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Ausbildung in Gütersloh Foto: Fotolia.com/Picture-Factory

Betriebe bieten Topchancen für das Berufsleben

Die Zeiten sind vorbei, in denen Jugendliche Jahr für Jahr im Wettbewerb um Ausbildungsplätze standen. Heute ist es eher umgekehrt: Die Betriebe müssen sich als attraktive Arbeitgeber darstellen, um guten Nachwuchs zu bekommen. Dies gilt für alle Branchen, so der einhellige Tenor unserer Umfrage. Eine Ursache hierfür ist (auch) das Berufswahlverhalten jugendlicher Schulabgänger. Die Jugendlichen kennen häufig nur eine geringe Anzahl von Ausbildungsberufen und streben eine Ausbildung in einem  vermeintlichen Traumberuf an. Dabei bieten vielfach auch Nischen- und weniger gehypte Berufe sehr gute Ausbildungen und ungeahnte Entwicklungschancen im Job. Der Trend ist eindeutig: Die Digitalisierung und die Wissensintensivierung vieler Wirtschafts- und Lebensbereiche bedeuten neue Chancen, aber auch einen Wandel der Arbeitswelt, die neue  fachliche, kommunikative, sprachliche und soziale Kompetenzen erfordern. 



Ausbildungsleiter Lothar Künkler, Stadt Gütersloh: „Riesenperspektive“

Hätten Sie’s gewusst? Von den 1.400 Mitarbeitern der Stadt Gütersloh sind gerade einmal 300 Beamte. Und die größte Berufsgruppe der Stadt Gütersloh stellen nicht die Verwaltungsangestellten in den Büros der langen Flure des Rathauses, sondern die Erzieherinnen in den städtischen Tageseinrichtungen für Kinder (Männer bleiben die Ausnahme): Es sind rund 400. Aber dort ist noch Luft nach oben. Zurzeit sind erst 18 von  23 Ausbildungsstellen als Erzieher/in im Anerkennungsjahr besetzt und dazu zehn von 23 Praktikumsplätzen für Absolventen der FOS 11. Groß ist dagegen die Nachfrage nach den Ausbildungsberufen Bachelor of Laws
(Stadtinspektor-Anwärter/in) mit rund 200 Bewerbungen, von denen 2017 nur fünf eingestellt wurden und Verwaltungsfachangestelltem/ter mit durchschnittlich 120 Bewerbungen. Auch hier konnten nach der Personalbedarfsplanung für diesen Beruf nur fünf angenommen werden. Mit einer Ausbildungsquote von 7 bis 8 % – in diesem Jahr werden insgesamt 105 Ausbildungsplätze vergeben – ist die Stadt Gütersloh auf gutem Weg, der zunehmenden Überalterung der Beschäftigten im Rathaus, in den Schulen und Kindergärten, auf den Straßen oder im Bauwesen zu begegnen. Lothar Künkler, Ausbildungsleiter der Stadt Gütersloh, sieht mit Blick auf die langfristige Personalplanung eine „Riesenperspektive“ für Schulabsolventen: „Die Schülerzahlen gehen zurück, der Bedarf der Stadt an hochmotivierten, dienstleistungsorientierten und wissbegierigen jungen Mitarbeitern steigt. Das ist eine große Chance für alle, die gerne im Team arbeiten, wobei gilt: Teamwork über die Berufsgrenzen hinweg. Das macht die Aufgabe bei der Stadt spannend und interessant.“ Allerdings: Es gibt keinen Übernahmeautomatismus, stellt Künkler auch klar: „Wir wollen im Rathaus und allen Diensten der Stadt Top-Mitarbeiter, das sind wir den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt schuldig. Deshalb arbeiten wir auch schon im Vorfeld eng mit den Schulen in der Stadt zusammen.“ 


Bundesagentur für Arbeit, Bielefeld: offen und flexibel sein

Wie stark die Wirtschaft in Gütersloh ist, zeigt schon die OWL-Pendlerstatistik bei den Auszubildenden, wie sie die Bundesagentur für Arbeit Bielefeld im März in ihrem Halbjahresbericht 2016/2017 vorlegte: Danach gab es ein Pendler-Plus von 422 Azubis in den Kreis Gütersloh. Tatsächlich bieten die Betriebe in Stadt und Kreis Gütersloh genügend Ausbildungsplätze an – ihre Zahl ist gegenüber dem Vorjahr sogar um 4,6 % auf 2.311 Ausbildungsstellen gestiegen. Im Gegensatz dazu, meldet die Arbeitsagentur, ist die Zahl der Bewerber im Kreis Gütersloh – Stand März – um 5,6 % auf 1.959 gesunken. Davon waren Ende März 2017 noch 1.063 Bewerber unversorgt und 1.174 Stellen unbesetzt. Es gab also im März einen leichten „Bewerberüberhang“, auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen kamen rein rechnerisch noch 110 unversorgte Bewerber. Die Relation zwischen Bewerbern und Ausbildungsstellen kann sich allerdings bis Ende des Ausbildungsjahres noch ändern. Berücksichtigen muss man auch, dass die Bewerber und die Unternehmen rechtlich nicht verpflichtet sind, sich bzw. ihre Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit zu melden – erfahrungsgemäß tun die meisten das allerdings, so Pressesprecherin Janine Billerbeck, die Jugendlichen empfiehlt, grundsätzlich offen und flexibel zu sein. Billerbeck: „Man sollte auch für die ,zweite Berufswahl’ offen sein und sich nicht zu sehr auf einen Wunschberuf versteifen. Es gibt außerdem auch Berufe, die Bewerberinnen und Bewerbern unbekannt sind, die aber dem Wunschberuf inhaltlich nahekommen können – auch hierfür sollte man offen sein. Außerdem sollte man über den Tellerrand hinausschauen und nicht nur in der eigenen Stadt nach einem Ausbildungsberuf suchen. Oft gibt es in der Nachbarstadt oder im Nachbarkreis noch eine freie Stelle, die auf Besetzung wartet.“

 

Unternehmerverband für den Kreis Gütersloh: Studiert die MINT-Fächer!

