kunden, die bei uns einkaufen, entspricht. Unsere Kunden achten auf Nachhaltigkeit, auf gesunde Produkte, auf Qualität, auf Herkunftsnachweise und so weiter. In der Regel bieten Restaurants aber eben diese Transparenz nicht. Daher war unsere Vorstellung immer eine Speisenkarte, auf der genau draufsteht, wo die einzelnen Produkte herkommen: also zum Beispiel das Kikok-Huhn von Borgmeier, die Pute vom Meierhof Rassfeld, Milch und Käse vom Landwirt Strothlüke, Eier von Lauströer in Kaunitz und so weiter. Echte Heimatküche mit regionalen Produkten, mit konkret genannter Herkunft. 

Janik Schenke: Gastronomie war immer schon ein Thema allein durch unsere Partyküche, durch unser Palmenhauscafé im Botanischen Garten und durch unsere gastronomischen Angebote in den Einzelstandorten. Im Schenkenhof-Restaurant können wir unsere gastronomischen Überzeugungen jetzt voll umsetzen.

Reiner Schenke: Das wird auch ein Stück weit Erlebnisgastronomie. Mit Produkten aus unseren Märkten, die aber so weiterverwendet werden, wie du es eben zu Hause nicht machst. Wir sind froh über die sehr angenehme Zusammenarbeit mit dem Drei-Sterne-Koch Thomas Bühner. Er berät unseren Bereichsleiter Küche, Chefkoch Peter Lieftüchter, und auch meine Frau Jeannette, die sich bei den Planungen für die Küche im Schenkenhof ebenfalls total einbringt. Thomas Bühner wird uns übrigens in Zukunft als Mentor erhalten bleiben. Er ist selbst so begeistert von dem Projekt, dass er sagt: Die ersten beiden Wochen bin ich da. Das war gar nicht abgemacht. Er kocht also jetzt zur Eröffnung!

 

Haben Sie eigentlich ein Marktscreening in Auftrag gegeben oder was gibt Ihnen die Sicherheit, an der richtigen Stelle zu investieren? Es ist schließlich ein sattes Millionenprojekt für Sie.

Reiner Schenke: Der Standort ist einfach unheimlich gut. Da kommen zigtausende Autos am Tag vorbei. Unsere Kunden kommen aus der Region zwischen Isselhorst und Avenwedde, Brackwede und Gütersloh. Das passt, dafür brauchten wir keine Marktbefragung und keine Agentur. Entscheidend wird letztlich das Tagesgeschäft sein mit der Bäckerei und dem Mittagessen, wo man auch auf die Schnelle richtig Frisches und Gutes essen kann. 

 

Im Norden Güterslohs gibt es fast ein Überangebot an Bäckereien. Kommt es zu einem Verdrängungswettbewerb?

Reiner Schenke: Wir sehen uns nicht als Konkurrenz für die anderen Bäcker in der Umgebung. Die Nachbarschaftsbäckerei wird bleiben, unser Geschäft ist der Autofahrer auf der B61. Beim Restaurant sehen wir das Potential darin, eine andere Küche zu machen, die westfälische Küche neu zu interpretieren.

 

Wenn man an den künftigen Biergarten denkt, entsteht das Bild des guten alten Ausflugslokals ...

Janik Schenke: Beim Thema Biergarten springt mir das Herz auf. Das ist ein tolles Thema. Wir versuchen, einen Ort zu schaffen, wie es ihn in der Umgebung nicht so oft gibt. Mit historischen Mauern, Springbrunnen, Lindenbäumen, einem Spielplatz, einer Versorgungsstation und so weiter. Das soll ein Ausflugsziel für Familien werden. Der Garten ist so groß, dass sie dort einen Spaziergang machen können. Oder relaxen, chillen, Freunde treffen. 

 

Schenke wächst seit Jahren konstant und organisch. Wie passen Sie das Unternehmen der Entwicklung organisatorisch an?

Reiner Schenke: Im Schenkenhof haben wir zwei Betriebsleiter für die Gastronomie, einen für die Bäckerei. Meine Frau, Janik und ich führen das Gesamtunternehmen, die Firmenzentrale bleibt in der Rhedaer Straße. Es ist nicht nötig, unser Organigramm und unsere Struktur zu ändern. Es bleibt bei der flachen Hierarchie. Wir haben ein junges motiviertes Team. Das ist uns wichtig. Wir brauchen Leute, die aus der Praxis kommen, die gut gelernt haben und die auch mitarbeiten – die einfach Bock haben auf solch einen Standort wie den Schenkenhof, die jeden Tag mit viel Lust zur Arbeit fahren, auch, weil sie mit hoher Selbstständigkeit arbeiten können. Wie gut das funktioniert, haben die letzten Monate gezeigt: Alle machen mit, es ist eine komplette Teamleistung. Die Küche unter Bereichsleiter Peter Lieftüchter, die Bäckerei unter Bereichsleiterin Cornelia Sielemann, die Produktionsleiter und die Mitarbeiter: Jeder bringt seinen Teil mit rein.

