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Foto: Frank Tiedemann

Tue Gutes und rede darüber

Unternehmen engagieren sich in Stiftungen und unterstützen Vereine, Kultur oder soziale Projekte. All das gehört zum CSR, und bedeutet „Corporate Social Responsibility“. „CSR basiert auf dem freiwilligen Bestreben, soziale und ökologische Aspekte in die Unternehmenstätigkeit einzubinden – es geht um deutlich mehr, als nur gesetzliche Bestimmungen einzuhalten. Die drei Handlungsbereiche von CSR sind die Ökonomie, also etwa die Gestaltung der Lieferketten, faire Preisgestaltung oder der faire Umgang mit Geschäftspartnern. Der zweite Bereich ist der Umweltschutz und die Ressourceneinsparung. Drittens das Soziale, hier geht es einerseits um die sichere und gesunde Gestaltung der Arbeitsplätze, als auch um das Engagement im Gemeinwesen“, erklärt Elke Pauly-Teismann, verantwortlich für den Bereich „familienfreundliche Unternehmenskultur“, bei der pro Wirtschaft GT. Gemeint sind damit transparente Unternehmensphilosophie, ethisches Verhalten und Respekt gegenüber Menschen und
Ressourcen. „Tue Gutes und rede darüber“ ist eine Veranstaltung der prowi, die Elke Pauly-Teismann betreute, denn sie ist überzeugt davon, dass man – entgegen der ostwestfälischen Mentalität – ruhig über sein Engagement reden darf. GT-INFO-Redakteurin Birgit Compin hat Elke Pauly-Teismann zu einem Gespräch getroffen.

Frau Pauly-Teismann, CSR bedeutet im ursprünglichen Sinn Unternehmensverantwortung. Lassen Sie uns also darüber sprechen.
Elke Pauly-Teismann: Stimmt. CSR bedeutet unternehmerische Sozialverantwortung. Und Verantwortung zu übernehmen ist genau das, was Unternehmen hier tun. Wir als pro Wirtschaft GT müssen ihnen eigentlich gar nicht zeigen, wie es geht, denn viele große und kleine Unternehmen und Betriebe, engagieren sich bereits ausgiebig im Bereich der sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung.

Doch handelt es sich dabei wirklich um die soziale Verantwortung oder verbirgt sich dahinter eine Marketingstrategie?
Elke Pauly-Teismann: Ich glaube tatsächlich, dass sie das aus einem guten Gedanken heraus tun. Natürlich kann CSR auch als Marketingstrategie genutzt werden. Eine unserer Veranstaltungen zu diesem Thema hieß: „Tue Gutes und rede darüber“. Als Wirtschaftsförderung zeigen wir so den Unternehmen, dass es strategisch wichtig ist, sich in diesem Punkt aufzustellen. Und zwar mit einem kommunikativen Ansatz, der in Zusammenhang mit dem Unternehmen steht. Kunden schauen, wie ein Unternehmen aufgestellt ist und wie es sich in Bezug auf die Kommune sowie deren Menschen, auf die Umwelt und natürlich auf die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verhält.

Wie sollte das perfekte CSR-Konzept eines Unternehmens aussehen?
Elke Pauly-Teismann: Es sollte ein klares Ziel verfolgen und eine durchdachte Strategie haben. So kann ich als Tiernahrungsmittelhersteller beispielsweise Tierschutzprojekte fördern. Das gibt mir einen roten, oder besser gesagt: grünen Faden, den ich als Betrieb verfolgen kann. Kommuniziere ich das nach Außen, beziehe ich gleichzeitig eine eindeutige Position innerhalb meiner Branche und der Mitarbeiterschaft, aber auch innerhalb der Gesellschaft.

Das hört sich einfach an ...
Elke Pauly-Teismann: Ist es aber gar nicht. Die soziale und gesellschaftliche Verantwortung gehört zum großen Bereich der Unternehmenskultur. Doch gerade beim Thema CSR muss man sehr aufpassen, dass Darstellung und Aussage mit der Realität übereinstimmen. Wenn zum Beispiel die als nachhaltig ausgewiesene Lieferkette nicht der Wahrheit entspricht, kann das ganz schnell ins Gegenteil umschlagen. Gerade im Zeitalter von Social Media verbreitet sich Negatives wie Positives sehr schnell.

Wie ist unser Kreis im Verhältnis zu anderen in dem Bereich aufgestellt?
Elke Pauly-Teismann: Unsere Unternehmen sind bereits gut aufgestellt. Viele familiengeführte Betriebe sind hier verwurzelt und engagieren sich schon lange im sozialen und gesellschaftlichen Bereich. Luft nach oben ist natürlich immer. Deshalb bieten wir als prowi Veranstaltungen an, um darauf hinzuweisen: Es gibt noch mehr Möglichkeiten, CSR zu nutzen um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Denn letztendlich geht es uns als Wirtschaftsförderung darum, dass unsere Unternehmen gut aufgestellt sind, und sie die nötigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Region finden können – und auch diese achten mehr als früher darauf, wie sich ein Unternehmen, in dem sie arbeiten wollen, in diesem Bereich positioniert.

Betrifft CSR jedes Geschäft und
jeden Dienstleister?
Elke Pauly-Teismann: Auf jeden Fall. So kann beispielsweise ein Restaurant auf saisonale und regionale Produkte achten, denn das ist ja schon eine gesellschaftliche, soziale Verantwortung. Andere Betriebe stellen ihre Mitarbeiter teilweise frei, damit sie sich für einen guten Zweck engagieren können. All das muss nicht viel Geld kosten, sondern ist auch mit kleinem Budget zu bewerkstelligen. Ich kann auch Soziale Medien nutzen und über mein Engagement berichten, aber auch hier ist es eben sehr wichtig, transparent und ehrlich zu sein, denn gerade die Community verzeiht Fehler selten bis nie. Deshalb wäre mein Rat, lieber weniger zu tun, dafür aber gut durchdacht.

Letztendlich scheint das alles nicht neu...
Elke Pauly-Teismann: Das ist richtig, bereits Aristoteles beschrieb, dass Wirtschaft sich an Tugenden orientieren solle, nicht an der Anhäufung von Besitz. Das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“, geprägt schon seit dem Mittelalter, steht für Verantwortungsbewusstsein, Tugend und Vertrauen – sein Wort und Handschlag waren vertraglich bindend. Und obwohl diese Themen scheinbar „on top“ zum eigentlichen Unternehmenszweck hinzukommen, sind sie damals wie heute essenziell, um die eigene Arbeitgeberattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. ˜

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