RSS Feed   |   Kontakt   |   Impressum

Achtung! Diese Seite verwendet Cookies.

Wenn Sie keine Cookies verwenden wollen, ändern Sie bitte die Einstellung in Ihrem Browser.

Worauf es beim Bewerbungsgespräch wirklich ankommt, verrät Helmut Flöttmann im Interview. Foto: Wolfgang Sauer

Mit Sicherheit in den Job

Ein konservativer Anzug, ein nicht zu kurzer Rock, ein fester Händedruck und gute Umgangsformen – das Vorstellungsgespräch ist die erste praktische Bestätigung des schriftlichen Eindrucks, heißt es. Doch stimmt das noch? Gibt es eine Art Knigge beim Vorstellungsgespräch? Und wenn ja, hat sich im Vergleich zu früheren Zeiten etwas geändert? – „Jein“, lautet die schlichte Antwort von Helmut Flöttmann, der 38 Jahre lang bei Miele die Aus- und Weiterbildung leitete. Der heutige Ruheständler war zudem Bundessachverständiger für die Schaffung von Ausbildungsberufen beim Bundesinstitut für Berufsbildung. Bis heute gehört er dem „Schlichtungsausschuss für Streitigkeiten in Ausbildungsverhältnissen“ der IHK Bielefeld und Paderborn an und ist
Mitinitiator der Berufsinformationsbörse in Gütersloh. 

Herr Flöttmann, die Frage nach einem Knigge beim Vorstellungsgespräch beantworten Sie mit „Jein“. Was meinen Sie damit?

Vieles gibt es immer noch, das ist klar. Doch bevor man diese Frage beantwortet, muss man die Situation der heutigen Schulabgänger verstehen, denn man bemerkt eine zunehmende Desorientierung. Wir haben in Deutschland zirka 360 Berufe; im Studienbereich gibt es sogar 18.000 unterschiedliche Fachrichtungen. Bei einer derartigen Vielfalt ist die Orientierung im Vergleich zu früher sehr schwer geworden. Das führt auch in manchen Fällen zu Unsicherheiten. Und das merkt man den Bewerbern im Gespräch häufig an. 

Doch die Zahl der Berufe wird sich nicht ändern. Was ist zu tun?

Ein Ausbilder muss erkennen, dass sich der Bewerber den Beruf auch wirklich ausgesucht hat und nicht, dass ihn Eltern oder Sachzwänge dazu verleitet haben. Wer ohne Überzeugung einen Beruf wählt, stellt später oftmals fest, dass die Entscheidung falsch war und bricht vielleicht sogar die Ausbildung ab. Trotz einer großen Informationsflut sind viele Schulabgänger unschlüssig, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Das betrifft vor allem die Abiturienten der G8-Reform. Die Abschlussjahrgänge haben kaum Zeit, sich mit der Berufswahl zu beschäftigen. Das heißt, wenn ich von einem Knigge spreche, steht an erster Stelle, sich mit Überzeugung einen Beruf auszuwählen. Denn genau diese Sicherheit sieht ein Ausbilder beim Bewerbungsgespräch. 

Es geht also beim ersten Eindruck vor allem um ein sicheres Auftreten?

Nicht nur, aber auch. Natürlich gehören zum Bewerbungsverfahren auch die Zeugnisse und ordentliche Dokumente. Doch letztendlich sind Schulnoten Momentaufnahmen aus der Schulzeit. Es geht also immer um den Gesamteindruck des Bewerbers. Nicht jeder Beruf verlangt eine eins in Mathe. Ein junger Mensch sollte deshalb zunächst einmal seine Fähigkeiten abklopfen und erkennen, welche seiner Neigungen in welchem Beruf verlangt werden. Das ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. 

 Gibt es bestimmte Regeln zur Kleiderwahl beim Bewerbungsgespräch?

Die Bewerber kleiden sich heute anders als früher. Kaum jemand kommt noch gestylt zum Bewerbungsgespräch. Das ist auch verständlich, denn die jungen Menschen sind geprägt von der jeweiligen Mode. Das sollte man akzeptieren. Oftmals ist ein bestimmtes modisches Auftreten auch ein gewisses Statement des Bewerbers. 

Was ist Ihrer Meinung nach noch wichtig?

Als Ausbilder muss man während des Gesprächs versuchen, zu einem Gesamtbild zu kommen. Dazu gehört auch die Beantwortung der Frage: Ist der Mensch zuverlässig? Kann er die Anforderungen des Berufs, die an ihn gestellt werden, voraussichtlich erfüllen? Doch letztendlich sind auch Einstellungsgespräche nur Momentaufnahmen in einer für den Bewerber noch nicht vertrauten Situation.

Dann achten sie auf Ihr Bauchgefühl?

Ja, und auf meine Erfahrungen. Doch jeder der einstellt wird bestätigen, dass man immer wieder Überraschungen bei seiner eigenen Einschätzung erlebt. So kann sich jemand, den man mit Bedenken eingestellt hat, toll entwickeln und ein anderer, den man als besonders fähig erachtet hat, Schwierigkeiten bekommen. Es gibt da kein Patentrezept. 

Wie also würden Sie den Bewerbungsknigge 2017 zusammenfassen?

Ein junger Mensch, der einen Beruf erlernen möchte, muss wissen, was er will. Der Ausbilder oder Personalchef muss den Eindruck bekommen, dass er sich wirklich engagiert und den gewählten Beruf für seine Zukunft wünscht. Wenn wir also von einem Knigge sprechen, dann sollte er die Voraussetzungen für den Beruf mitbringen und wissen, was von ihm verlangt wird. Daneben sollte er zuverlässig sein, korrekt handeln können und natürlich teamfähig sein.