Der Unternehmerverband für den Kreis Gütersloh berichtet von einer kontinuierlich steigenden Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen im Industriebereich in Gütersloh und dem Kreis. Allein im vergangenen Jahr gab es ein Plus von 2 %. Alena Miorini, Mitglied der Geschäftsführung, beobachtet mehrere Entwicklungen auf dem aktuellen Ausbildungsmarkt: „Es ist eindeutig, dass der demographische Wandel greift – weniger Ausbildungskandidaten steht ein Mehr an Ausbildungsplätzen gegenüber. Das bedeutet aber nicht, dass alle Jugendlichen ihre Traumjobs bekommen. Rund 20 % aller Ausbildungen werden leider abgebrochen. In nicht wenigen Fällen passt das Matching nicht: Die suchen eigentlich etwas anderes, entscheiden sich aber für das falsche Angebot. Es ist nicht immer richtig, der Top-Ten-Liste des Arbeitsamtes zu folgen, attraktive Berufe und Ausbildungen gibt es auch bei kleineren und mittelständischen Unternehmen – vielfach sogar gerade dort, weil Auszubildende hier schneller in Verantwortung kommen können. Es gibt eine weitere Tendenz: Viele Jugendliche wollen lieber studieren, als nach dem Abitur eine Ausbildung anzutreten. Oft stecken hier auch die Eltern dahinter, die es gut meinen, aber die Chancen, die die Wirtschaft bietet, nicht wirklich erkennen. Der Fachkräftemangel ist teilweise schon hier im Kreis angekommen. Wer aber lieber zunächst studieren möchte, sollte sich auf die sogenannten MINT-Studienfächer konzentrieren: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Im Metallbereich beispielsweise gibt es eine gute Zukunft, gerade auch für Mädchen!“ Viel verspricht sich der Unternehmerverband von dem NRW-Landesprogramm KAoA (Kein Abschluss ohne Anschluss), dem sich die weiterführenden Schulen in Gütersloh angeschlossen haben. Die gute Zusammenarbeit zwischen Schulen und Ausbildungs- und Praktikumsbetrieben sowie Hochschulen ist ein probates Mittel, so Miorini, Sicherheit für den richtigen Ausbildungsplatz zu gewinnen. Miorini: „Meine Botschaft ist: Es braucht nicht unbedingt ein Studium, um erfolgreich im Beruf zu sein. Wir haben ein tolles Angebot in Gütersloh, auch wegen der vielen familiengeführten Unternehmen. Man muss nicht nur bei den Klassikern nachfragen.“ 

 

Kreishandwerkerschaft: Technologischer Wandel auch im Handwerk

Für Friedhelm Drüner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gütersloh, steht fest: In Gütersloh gibt es eine sehr komfortable Situation für Auszubildende. Durchschnittlich 700–750 Ausbildungsverträge pro Jahr, insgesamt 12 % mehr Ausbildungsplätze gegenüber 2016, dazu im handwerklichen Bereich fast eine Arbeitsplatzgarantie nach Abschluss der Ausbildung – es hat schon andere Zeiten gegeben. Das ist die gute Nachricht. Die andere Seite: Es sind nur noch 11,5 Prozent der Abiturienten, die für eine Ausbildung im Handwerksbereich zu gewinnen sind, der Trend zur Akademisierung, sagt Drüner, dauert an. „Die Zahl der Bewerber für eine Handwerksausbildung geht auch insgesamt zurück. Das ist einerseits verständlich, andererseits werden die Möglichkeiten, die das Handwerk perspektivisch bietet, nicht genügend beachtet. Nicht jeder muss Industriekaufmann werden. Es gibt im Handwerk eine Vielzahl von beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten, der technologische Wandel wird auch bei uns groß geschrieben und es gibt genügend Weiterbildungsangebote.“ Aktuell könnten 70 Ausbildungsstellen sofort besetzt werden, sei es im Elektro-, Kfz-, Tischler-, Metall-, Maschinenbau- oder im Sanitär, Heizung, Klimabereich. Vielleicht findet sich ja auch ein Bewerber für den Beruf des Bäckers – bisher ist noch kein einziger Lehrvertrag unterzeichnet worden, bei den Maurern sind es erst vier. Friedhelm Drüner empfiehlt, die Berufsinformationsbörse am 6. Mai in der Stadthalle Gütersloh zu besuchen und macht auch Mut, mal den kleinen Ausbildungsbetrieb um die Ecke zu besuchen: „Kontakte knüpfen, Berufe und ihre Entwicklungsmöglichkeiten kennenlernen, Chancen wahrnehmen!“