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Schwimmen, Radfahren, Laufen – nach zwölf Wochen kann jeder halbwegs sportlich Begabte einen Triatlon absolvieren. Foto: Jens Dünhölter.

„Yes, we can!“

Den Beweis für die These liefert der Stellvertretende Tri-Team-Abteilungsleiter am 21. Mai. Bereits zum 15. Mal findet an jenem Sonntag rund um das Nordbad-Areal der Gütersloher „Dalkeman“-Triathlon statt. Mitten in dem Getümmel der Schwimmradläufer werden sich um 13.15 Uhr mit sicherlich feuchten Händen, pochenden Herzen sowie einem mutigen, beherzten „Yes, we can“-Ausruf auf den Lippen auch die 38 diesjährigen Teilnehmer des gleichnamigen Anfängerkurses ins 50 Meter Becken stürzen. Dem feuchten 500 Meter Schwimmen folgen nach dem ersten Wechsel 20 Kilometer mit brennenden Beine und rasendem Puls auf dem (Renn)-Rad, ehe zum Abschluss die fünf Kilometer lange Laufrunde die letzten Kraftreserven fordert. Mit Überqueren des Zielstriches ist der vor drei Monaten, mit der ersten Trainingseinheit begonnene, andauernde Kampf gegen den inneren Schweinehund Vergangenheit. Die Glückshormone schießen wie Silvesterraketen in den hoffentlich angenehm warmen Mai-Himmel. Die Schindererei der Vorbereitung, die Gänsehaut beim Anschwimmen im April im Nordbad, müde Trainings-Beine nach Intervallläufen oder Radsprints, das bleierne, stets qualvolle Gefühl bei den Koppel- und Wechselübungen beim Training – all dies sind nur noch weit entfernte, müde belächelte Bildsequenzen. Das aufmunternde Kursmotto „Yes, we can“ ("Ja, wir können"; „Ja, wir schaffen das“, „Doch, wir können das“) wird durch das aufatmende, befreiende „Wir haben es geschafft“ ersetzt.

Die Grundlagen auf dem Weg zu ihrem persönlichen Erfolg haben sich die Triathlon-Novizen gemeinsam in dem von Sandra und Carsten Kuhlmann organisierten, von vielen freiwilligen Tri-Team Helfern begleiteten zwölfwöchigen Einsteiger-Kurs nach und nach erarbeitet. Den buchstäblichen Sprung ins kalte Triathlon-Wasser wagte eine von erfahrenen Athleten angeleitete Anfängergruppe erstmalig 2012. Schwimmtrainerin Stefanie Liesen sowie das Ehepaar Andrea und Eckhard Langner (beide gleichzeitig auch jahrelang Organisator des Dalkeman) wollten (Wieder-) Einsteigern durch gezielten Trainingsaufbau, kombiniert mit vielen theoretischen und praktischen Tipps in Sachen Regelkunde oder Wettkampfverhalten, den Start erleichtern. Die Idee schlug in der bestens vernetzten Schwimmradläufer-Szene ein wie eine kleine Wasserbombe. Mittlerweile werden ähnliche Kurse von fast allen Triathlon-Vereinen in der Umgebung angeboten. Der Hintergrund dieses Engagements ist relativ einfach – durch die ausgeklügelte Vorbereitung, den Spaß am Sport in einer Gruppe Gleichgesinnter, bleiben viele (Wieder)-Einsteiger dem Triathlon-Sport nach dem ersten Wettkampf weiterhin verbunden. Alleine 2016 traten von 35 „Yes, we can“-Teilnehmern anschließend 14 in den Verein ein. Für die 150 Mitglieder große Tri-Team-Abteilung um den Dreikampfvorsitzenden Eike Jan Diestelkamp eine extrem effektive Art der Mitgliederwerbung. Insgesamt hat das Tri-Team seit den Anfängen rund 180 Sportler erfolgreich mit dem Schwimmradlauf-Bazillus infiziert.

Einer dieser einstigen Novizen hält heute sogar die Kursfäden in der Hand. 2015 wagte Carsten Kuhlmann (48) als Spätberufener mit 46 Jahren seinen ersten 0,5-20-5 Wettkampf. Über die Zeit will er heute am liebsten nicht  mehr reden: „1:22. Aber schreib das bloß nicht.“ 2016 übernahm er die Kurs-Organisation („Ich bin kein Mann für die Zeit Reihe. Als ich ins Orga-Team eingestiegen bin, wollte ich nicht nur einfach mithelfen“), 2017 ist er erstmalig auch als Dalkeman-Verantwortlicher gefragt.

