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Markus Corsmeyer sprach mit dem Vorstand und der Geschäftsführung des deutschen Kinderschutzbundes Gütersloh. Foto: Wolfgang Sauer

„Belastungen in den Familien nehmen zu“

Der Deutsche Kinderschutzbund setzt sich für den Schutz von Kindern vor Gewalt, gegen Kinderarmut und für die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland ein. „Wir möchten eine kinderfreundliche Gesellschaft, in der die geistige, psychische, soziale und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gefördert wird. Dabei sollen Kinder und Jugendliche bei allen Entscheidungen, Planungen und Maßnahmen, die sie betreffen, beteiligt werden“, heißt es auf der Website des Vereins. 

Der Deutsche Kinderschutzbund wurde 1953 in Hamburg gegründet. Derzeitig engagieren sich rund 50.000 Einzelmitglieder im Kinderschutzbund und bilden damit die Basis des größten Kinderschutzverbandes in Deutschland. Für den Kreisverband Gütersloh ist das Jahr 2017 ein Höhepunkt in der Geschichte seines Bestehens, denn er feiert sein 60-jähriges Bestehen. Chefredakteur Markus Corsmeyer traf sich daher aus Anlass des runden Geburtstages mit Bettina Flohr (Geschäftsführerin), Burkhard Martin (Vorsitzender) und Brigitte Ahrens (Sozialpädagogin) in der Marienstraße.

Der Kinderschutzbund in Gütersloh wird 60 Jahre alt. Was bedeutet dieser Geburtstag für Sie?

Burkhard Martin: Wir werden 60 Jahre alt. Der Verein, der in so einer lebendigen Szene tätig ist, hat sich sehr gut entwickelt. Wir haben es immer wieder mit ständig wechselnden Anforderungen, Qualitätssicherungen und einer guten Ausbildung der Beratenden zu tun. Es ist eine Erinnerung an die Zeit wert. Wir denken darüber nach, wie man das Angebot im Sinne der Satzung unseres Vereins manifestiert. Wir werden aus Anlass des Geburtstages am 19. Mai eine kleine Feier auf unserem Gelände im Zusammenhang mit unserem Kinderspielplatz veranstalten. 

Wie ist der Kinderschutzbund in Gütersloh aufgestellt?

Bettina Flohr: Momentan haben wir vier Mitarbeiter, die für die fachliche Beratung zuständig sind. Zum vielfältigen Angebot zählen unter anderem: eine Trennung- und Scheidungsberatung, begleiteter Umgang, die Trennungs- und Scheidungsgruppe, das Familiencafé – alles, was andere Erziehungsberatungsstellen hier vor Ort leisten, bieten wir an. Wir haben spezielle Angebote. Dazu gehört das Projekt „Familienpaten Hand in Hand“ – eine Unterstützung für Familien mit jungen Kindern durch Ehrenamtliche. Sie werden fortgebildet und bei ihrer Arbeit hier vor Ort unterstützt. Sie werden nicht alleine gelassen. Das ist ein Markenzeichen des Kinderschutzbundes. Nicht nur in Gütersloh, sondern in ganz Deutschland. Neben diesem Familienpatenprojekt haben wir auch noch Sportpaten, die mit einem ähnlichen Konzept arbeiten. Die Sportpaten werden afortgebildet, um dann Kinder, die von Armut betroffen sind, in Sportangebote zu vermitteln. Unter unserem Dach gibt es auch das Projekt „Faba“. Hier sind Fachkräfte und Ehrenamtliche in enger Kooperation tätig. „Faba“ ist ein Naturprojekt für Kinder zur Unterstützung von Kindern aus Familien mit Sucht- und psychischer Erkrankung. Die Gruppe trifft sich auf Bethlehems Streuobstwiese mit Naturgarten in Isselhorst. Das Projekt hat viele Auszeichnungen erhalten, weil es Natur und psychische Unterstützung zusammenführt.

Wie ist die Situation der Kinder speziell in Gütersloh?

Bettina Flohr: Kinder sind hier in Gütersloh genau so von Armut, psychischer Belastung in den Familien oder Trennung und Scheidung betroffen wie in anderen Regionen. Die Arbeit hat aber in den vergangenen Jahren eher kräftig zugenommen. Die Belastungen in den Familien nehmen zu. Viele Eltern bewegen sich in prekären Arbeitsverhältnissen – das beinhaltet Stress für das gesamte Familienleben. Wir arbeiten zurzeit in einem Arbeitskreis mit vielen anderen zusammen und wollen zum Thema Kinderarmut unseren Beitrag als Kinderschutzbund leisten. 

Ist Armut ein Thema in Gütersloh?

Bettina Flohr: Armut ist ein Thema in dieser Stadt – wie in anderen Städten auch. 

Burkhard Martin: Das Thema Armut betrifft alle Altersgruppen. Auch die Senioren sind betroffen. In diesem Arbeitskreis geht es auch um Seniorenarmut. Wir nehmen unter dem Gesichtspunkt „Kinder und Jugendliche“ an dieser Konferenz teil. Unsere Aufgabe ist es, diesen Teil des Themas „Armut in unserer Gesellschaft“ zu bearbeiten. Der Spiegel der gesamten Gesellschaft in der Bundesrepublik findet sich auch in Gütersloh wieder. Es ist ein Thema, über das es sich in Gütersloh zu sprechen lohnt.  

