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Lernangebote und Unterrichtsgestaltung müssen vielfältig sein. Fotos: Fotolia.com

Dritte Gesamtschule im Norden der Stadt

Die dritte Gesamtschule soll zum Schuljahr 2018/2019 in dem Gebäude der jetzt auslaufenden Hauptschule Nord ihren Betrieb aufnehmen. Bis zum Jahr 2023 werden Bestandsgebäude den Anforderungen an eine Gesamtschule entsprechend umgebaut und durch Neubauten ergänzt. Schuldezernent Joachim Martensmeier und Erich Heine, externer Berater und Gründer einer Gesamtschule, sagen im Gespräch mit Dr. Elisabeth Menke, warum Gütersloh diese Schule braucht, was Eltern und Schüler erwartet und worauf man beim Aufbau der Schule achten muss. 

Warum braucht Gütersloh eine dritte Gesamtschule (es gibt doch schon zwei)?

Joachim Martensmeier: Wir wissen aus Befragungen und vielen Gesprächen, dass Eltern sich bei der Schulwahl zur Sekundarstufe vor allem zwei Dinge wünschen: ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder und eine Schulform, die alle Möglichkeiten zur Erlangung des Schulabschlusses einschließlich des Abiturs anbietet. Daher entscheiden sich nach unserer Wahrnehmung immer mehr Eltern in NRW bei der Wahl der weiterführenden Schule für die Gesamtschule. Das führt dazu, dass vielerorts die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze nicht ausreicht und Kinder nicht aufgenommen werden können. Das war bisher auch in Gütersloh so. Durch die Neugründungen von Gesamtschulen in den Nachbarkommunen hat sich die Lage zwar entspannt, dennoch ist der Bedarf an einer dritten Gesamtschule groß, zumal im Norden der Stadt, wo ohne eine neue Schule bald keine weiterführende Schule mehr existieren würde.  

 

Was unterscheidet die Schulform Gesamtschule von den übrigen Schulformen der Sekundarstufe?

Erich Heine: In der Logik des sogenannten gegliederten Schulsystems mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium müssen sich Kinder für eine dieser Schulformen „eignen“. Deswegen muss die Grundschule (noch) Übergangsempfehlungen aussprechen. Die Gesamtschule kennt solche Eignungsvoraussetzungen nicht. Sie nimmt alle Kinder auf, weil es falsch ist, junge Menschen im Alter von etwa 10 Jahren nach fachlichem Leistungsvermögen zu sortieren. Das in diesem Alter verlässlich zu prognostizieren, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Die Gesamtschule bietet mit ihren offenen Schullaufbahnen die Möglichkeit, dass sich Kinder und Jugendliche entwickeln und den individuell besten Schulabschluss schaffen können. Nur so ist es auch zu erklären, dass an den bestehenden Gesamtschulen verhältnismäßig viele Kinder, darunter vor allem Jungen, das Abitur geschafft haben, obwohl ihnen am Ende der Grundschulzeit die Hauptschule empfohlen wurde.

 

Kann eine Gesamtschule Leistungsträger unter den Schülern überhaupt ausreichend fördern?

Erich Heine: Wenn alle Kinder in ihrer Unterschiedlichkeit gemeinsam an einer Schule sein sollen, müssen Lernangebote und Unterrichtsgestaltung vielfältig sein. Das Prinzip „Fördern und Fordern“ gilt für jede Schülerin und jeden Schüler, also auch für die Leistungsstarken unter ihnen. Es kann nicht mehr sein, dass im Unterricht alle zur gleichen Zeit auf die gleiche Weise im gleichen Raum die gleichen Aufgaben erledigen müssen, sondern dass viel mehr als bisher Unterrichtsthemen auf differenzierte Weise behandelt werden. Gerade in Phasen des selbstständigen Arbeitens können Schüler und Schülerinnen unter Beweis stellen, wie leistungsstark sie sind. In den höheren Jahrgängen der Sekundarstufe I werden in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und einem naturwissenschaftlichen Fach unter dem Aspekt Fachleistungsstärke Kurse eingerichtet. Im Übrigen sind diese Kinder und Jugendlichen für den gemeinsamen Unterricht so wichtig, weil sie für andere ein anregendes, hilfreiches Beispiel sind.

 

Müssen Eltern Sorge haben, dass eine Gesamtschule ein „Massenbetrieb“ ist?

Erich Heine: Eine Gesamtschule muss nach den Bestimmungen mindestens vierzügig sein, also vier Klassen mit jeweils etwa 25 Schülerinnen und Schülern pro Jahrgang umfassen. Es gibt Gesamtschulen (und auch Gymnasien), die 6 und mehr Klassen im Jahrgang haben. Die Größe einer Schule sagt nicht zwangsläufig etwas über ihre Qualität aus. Viel wichtiger ist das „Klima“, das in einer Schule herrscht. Jeder Einzelne, ob Schüler oder Lehrer, muss das Gefühl haben, wahrgenommen, akzeptiert und geschätzt zu werden und nicht in der „Masse“ unterzugehen. In einer kleineren Schule ist dies wahrscheinlicher als in einer zu großen.

Joachim Martensmeier: Die neue Gesamtschule wird mit rund 100 Schülerinnen und Schülern im Jahrgang die kleinstmögliche Art dieser Schulform sein. Darüber hinaus wird die Schule neue Gebäudeteile erhalten, die in ihrer Raumgestaltung überschaubar sind. Da die Schule gegründet wird, wird sie in den Jahren des Aufbaus sowieso klein sein. Der erste Gesamtschuljahrgang wird wie kein zweiter unter beinahe familiären Verhältnissen unterrichtet und betreut werden.