Die Unsicherheiten über das eigene Leistungsvermögen, den Respekt vor der Kombination der drei so unterschiedlichen Ausdauerdisziplinen im allgemeinen, sowie vor dem abschließenden Lauf im besonderen, entkräftet der mittlerweile bei Großveranstaltungen wie dem Dolomiti-Radmarathon, den Hamburg Cyclassics, dem Berliner Velothon und 15 Triathlons gestählte Pragmatiker mit dem Argument: „Es sind immer alle angekommen". Interessanterweise entwickele sich in dem freiwilligen Zusammenschluss  („In der Gruppe trainiert es sich leichter als alleine“) stets eine Eigendynamik. Die wöchentlich per E-mail verschickten, aufeinander aufbauenden Trainingspläne sind dabei durchaus anspruchsvoll gehalten. Carsten Kuhlmann: „Das ist eine gezielte, an den individuellen Fähigkeiten orientierte Vorbereitung. Die sollen nicht herumdödeln und alle über zwei Stunden brauchen.“ In der Tat finisht der Großteil in einer Zeit von 1:30 Stunden. Selbstredend gibt es in jedem Jahr auch Ausreißer nach oben (2012; 1:09 – bis heute Kursrekord) und unten (knapp unter 2 Stunden). Das Gros der Kursteilnehmer profitiert dabei von den Erfahrungen in einer der drei Disziplinen. Carsten Kuhlmann: „Egal ob Neu - oder Wiedereinsteiger, fast alle können eine Sportart richtig gut. Der Rest ist Training, Training, Training.“ Nach den ersten Leistungssteigerungen/Trainingserfolgen packe viele der Ehrgeiz. Carsten Kuhl-mann: „Ankommen ist das Hauptziel. Keine Frage. Schöner ist es aber, wenn es in der Zeit ist, die man sich vorgestellt hat.“ Gut ein Drittel habe die aus der Addition der einzelnen Sportarten plus Wechselzeit bestehende angestrebte Wunschzeit „sehr zügig im Kopf, das zweite Drittel in der Woche vor dem Wettkampf. Dem letzten Drittel ist die Zeit egal. Die wollen nur ankommen. Damit dabei nichts schief läuft, wird in dem in der Vorbereitung geschnürten Rund-um-Sorglos-Paket an alle Eventualitäten gedacht. Das Verhalten in der Wechselzone wird zur Vermeidung von Strafzeiten vor einer Ausfahrt auf dem umfunktionierten Porta-Parkplatz ebenso geübt wie das Wechseln eines Laufrades, der Austausch eines Schlauches, das Annehmen von Flaschen oder die bekanntesten Triathlon-Regeln. Carsten Kuhlmann: „Die Wettkampfrichter der Deutschen Triathlon Union unterscheiden nicht zwischen Yes-we-can-Kurs und einem 2-Liga-Starter. Die Regeln sind für alle gleich.“

Als Lohn für die drei bis vier individuell zu absolvierenden wöchentlichen Einheiten plus des im festen Rhythmus rotierenden Gruppentrainings (Garantiert werden mindestens je fünf gemeinsame Schwimm-, Rad- und Laufeinheiten) wartet im Ziel neben dem erhebenden Gefühl des Sieges über den inneren Schweinehund eine faustdicke Überraschung auf die neuen Schwimmradläufer. Alle Kursteilnehmer erhalten im Rahmen einer separaten Siegerehrung eine Belohnung für ihre sportlichen Lorbeeren. Was sich genau dahinter verbirgt, wird natürlich nicht verraten. Am Ende sind sich jedoch alle einig: Schwimmen, Radfahren und Laufen nacheinander auszuüben ist nicht nur etwas für die Hartgesottenen. Das beweisen die Teilnehmer des „Yes, we can“-Kurses Jahr für Jahr eindrucksvoll. Wer sich als Zuschauer davon überzeugen will, ist am 21. Mai herzlich auf dem Nordbad-Areal beim „15. Gütersloher Dalkeman“ willkommen. 


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