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(v. l.) Leitende Pflegekraft Barbara Stadler, Atmungstherapeut Henning Thumel und Chefarzt Dr. Gernot Schoch Foto: Jens Dünhölter

15 Jahre Schlaflabor im Sankt Elisabeth Hospital

Der Patient schläft, das Team wacht: Seit 15 Jahren beschäftigt sich das Schlaflabor des Sankt Elisabeth Hospitals in Gütersloh mit der Erforschung der Schlafqualität seiner Patienten – bisher waren es 6.500 seit dem Start 2003. Zur Verfügung standen zunächst vier wohnliche und extra ruhige Einzelpatientenzimmer. Inzwischen ist ein weiteres hinzugekommen, um der großen Nachfrage gerecht zu werden.

Es gibt zwei Hauptgründe, das Schlaflabor aufzusuchen: das Schnarchen – davon ist jeder dritte Mann und 12 Prozent aller Frauen über 30 Jahren betroffen – und das nächtliche Atemaussetzen, das sogenannte Apnoe, dessen Gefahr nicht unterschätzt werden darf: „Wenn jemand über einen längeren Zeitraum mit nächtlichen Atemaussetzern lebt, steigt das Herzinfarkt- und das Schlaganfallrisiko“, warnt Dr. Gernot Schoch, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, davor, das Phänomen auf die leichte Schulter zu nehmen. Oft ist es denn auch der eigene Partner, der den Patienten zum Schlaflabor schickt. Ein anderes Frühwarnsystem kann aber auch das eigene Befinden während des Tages sein. Typische Symptome für übermäßiges Schnarchen und Atemaussetzer sind nämlich fehlende Frische beim Aufstehen, Kopfschmerzen, Tagesschläfrigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, bis hin zu Reizbarkeit und Impotenz. Gründe genug für eine Überweisung ins Schlaflabor des Sankt Elisabeth Hospitals, wo die Patienten ein hochkompetentes pflegerisches Team erwartet – die meisten der insgesamt drei Ärzte, ein Team mit acht speziell qualifizierten Gesundheits- und Krankenpfleger/innen und Pflegern und zwei Atmungstherapeuten, sind schon seit Beginn dabei. 

Elektroden an Kopf und Körper

„Angeschlossen an das Schlaflabor ist die Lungenfunktionsabteilung, so dass allen Patienten auch eine sorgfältige Diagnostik zugeführt werden kann“, erläutert Stationsleiterin Barbara Stadler. „So kann festgestellt werden, ob sie beispielsweise unter einer Einschränkung ihrer Lungenleistung leiden.“ Jeder Aufenthalt im Schlaflabor ist durchgeplant: „Wir haben hier standardisierte Abläufe, ähnlich wie im Hotel“, erklärt Henning Thumel. Die Patienten checken nach vorheriger Terminabsprache ein und verbringen dann zwei Nächte im Schlaflabor. Dabei werden die Herzkreislauf-, Blutdruck- und Atemparameter sowie die Hirnströme während des Schlafs gemessen. Bei diesen sogenannten polysomnographischen Messungen werden verschiede Elektroden an Kopf und Körper befestigt, um die Gehirnaktivität (EEG), die Muskelaktivität und die Atmung zu erfassen. Dr. Schoch: „Wenn man nachts etwas Krankhaftes misst, kann das der Grund sein, dass man schlecht schläft und sich tagsüber nicht gut fühlt. Unsere Patienten werden im Schlaf über eine Kamera und die Datenerfassungssysteme permanent überwacht. Während der Nacht messen wir die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff transkutan über einen Fingerclip, den Sauerstoffpartialdruck und die Werte des Kohlendioxidpartialdrucks über eine kapilläre Blutgasanalyse. Dies dient der Beurteilung der Atemfunktion in der Nacht. Im Rahmen der Auswertung am nächsten Tag können wir dann in einer Bildschirmübersicht grafisch übersichtlich darstellen, wie die einzelnen Messungen bezüglich Herzkreislauf, Atmungs- und Muskelaktivität und auch Hirnströme abgelaufen sind. Auch der sogenannte REM-Schlaf, wenn also das Gehirn während der Haupt-Traumphase äußerst aktiv ist, ist hier zu sehen. Dieser ist essentiell wichtig, um einen Erholungsschlaf zu haben und unterscheidet sich von dem Leichtschlaf und dem Tiefschlaf. REM steht für Rapid Eye Movement, was die schnellen Bewegungen der Augen unter den Lidern beschreibt und unterbricht die Tiefschlafphase – danach ist der Schlaf wieder leichter.“ 

Medizin der kurzen Wege

In der Regel wird den Patienten nach der Diagnostik eine pneumatische Schienungstherapie oder Heimbeatmung über eine Schlafmaske verordnet. Die Patienten erhalten sie im direkt angegliederten Atemtherapie-Zentrum im Elisabeth-Carrée. Diese „Medizin der kurzen Wege“ gilt als Qualitätsmerkmal des Hospitals; sie stellt die Betreuung der Schlafpatienten auch über den Krankenhausaufenthalt hinaus sicher.

Als das Schlaflabor des Elisabeth-Hospitals vor 15 Jahren seine Arbeit aufnahm, war man noch Pionier auf diesem Gebiet in Gütersloh. „Damals konnten viele Menschen nichts mit dem Begriff der Schlafmedizin anfangen. Kaum jemand wusste, was wir hier machen“, erinnert sich Atmungstherapeut Henning Thumel an die Anfänge. Hat sich das Schlafen in der Gesellschaft eigentlich geändert, gibt es andere Schlafphänomene als früher? Dr. Schoch: „Es ist klar: Durch die neue Mediennutzung hat sich unser Schlafen auch verändert. Die Handys am Bett, die ja eine relativ starke Lichtquelle darstellen, aktivieren unsere Gehirnströme massiv. Wenn Teenager fünfmal nachts über WhatsApp geweckt werden, wirkt sich das sehr negativ auf die Schlafhygiene aus. Wir stellen fest, dass die Schlafqualität insgesamt schlechter geworden ist.“ Das Schlaflabor wird auch in Zukunft den Stand der Technik zur Behandlung seiner Patienten vorhalten. Unter den gegebenen ökonomischen Bedingungen steht eine hochqualitative Versorgung der Schlaf-Patienten zunehmend unter Druck. Dennoch ist es bisher stets gelungen, eine gute Versorgung der Patienten im Raum Gütersloh sicherzustellen. Dabei hilft auch die Zusammenarbeit mit der Schlaganfallstation, die bei festgestellten Atemstörungen ihrer Patienten eine Behandlungsbedürftigkeit durch das Schlaflabor meldet. Und selbstverständlich wird das Angebot des Schlaflabors auch innerhalb des Elisabeth Hospitals stark wahrgenommen. 


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