 

Welche Rolle spielt der Schulweg bei der Entscheidung für eine Schule (Oder anders gefragt: Ist eine Schule in der Nähe der Wohnung die bessere Wahl?)

Erich Heine: Der Schulerfolg hängt nicht von der Länge des Schulweges ab.  Aber: Je kürzer der Schulweg, umso weniger verlorene Tageszeit. Länger als 30 Minuten sollte möglichst kein Kind zur Schule unterwegs sein müssen. Und wenn der Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann, ist zudem noch die tägliche Frischluftzufuhr gewährleistet. Für das Schulkonzept „Schule im Stadtteil“ ist es grundsätzlich sinnvoll, wenn Schülerinnen und Schüler in Schulnähe zu Hause sind.

Joachim Martensmeier: Die dritte Gesamtschule liegt am Rande eines Wohngebietes im Norden Güterslohs. Sie ist aus der Innenstadt und auch aus anderen Bereichen wie Blankenhagen oder Isselhorst gut mit dem Fahrrad oder dem Bus zu erreichen. 

Die Buslinie 211 bedient den Weg vom ZOB über die 3. Gesamtschule und Blankenhagen nach Niehorst und wieder zurück im Halbstundentakt. Die Buslinie 218 bedient an Schultagen den Weg aus Isselhorst und Hollen über die 3. Gesamtschule bis zum ZOB und zurück.) Die Stadtwerke Gütersloh haben im Auftrag der Stadt eine neue Buslinie 219 erarbeitet, die den Bereich Avenwedde-Friedrichsdorf mit der dritten Gesamtschule verbinden soll. Alle genannten Buslinien werden zurzeit zwischen den Stadtwerken und der Stadt Gütersloh 

abgestimmt und optimiert, damit zum Schulstart im August 2018 eine gute Anbindung der dritten Gesamtschule gewährleistet ist.

 

Wie können sich Eltern einbringen?

Joachim Martensmeier: Das Schulgesetz NRW regelt die Mitwirkung von Eltern. Viel wichtiger ist jedoch das Engagement von Eltern über den formalen Rahmen hinaus. Gerade eine neue Schule ist auf viele gute Ideen angewiesen. Das betrifft sowohl die Arbeit am Schulprogramm mit der Entwicklung eines Profils der Schule als auch die praktische Unterstützung durch Mitarbeit in einem Förderverein. Eltern, die sich bereits vor Start der Schule einbringen und für diese neue Schule stark machen wollen, melden sich bitte bei Michael Wittenstein im Fachbereich Jugend und Bildung, Schulamt der Stadt Gütersloh (05241/82-2290 oder Michael.Wittenstein@guetersloh.de). 

 

Was ist beim Aufbau einer Gesamtschule zu beachten?

Erich Heine: Wer die Chance erhält, eine neue Schule zu gestalten, möchte von Anfang an alles gut und richtig machen. Doch Vorsicht! Die Devise muss sein: nicht verzetteln, auf das Wesentliche konzentrieren! Und das sind die Schüler und Schülerinnen mit ihren Eltern als auch die Zusammenarbeit in Schulleitung und Kollegium. Wenn es gelingt, dass die Lehrkräfte, die sich für diese neue Schule bewerben und ausgewählt werden, mit Freude oder gar Enthusiasmus ihren Beruf ausüben, werden Schülerinnen und Schüler davon profitieren und Eltern zufrieden sein. Die Schulleitung ist gut beraten, nicht nur einen Arbeits- und Zeitplan für die Periode des Aufbaus aufzustellen, sondern von Anfang an dafür zu sorgen, dass Lehrkräfte,  Schüler und Schülerinnen sowie Eltern gut informiert sind und ihre Vorstellungen von einer guten Schule einbringen können. 

 

Wie wird die Nachmittagsbetreuung geregelt?

Joachim Martensmeier: Montag, Mittwoch und Donnerstag läuft der Unterricht von 8 bis gegen 16 Uhr, Dienstag und Freitag bis gegen 13 Uhr. An diesen Tagen gibt es bei Bedarf ein verlässliches Betreuungsangebot bis 16 Uhr.

 

Was sind die nächsten Schritte?

Joachim Martensmeier: Unmittelbar nach Ende der Sommerferien werden wir die Informationsveranstaltungen für Grundschuleltern fortsetzen. Dann wird es eine sogenannte Elternbefragung geben, die der Gesetzgeber vorschreibt, um die Genehmigung für die Errichtung/Gründung der neuen Schule zu bekommen. Es ist ganz wichtig, dass Eltern sich – mit einem möglichst positiven Votum – hieran beteiligen, damit wir zusätzlichen Rückenwind für dieses tolle Projekt bekommen. Einzelheiten dazu werden den Eltern rechtzeitig mitgeteilt und erklärt. Im Oktober wird der Rat den offiziellen Antrag an das Land auf Errichtung der Schule beschließen; parallel arbeiten wir an der Klärung der noch offenen Fragen: Schulleitung, Architektur, Schulprofil, um nur einiges zu nennen. Im Herbst und Winter werden wir immer wieder über den aktuellen Stand der Dinge informieren, damit sich dann beim Anmeldetermin im Februar 2018 eine ausreichend große Zahl von Eltern und Kindern für die neue Gesamtschule entscheidet. Informationen bekommt man jederzeit „frisch“ auch über unsere Homepage: www.dritte-gesamtschule-gt.de.

 

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