Janik Schenke: Klar, wir müssen uns gut organisieren, gerade bei diesem Projekt. Als Familie, als Team. Das ist auch unsere Aufgabe. Ein Beispiel ist die Rekrutierung der Lieferanten im Einkauf. Wenn wir eine neue Fleischerei ansprechen, dann fahren wir da mit unserem Bereichsleiter hin. Unsere Führungsleute sind voll mit im Boot.

 

Sie müssen sich einerseits um die permanente Qualitätssicherung, beziehungsweise den Qualitätsausbau in Ihren Filialen kümmern. Sie bleiben aber auch bei Ihrem Kurs des kontinuierlichen Wachstums, stellen sich dabei gerne neuen Herausforderungen. Ein Konflikt?

Reiner Schenke: Nein, wir bewegen uns immer zwischen den Polen Bewahren und Verändern. Wir bewahren unsere Werte: Topservice, Freundschaft, Hilfsbereitschaft gegenüber den Menschen, das Einhalten unserer Qualitätsziele. Wenn dann etwas dazukommt, was passt, können wir dies organisatorisch auffangen. Der Schenkenhof passt absolut bei uns rein, deswegen machen wir es. Anderes zum Beispiel nicht. Wir kriegen regelmäßig Anfragen für Projekte. Viele weisen wir zurück. Weil sie nicht passen. 

Was machen Sie anders als andere? Gibt es ein Schenke-Erfolgsrezept?

Janik Schenke: Unsere Stärke ist, glaube ich, unsere Kommunikation und unser persönlicher Kontakt. Wir sind, auch typbedingt, nah dran an den Menschen. Wir verstecken uns nicht und genießen auch deshalb Wertschätzung – bei den Mitarbeitern und bei den Kunden. Deswegen ist die Frage: wer ist vor Ort, wer lebt dieses Projekt, auch entscheidend für den Erfolg des Schenkenhofs.

Reiner Schenke: Wir bleiben mit unserer Individualität trendy und auch interessant. Damit können wir begeistern und das motiviert uns wiederum.

 

Apropos Trend und bei dieser Gelegenheit: Auch im Lebensmittelbereich ist der Online-Kauf längst ein Thema. Wie stellen Sie sich da auf? Wie reagieren Sie, wenn Ihre Kunden in der Zukunft lieber online einkaufen und sich die Waren liefern lassen? 

Reiner Schenke: Unsere Antwort auf die Online-Entwicklung ist, dass wir in eine höhere Aufenthaltsqualität in den Märkten, auch durch gastronomische Angebote, investieren werden. Die Kunden sollen im Lebensmittelmarkt eine Form von Freizeitmöglichkeit erleben. Ganz wichtig ist auch, viel Information über die Lebensmittel zu geben. Wir wollen nicht nur Versorgungsstätte sein, sondern die Aufenthaltszeit durch interessante Themen verlängern. 

Janik Schenke: Die Zukunft des Supermarkts hängt ja stark davon ab, in welchem Ballungszentrum wir jeweils leben. Das Ruhrgebiet oder Berlin sind anders zu beurteilen als die Struktur hier in Gütersloh. Unsere Kunden kennen unsere Fachverkäufer hinter den Tresen. Die geben zum Beispiel auch einen Tipp zur Zubereitung von Fisch und Fleisch. Das ist genau die Art der Kommunikation, die den Erfolg unserer Filialen letztlich ausmacht. Aber natürlich gibt es auch differenzierte Betrachtungen: Die Menschen werden in ein paar Jahren schon überlegen, ob sie sich Toilettenpapier liefern lassen oder sie es selbst noch einkaufen wollen. Aber ich glaube nicht, dass bei Frischeabteilungen oder beim Thema Regionalität der Trend sein wird: Liebe Drohne, bring mir bitte den regionalen Apfel nach Hause. Das kann ich mir nicht vorstellen.

Reiner Schenke: Wir beobachten die Entwicklung sehr stark und investieren viel in die Schulung unserer Mitarbeiter, gerade bei den jüngeren. Es gibt so viele Themen, die unsere Kunden beschäftigen und bei denen wir informieren können. Beispiel Allergene, Beispiel Lebensmittelkennzeichnungen. Wir bieten die Transparenz in den Filialen und eben jetzt auch im Schenkenhof.

 

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