RSS Feed   |   Kontakt   |   Impressum

Achtung! Diese Seite verwendet Cookies.

Wenn Sie keine Cookies verwenden wollen, ändern Sie bitte die Einstellung in Ihrem Browser.

Ohne sie geht nichts: Über 178 ehrenamtliche Mitarbeiter versorgen einmal wöchentlich die kleinen Krebspatienten auf mittlerweile 21 Stationen in Deutschland. Foto: fruchtalarm

Der Lange

Wieder bedient sich unsere „Ausgegraben“-Serie einer zeichnerischen Vorlage aus dem von Friedemann Purbs (Galerie Friedemann) 1977 herausgegebenen Buch „Wilhelm Ohlbrock sieht Gütersloher“. Der schlichte Band enthält Karikaturen Gütersloher Persönlichkeiten. Darin enthalten ist auch eine Strichzeichnung von Wilhelm Flöttmann (1890–1971). Flöttmann, neben Justizin-
spektor Grundmann, Amtsgerichtsrat Dr. Linden, Assessor Zielonka, „Baselheinrich“ (Barkey) und Heimatdichter Fritz Steinhaus („Kiek süh“) Mitglied im legendären Prominenten-Kasino im „Bremer Schlüssel“ (siehe „Ausgegraben“-Beitrag Ausgabe Oktober 2017). Flöttmann war langjähriger Direktor der Volksbank Gütersloh. Bei seinen Freunden hieß er aufgrund seiner Körpergröße „Der Lange“. Er war konservativ, aber kein Freund von Traurigkeit. Ein heimatverbundener und hilfsbereiter, frommer und bescheidener Mann, der den Aufstieg seiner genossenschaftlichen Bank maßgeblich gestaltete. Als er 1924, mit gerade mal 32 Jahren, zum Direktor der Volksbank gewählt wurde, zeigte sich schnell, dass er ein Glücksfall für das Institut war. Er vergrößerte das Bankgebäude in Gütersloh und eröffnete eine Filiale in Rheda-Wiedenbrück, steuerte sein Bankhaus durch die Währungskatastrophe und Bankenkrise von 1931 und brachte es fertig, die Bank ohne Staatszuschüsse zu erhalten. Die Heimatverbundenheit von Flöttmann kam auch bei den Generalversammlungen seiner Bank zum Ausdruck: Diese gestaltete er nach dem offiziellen Teil zu genossenschaftlichen Heimatabenden um – mit Gesang, Vorträgen und fröhlichem Miteinander bei Speis und manchem Trunk. 

1946 beriefen ihn die Stadtverordneten zum Vorsitzenden des Hauptausschusses für Entnazifizierung der Stadt Gütersloh. Sein Wort galt in über 5.000 zu bearbeitenden Fällen. Für seine Verdienste um die heimische Wirtschaft wurde er 1959 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 

Lang ist die Liste seiner Mitarbeit in zahllosen Gremien auf genossenschaftlicher, aber auch ehrenamtlicher Ebene. Sie verschafften ihm viel Respekt bei den Gütersloher Bürgern. Der Mann mit der preußischen Arbeitsauffassung pflegte ein besonderes Hobby: Flöttmann liebte die Kurzschrift nach dem System von Stolze-Schrey. Diese Schrift wird heute noch in der Schweiz gepflegt – wenn auch von eher älteren Menschen. Das System geht auf ihre Erfinder Heinrich August Wilhelm Stolze und Ferdinand Schrey zurück. Die Kurzschrift Stolze-Schrey, so Wikipedia, „verwendet Zeichen, die einfache Bestandteile der Zeichen der gewöhnlichen Schreibschrift sind.“ 

Wilhelm Flöttmann galt als „einer der eifrigsten und zielbewusstesten Streiter für den Fortschritt auf kurzschriftlichem Gebiete“, wie es in der stenographischen Monatsschau „Der Kurzschreiber“ 1940 hieß. Als Vorstandsmitglied und Ehrenförderer der internationalen Gesellschaft für Schrift und Buchkunde sowie als Berichterstatter für Tageszeitungen und Fachzeitschriften auf dem Weltkongress für Kurzschriftwesen in Amsterdam wurde er über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. Hunderte von Schülern und Schülerinnen, vor allem des neusprachlichen Mädchengymnasiums in Gütersloh, unterrichtete er als geprüfter Lehrer der Stenographie. Zum 62. Geburtstag Wilhelm Flöttmanns findet sich in einer Sammelschrift über Flöttmann ein Grußwort des 1. Bundesvorsitzenden des
Westbundes „Stolze-Schrey“, Richard Neumeister. Darin dankt Neumeis-
ter der Einladung der Schriftfreunde Gütersloh zum Bundestag in Gütersloh, lobt die reiche Erfahrung des ver-
ehrten Schriftfreundes und schließt mit einem markigen „in alter Schrifttreue!, Richard Neumeister“. Wilhelm Flöttmann, der nach 56 Jahren am 31. März 1965 als Direktor der Volksbank in den Ruhestand wechselte, wird es gefreut haben


Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zu diesem Beitrag:
Ihr Name*:
EMail:
Sicherheitsabfrage
Kommentar*:
(*) = Zum Absenden benötigte Informationen.