Bettina Flohr: Vor einigen Jahren hatten wir den Weltkindertag zum Thema Kinderarmut . Damals haben wir recherchiert. Es waren rund 

6.700 Kinder, die in der Stadt und im Kreis Gütersloh von Armut betroffen sind. Wir hatten im vergangenen Jahr rund 200 Familien in unserem professionellen Beratungsbereich. Im Sportpatenprojekt sind cirka 100 Kinder betreut worden.

Sie haben ein relativ neues Projekt ins Leben gerufen: das Familiencafé ...

Burkhard Martin: Im Juni 2015 haben wir unser Familiencafé „Kinderleicht“ in Betrieb genommen. Es hat besondere Aufgaben. Im Café gibt es ein sehr umfangreiches und erstaunliches, von der Aktion Mensch akzeptiertes, Programm.

Brigitte Ahrens: Wir bieten ein präventives Angebot, das sich an alle Mütter richtet. Wir haben festgestellt, dass viele Mütter sehr isoliert leben. Manche haben kaum Unterstützung, keine Verwandten. Sie suchen einen Austausch. Dazu finden Eltern in unserem Familiencafé Gelegenheit. Die Kinder nehmen das erste Mal auch Kontakt zu anderen Kindern auf. Wir sind auf die Idee gekommen, ein Familiencafé zu eröffnen, da es in Düsseldorf beim Kinderschutzbund bereits ein solches Projekt gibt. Wir haben Kontakt aufgenommen und waren überzeugt, dass eine ähnliche Einrichtung gut nach Gütersloh passen würde. Wir waren in Gütersloh mit dem Familiencafé Vorreiter – mittlerweile gibt einige andere Cafés ...  Das Café wird sehr gut angenommen.

Was bieten sie in diesem Familiencafé?

Brigitte Ahrens: Wir haben an vier Vormittagen von jeweils 9 bis 12 Uhr geöffnet. Wir bieten ein auf Spendenbasis finanziertes Frühstück an. Darüber hinaus gibt es eine Beratung. Wir organisieren zusätzlich Vorträge zu Themen rund um das Kind. Auch Kurse. Beim Frühstück tauschen sich die Eltern über Fragen aus, beantworten sich gegenseitig Fragen oder geben Unterstützung. Inzwischen haben sich etliche Freundschaften und engere Kontakte ergeben. Das Beratungsangebot wird gut angenommen, und die Vorträge, die sich an den Interessen der Eltern orientieren, werden auch gut besucht.

Welche Beratungen bieten Sie genau an?

Brigitte Ahrens: Die Mütter kommen mit Themen wie: „Mein Kind kann nicht schlafen“, „Mein Kind isst nicht richtig“ ... Dann gibt es eine Kurzberatung, Wenn wir merken, dass wir mehr Zeit investieren müssen, werden Einzeltermine vereinbart. Häufig vermittele ich auch in andere Organisationen beziehungsweise Institutionen. Mutter-Kind-Turnen, Krabbel- und Spielgruppen werden häufig abgefragt. Ich vermittle auch Sozialberatung. Wir helfen den Menschen bei der Wohnungssuche – das ist ein brennendes Thema. 

Burkhard Martin: Es ist wichtig, dass vom Café aus die Vernetzung im Kreis Gütersloh genutzt wird und sie den Menschen auch zugänglich gemacht wird. Hier erfolgt tatsächlich eine Beratung und Hilfe im erforderlichen Maße an der richtigen Stelle. Für die Eltern ist der Zugang zu den Institutionen mit geringeren Schwellen verbunden.

Ein sehr umfangreiches Angebot. Gibt es noch mehr Angebote im Gelände?

Brigitte Ahrens: Wir haben auch noch einen Second Hand-Laden, der sehr gerne von vielen Müttern genutzt wird. Dort verkaufen wir unter anderem für ganz wenig Geld Babykleidung. Im vergangenen Jahr haben wir einen Flohmarkt organisiert. Es hat sich auch eine Sportgruppe aus dem Familiencafé heraus entwickelt. 

Welche weiteren Anliegen hat der Kinderschutzbund in Gütersloh?

Bettina Flohr: Wir werden von der „Aktion Mensch“ gefördert. Wir sprechen auch  Familien an, die ein gehandicaptes Kind haben, um sie zu integrieren. Wir bauen ganz frühzeitig Schwellenängste ab. Das ist auch ein Anliegen von uns. Wir merken, dass es nicht einfach ist. Wir richten dennoch immer wieder den Blick in die Richtung des Integrativen. 

Burkhard Martin: Die Bürgerstiftung hat sich auch mit in das Familiencafé eingebracht. Sie hat ein dauerhaftes Interesse an unserer Arbeit. Von der ersten Stunde an, und das Interesse ist auch nicht abgebrochen. Es ist wichtig, wenn man ein Stück weit von der Gesellschaft getragen wird. Etwas Besonderes ist natürlich der Weltkindertag. Das ist unser „Festtag“. Er findet immer auf dem Platz vor der Martin-Luther-Kirche statt. Dort zeigen wir uns – auch mit einer Bühne, auf der Kinder und Jugendliche Vorführungen darbieten. Das wird im Wesentlichen durch die Schulen initiiert.  Wir stellen uns dort auch als Verein mit seinen Aufgaben vor.


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