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Fotos: Jens Dünhölter

Lobby der Radfahrer

Obwohl sich die Technik der alleine per Muskelkraft voranstrebenden Pedalritter im vergangenen Viertel-Jahrhundert in Tour-de-France-Geschwindigkeit verändert hat (Stichwort E-Bike, Pedelec), sind die Ziele identisch geblieben. Thomas Freyer: „Wir sind die Lobby der Fahrrad-Fahrer in Deutschland." Die wesentlichen Aspekte der Arbeit lassen sich auf wenige Schlaglichter, auf ein paar Grundsatzaspekte reduzieren: verbesserte Infrastruktur durch mannigfach geänderte Rahmenbedingungen. Daraus folgend vermehrte Sicherheit für die Pedaleure. Als großes übergreifendes Ziel sollen dadurch der Spaß und die Lust am Fahrradfahren steigen und mehr Bürger das Zweirad als umweltfreundliches Fortbewegungsmittel für den Weg zur Arbeit oder in der Freizeit für sich entdecken.
Die breite vorhandene Basis für die Realisation der Aufgabe belegt ein Blick auf die Zahlen: Nach Angaben des Zweirad-Industrieverbandes hat die Zahl der Fahrräder in den vergangenen Jahren beständig zugenommen. 2016 betrug der Zweiradbestand in Deutschland rund 73 Millionen Exemplare. Im Jahr 2007 waren es vier Millionen weniger. Zieht man Kleinkinder sowie die Gruppe der Hochbetagten ab, verfügt demnach jeder Deutsche über einen Drahtesel. Dennoch ist das Thema längst nicht so in der Öffentlichkeit verankert wie vom ADFC gewünscht. Auch dies lässt sich mit Zahlen belegen. Nach neuesten Erhebungen stehen bei den Nachbarn aus den Niederlanden pro Kopf zirka 1.000 Rad-Kilometer zu Buche. Die Deutschen bringen es im Durchschnitt im Jahr auf 368 Kilometer. Die Bundesbürger weg vom Autoverkehr, hin zum pedalbetriebenen Individual-Zweirad-Verkehr zu bringen, ist deshalb eines der Hauptanliegen des Gütersloher ADFC-Kreisverbandes. Im Gleichtritt propagieren der Gütersloher ADFC-Kreisvorsitzende und der auf dem Vereinstandem im gleichen Tempo mit in die Pedale tretende Schatzmeister Daniel Neuhaus (38) den großen Geburtstagswunsch: „Wir wollen mehr Akzeptanz, mehr öffentliche Präsenz für das Radfahren schaffen und so die Thematik im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern.“ Unbewusst spiegeln allein diese Worte die teilweise Ignoranz und geringe Wertschätzung wider, die den Vertreter der sanften, umweltschonenden Mobilität aus Teilen der Bevölkerungen, zuweilen indes jedoch auch aus der Politik entgegenschlägt.
Bei ihrem Engagement für die sanfte Mobilität wünschen sich die Pedalritter querbeet mehr Unterstützung aus „Öffentlichkeit, Verwaltung und Politik“, so das ADFC-Tandem unisono. Thomas Freyer begründet: „Das Rad ist ein Ausweg aus dem Dilemma der in vielen Städten vorherrschenden Verkehrsproblematiken. Genau wie der ÖPNV“. Speziell die Dalkestadt samt der weitläufigen Umgebung böte durch die topografische Lage fast ideale Voraussetzungen. Thomas Freyer: „Das Radwegenetz ist mittelprächtig bis gut ausgebaut. Es gibt kurze Wege, keine Berge, innerhalb des Stadtringnetzes sind fast alle Ziele binnen zehn bis 15 Minuten erreichbar. Leider wird aus den perfekten Grundbedingungen im Alltag zu wenig gemacht.“
Dennoch ist auch in Gütersloh längst nicht alles zum Besten gestellt. Auf einer großen Karte hatte Schatzmeister Daniel Neuhaus während der Geburtstagsfeier im Wapelbad alle Stellen markiert, an denen es im vergangenen Jahr bei der Begegnung von Rad- und Autofahrern im Stadtgebiet gekracht hatte. Immer mit den weitaus schwerwiegenderen Folgen für die schwächeren, weil ohne Knautsch-
