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Oftmals unterwegs: Phils Berufswahl ist vielseitig. Hier wartet er die Heizzentrale im Gütersloher Nordbad. Foto: Jens Dünhölter

Ohne ihn läuft nichts

Gäbe es ihn nicht, wäre unser Zuhause kalt und dunkel, von fließendem Wasser keine Spur. Der Anlagenmechaniker fertigt und repariert all das, was dazu beiträgt, dass wir uns zu Hause wohlfühlen: Rohre, Tanks oder Kessel, zum Beispiel. „Als Anlagenmechaniker stelle ich Anlagen und Rohrleitungssysteme her“, fasst Phil Stelbrink seinen künftigen Beruf zusammen. Er ist Auszubildender im dritten Lehrjahr bei den Stadtwerken Gütersloh. Gerade hier zeigt sich, wie vielfältig dieser Beruf sein kann. Neben der häuslichen Versorgung mit Wasser, Gas und Wärme ist er mit seinen Kollegen auch für Reparaturen in den Bädern, wie die Welle und das Nordbad, zuständig. Und diese Vielfältigkeit will verstanden und tiefgreifend erlernt sein. 3,5 Jahre dauert deshalb die Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Text: Birgit Compin

Tagtäglich schneidet Phil in der Werkstatt Bleche zu, er schweißt und fräst, biegt Rohrstücke oder fertigt einzelne Bauteile an, setzt sie zu Baugruppen zusammen und transportiert sie zu den Baustellen oder Anlagen. Dort werden sie montiert oder mit Rohrleitungen verbunden. Er kontrolliert Ventile und Dichtungen oder schließt Kessel oder Druckbehälter an. „Die Wartung und Instandsetzung von Anlagen gehört zu meinen zentralen Aufgaben“, erklärt der 18-Jährige. Gemeinsam mit seinem Meister Gerhard Aschoff hat er mich eingeladen, ihm einen Tag lang bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

 

Beste Voraussetzungen für den Job

Phil ist begeistert von seiner Arbeit. Was sie so spannend macht, erklärt er mir, während ich ihm zur Werkbank folge: „Wir arbeiten aber auch an anderen Orten. Wir erfahren, wie in einem Wasserwerk das Wasser aufbereitet wird, wie Filteranlagen funktionieren oder wie durch Brunnen das Wasser aus der Erde gefördert wird.“

Bereits in der Realschule wusste Phil, dass er später ein Handwerk erlernen wollte. Oft hatte er seinem Opa bei Reparaturen im Garten oder im Haus geholfen. „Ich arbeite gerne mit den Händen“, sagt er. „Und genau das ist wesentlich für diesen Beruf“, ergänzt Gerhard Aschoff. Phil hatte sich zunächst beim Informationstag der Unternehmensgruppe Stadtwerke „Tag der Ausbildung“ eingehend über den Beruf informiert, sich beworben – und wurde eingestellt. „Er bringt sehr gute Voraussetzungen mit“, erklärt der Meister. Wer Anlagenmechaniker werden möchte, sollte handwerkliches Geschick besitzen und ein gutes technisches Verständnis aufweisen. Auch Teamgeist ist eine grundsätzliche Voraussetzung für diesen Beruf, „denn hier arbeitet man eigentlich immer zu zweit oder zu dritt.“ 

 

Frühmorgens geht’s los

Es ist kurz nach sieben Uhr, als Phil und weitere sieben Auszubildende vom Meister ihre heutigen Arbeiten zugeteilt bekommen. Phil muss zunächst an der Werkbank ein paar Schweißarbeiten erledigen. „Oftmals wissen wir an dem einen Tag noch nicht, was uns am nächsten erwartet“, erklärt Gerhard Aschoff. „Dann müssen wir vielleicht unregelmäßige Werte einer Anlage überprüfen, Ersatzteile ordern oder herstellen und verschlissene Teile zügig ersetzen.“ Phil fertigt gerade eine Unterstellplatte für einen LKW an. Sie kommt später zum Einsatz, um Stützen auf sandigem Boden einen besseren Halt zu geben.  

Kurze Zeit später sitzt der 18-Jährige bereits auf dem Werksfahrrad und radelt schnell mal zum nahegelegenen Industriebedarf. „Es kommt immer wieder vor, dass wir ein bestimmtes Blech oder andere Kleinteile für unsere Arbeit benötigen.“ Zwei Fahrräder stehen für solche Erledigungen bereit.