zone oder schützendes Blech ausgestatteten Verkehrsteilnehmer. Der Blick auf die Unfallkarte mit roten und schwarzen Markierungen auf weißem Untergrund macht ziemlich deutlich: Kollisionen im Straßenverkehr gab es weitaus mehr als auch der geneigte 1. Mai-Hobbyradler sich vorstellen mag. Dazu passte auch der Blick auf die Mängeldatenbank. Im Sinne des kompletten Zweiradverkehrs haben die lokalen ADFC-Vertreter allein im Gütersloher Stadtgebiet mehr als 150 neuralgische Punkte aufgelistet, in denen Radwege zu schmal, kaputt, von Wurzeln durchzogen sind, die Oberflächenbeschaffenheit mangelhaft ist oder Umlaufsperren zu eng aufgestellt sind. Kleinere Mängel, wie falsche Beschilderungen lassen sich in Kooperation mit der Fahrradbeauftragten, der Stadt Gütersloh (Katharina Pulsfort) schnell lösen – bei anderen brauchen die ADFCler analog zur Bewegungsform mehr, teilweise jahrelange Geduld.
Dass der Stadtrat vor einiger Zeit beschlossen hat, für die Förderung des Geh- und Radverkehrs bis 2022 rund 2,5 Millionen Euro in den Haushalt einzustellen, wird vom ADFC als Schritt in die richtige Richtung gesehen. Daniel Neuhaus: „Aus unserer Sicht sollte man die Mittel dazu einsetzen die Qualitätsmängel im Bestand abzuarbeiten und Instandsetzungen vorzunehmen.“ Als Teil der gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen Stadt Gütersloh und den Zweirad-Mobilisten beteiligt die Kommune die ADFC-Vertreter auch an den momentan laufenden Arbeiten zum „Masterplan Mobilität“.  
Als „mögliche Signalwirkung“ auf dem Weg zum übergeordneten Ziel – Wahlfreiheit für Radfahrer auf sämtlichen innerstädtischen Fahrbahnen – begrüßen die ADFC-Experten ausdrücklich das vom Verwaltungsgericht Minden beschlossene Ende der Radwege-Benutzungspflicht auf dem Stadtring. Um nicht in den Verdacht zu geraten, als renitente Robin-Hoods den Kampf gegen Autofahrer aufnehmen zu wollen, begründet Thomas Freyer seine Argumente für das so titulierte „Fahrbahnfahren“: „Uns geht es primär um die Wahlfreiheit. Jeder soll da fahren, wo er sich am wohlsten fühlt“. Laut Unfallzahlen von Gesetzgeber, Verkehrsbehörden und Polizei seien Radfahrer jedoch unbestreitbar auf der Straße grundsätzlich sicherer. Obwohl er selbst ein glühender Verfechter des innerstädtischen Fahrbahnfahrens ist („Man kommt zügiger voran, wird besser gesehen, die Oberflächenstruktur ist komfortabler“) schränkt der Rheda-Wiedenbrücker ein: „In der Praxis wird das Ende der Benutzungspflicht auf dem Stadtring keine großen Folgen haben. Das Gros wird nach wie vor auf dem Radweg unterwegs sein. Das ist auch vollkommen in Ordnung.“
Als große Vision und Hoffnung für die Zukunft schwebt dem ADFC die erste Gütersloher „Fahrradstraße“ (Radler haben absoluten Vorrang) auf der Dalkestraße („Da fahren die Radfahrer ohnehin schon nebeneinander“) sowie die Weiterführung des momentan in Planung befindlichen „Radschnellweges OWL von Minden nach Bielefeld“ bis Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück vor.
Die Anhänger der gesundheitsfördernden Fortbewegungsmittel reden indes nicht nur, sie handeln auch. Zum Programm des ADFC gehört auch eine bunte Palette geführter Radtouren quer durch die ganze Umgebung. Zwischen Anfang April und Mitte Oktober bieten elf zertifizierte Tourenleiter fast 50 kostenlos nutzbare Ausflüge durch den Kreis Gütersloh an. Viele davon haben so wohl-
klingende Namen wie „Storchen-Tour“ oder „Schlössertour“. Um immer wieder neue Interessierte anzusprechen, werden viele der Ausfahrten regelmäßig angeboten. Aufgrund der großen Nachfrage soll das Angebot in der Saison 2018 weiter ausgebaut werden. Durch die technischen Weiterentwicklungen in fast allen Bereichen steigen auch die Mitgliederzahlen an. Im vergangenen Jahr verzeichnetet Schatzmeister Daniel Neuhaus ein Wachstum von fünf Prozent: „Die Leute sind heiß“.  
Tourleiter und Vorstands-Beisitzer Thomas Karrasch (60) unterstrich im Rahmen der „25-Jahr-Feier“ im Wapelbad das Credo des ADFC im Sinne von Respekt und Rücksichtnahme sämtlicher  Verkehrsteilnehmer untereinander: „Wir wollen nicht die Welt retten, sondern nur etwas einfacher machen. Wenn mehr Autofahrer nicht nur am 1. Mai aufs Rad steigen, sondern auch im Alltag, wäre damit der Umwelt und dem Miteinander im Straßenverkehr schon viel geholfen”. ˜

www.adfc-guetersloh.de

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