 

Drinnen und draußen – überall wartet Arbeit

Noch vor der Mittagspause ist es an der Zeit, einen Brunnen im Wasserwerk zu inspizieren. Die Stadtwerke unterhalten zirka 50 Brunnen in mehreren Wassergewinnungsgebieten. „Auch sie müssen regelmäßig gewartet werden“, erklärt Phil. Dafür werden sie aufgeschraubt, die Rohre herausgezogen und die am unteren Ende befestigte Pumpe gelöst. Phil säubert sie und kontrolliert ihre Funktion. „Hier ist alles ok“, sagt er, als er sie wieder herunterlässt, die Leitungen darauf setzt und den Brunnen verschließt. Es ist eine sehr verantwortungsvolle Arbeit, die er da hat, und sie macht Phil sichtlich Spaß. Während wir zur Werkstatt zurückfahren, erzählt er begeistert von einem Einsatz gemeinsam mit seinen Kollegen im Frühjahr: Mehrere Monate arbeiteten sie fast täglich in einem Neubaugebiet und verlegten dort die nötigen Leitungen für das städtische Rohrnetz. „Ich mag die vielen verschiedenen Arbeitsplätze und -einsätze, die mir dieser Beruf bietet“ ist Phil rundum zufrieden. Zurück in der Werkstatt, ist es bereits Mittag, Azubis und Gesellen nehmen sich die Zeit für eine weitere gemeinsame Pause und besprechen, was am Nachmittag zu erledigen ist oder wer Hilfe von Kollegen benötigt. Keine Frage: Hier ist einfach jeder kooperativ, kollegial und engagiert.

Höchste Verantwortung und ständige Selbstkontrolle

Während einer kurzen Teambesprechung heftet Gerhard Aschoff einige Zeichnungen an eine Tafel im Besprechungsraum. Es ist eine praktische Abschlussprüfung aus dem vergangenen Jahr, mit Tabellen, Listen und der Zeichnung eines Rohrsystems, das innerhalb von fünf Stunden zusammengeschweißt und -geschraubt werden sollte. „Das ist eine typische Abschlussarbeit“, erklärt der Meister. Dabei müssen die Prüflinge wichtige Maße ihrer Konstruktion selbst überprüfen und klären, ob das fertige Produkt einem Kunden übergeben werden könnte. „Hier geht es also auch um Verantwortung und Selbstkontrolle, denn sie sind unerlässlich in diesem Beruf“, so Aschoff. Zwei Prüfungen legen die Azubis im Laufe ihrer Ausbildung ab. Um sie dafür fit zu machen, steht neben der praktischen Arbeit bei den Stadtwerken auch ein regelmäßiger Blockunterricht in der Berufsschule auf dem Stundenplan.

 

Auf einen Sprung ins Nordbad

Es ist bereits Nachmittag und der Meister nimmt Phil mit zu Wartungsarbeiten an der Heizzentrale im Nordbad. Wie in der Welle auch, wird diese Anlage mehrmals wöchentlich kontrolliert. Während eine aufwendige Maschinenwartung ausschließlich von Fremdfirmen durchgeführt wird, übernimmt das Stadtwerketeam die täglichen Arbeiten, wie Ölfilterwechsel oder die Kontrolle des Wasserdrucks. Es sind hauptsächlich normale Verschleißteile, wie ein Kabelbruch oder eine schadhafte Zündkerze, die behoben oder ersetzt werden müssen. „Bei all diesen Tätigkeiten sind unsere Azubis im Einsatz. Und sie haben viel zu tun.“ Deshalb stellen die Stadtwerke in jedem Jahr allein zwei neue Ausbildungsplätze zum Anlagenmechaniker bereit.

 

Beste Zukunftsaussichten

Es ist mittlerweile 15.45 Uhr – für Phil und seine Kollegen heißt das: Feierabend! Als er von seinem Einsatz im Nordbad zurückkehrt, räumen sie die Werkstatt auf und verabschieden sich. Sind diese häufigen Wartungsarbeiten normal, möchte ich zum Schluss von Gerhard Aschoff wissen. „Bei komplexen Anlagen wie unseren, auf jeden Fall“, erhalte ich zur Antwort. „Sind sie neu, haben sie die klassischen Kinderkrankheiten und es muss hier und da etwas nachgeregelt werden. Dann laufen sie in der Regel ein, zwei Jahre gut, doch danach bekommen sie die ersten Alterungserscheinungen. Wie viele andere große Unternehmen auch, beschäftigen wir uns also mit der ständigen Wartung von Anlagen, die 24 Stunden am Tag in Betrieb sind“, erklärt er. Doch nicht nur der Anlagenmechaniker ist hier gefragt, auch verwandte Berufe, wie Elektriker oder Betriebsschlosser, sind für die einwandfreien Abläufe wichtig. „Anlagen wie unsere können ohne Personal nicht reibungslos funktionieren. Und so“, schließt der Meister, „wird gerade ein Beruf wie Phil ihn erlernt, auch künftig immer gefragt sein.“ Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Ohne ihn läuft nichts. 

 
 

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