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Spielszene aus der letzten Saison vor dem Aus nach 22 Jahren. Im Zweikampf: Wojcreck Choroba

„Uns fehlt der Glaube, dass die Dinge nachhaltig besser werden“

In unserer großen Serie über den Aufstieg und Fall des FC Gütersloh beleuchtet GT- INFO die rasante sportliche Entwicklung des Fusionsvereins FC Gütersloh, der 1987 mit großen sportlichen Erwartungen startete, zu ungewöhnlichen Höhenflügen ansetzte und als FC Gütersloh 2000 im Fußball-Nirwana endete.


Medieninteresse am FC Gütersloh. Hannes Linßen im Gespräch mit Journalisten.

Das böse Ende des Vereins, der nur 22 Jahre existierte, kam ausgerechnet am Valentinstag. Der 14. Februar 2000 ging als rabenschwarzer Tag in die Analen des FC Gütersloh ein: der Insolvenzplan wurde zurückgezogen – das Ende des Vereins. Was war passiert? Finanziell angeschlagen war der Verein schon länger. Im April 1997 musste der FC Gütersloh bereits um seine Lizenz zittern. Wegen Unkorrektheiten im Lizensierungsverfahren verurteilte der DFB-Kontrollausschuss den Club zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Mark und einem Drei-Punkte-Abzug. Der Abstieg konnte knapp verhindert werden, die folgende Saison geht als die sportlich erfolgreichste in die Geschichte des FCG ein. In der Spielzeit 1997/98 standen die Gütersloher Spieler (siehe Teil II) lange Zeit auf einem Aufstiegsplatz, wurden aber auf der Zielgeraden, kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga, abgefangen. Am Ende hieß es „nur“ Platz Fünf. In der anschließenden Saison deuteten sich bereits die ersten Auflösungserscheinungen an, das Drama des FC Gütersloh begann ... Drei (!) Trainer schafften es nicht, den Verein vor dem Abstieg zu retten. Danach ging es auch finanziell rasant bergab. Im Sommer 1999 nahm eine gewaltige Schuldenlast dem FC Gütersloh die Luft zum Atmen. Die Finanznöte des Vereins waren gewaltig. Das Finanzamt hatte gegenüber dem Verein einen Pfändungsbeschluss erwirkt. Der in die Regionalliga abgestiegene Verein hatte mit dem Finanzamt eine Stundungs- und eine Vollstreckungsvereinbarung getroffen. Diese betraf noch zu zahlende Umsatzsteuern und andere Nachzahlungen sowie eine Stundung der Lohnsteuer und eine Stundung der Lohnsteuer und eine Stundung von nicht geleisteten Nachzahlungen aus Zeiten der Steuerfahndung. Die Stundung war bis zum 30. Juni 1999 datiert. Als der FC Gütersloh an diesem Stichtag nicht gezahlt hatte, wurde die Finanzbehörde aktiv und leitete Pfändungen beim DFB ein. Es ging um eine Summe von mehr als 954.000 Mark. Mit sorgenvoller Mine nahm der damalige Präsident Dr. Jürgen Krämer die Pfändungsaktion des Finanzamtes beim FC Gütersloh entgegen. „Wir haben die vereinbarte Zahlungsfrist bis zum 30. Juni nicht einhalten können, weil sich beim DFB die Auszahlung uns zustehender Gelder verzögert hat“, erklärte Krämer damals gegenüber einer Gütersloher Tageszeitung, „Wir werden, sobald das erfolgt ist, die unliebsame Geschichte schnellstmöglich aus der Welt schaffen“, erklärte der Prä­sident weiter. Im November des gleichen Jahr reichte der FCG den Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Bielefeld ein. Im Dezember 1999 trafen sich Vereinsvorstand und Vertreter möglicher Großsponsoren Miele, Bertelsmann, Tönnies und Kleinemas zu einem Rettungsgespräch – ohne Ergebnis. Am 27. Dezember entschieden sich die Weltfirmen Miele und Bertelsmann gegen den FC Gütersloh. Sie wollten mit keinen Geldspritzen in Millionenhöhe dem notleidenden Verein unter die Arme greifen.


Die Pokale dokumentieren die Erfolgsgeschichte des FC Gütersloh. Im Hintergrund die Sponsorentafel.
[Umbruch]

Da wurde noch gefeiert – im VIP-Bereich des FC Gütersloh.
„Uns fehlt der Glaube, dass die Dinge beim FC Gütersloh nachhaltig besser werden“, machte die Neue Westfälische im November 1999 einen Artikel über die Bertelsmann-Absage auf. „Mit diesem Satz begründete Unternehmenssprecher Manfred Harnischfeger (...) die Absage des Medienkonzerns, einen finanziellen Beitrag zu Sanierung des hochverschuldeten Fußballregionalligisten zu leisten“, berichtete die Tageszeitung. Es war nicht mehr zu übersehen. Das Tischtuch zwischen Bertelsmann, Miele und der FCG-Führung schien zerschnitten. Offensichtlich hatte die Führung des Gütersloher Vereins, zu denen neben Manager Volker Graul auch die ehemaligen Bertelsmann-Manager Dr. Manfred Niewarra und Dr. Jürgen Krämer zählten, jeden Kredit verspielt. Nach der Absage von Miele und Bertelsmann zeigte sich auch Insolvenzverwalterin Cornelia Mönert verzweifelt. „Nur ein Wunder kann den FC Gütersloh noch retten“ erklärte die Bielefelder Rechtsanwältin nach der Absage der Weltfirmen. Mönert beantragte am 1. Januar 2000 das Insolvenzverfahren für den FC Gütersloh. Dann schien das Wunder doch noch einmal nahe ... Anfang Januar 2010 meldete die Tageszeitung Die Glocke: „Gerettet! Der FC Gütersloh wird weiterleben. Lange Zeit stand die Zukunft des FC auf des Messers Schneide, jetzt steigt der Verein scheinbar wie Phönix aus der Asche.“ Der Grund für die Euphorie: Eine Feinmechanik-Firma wollte den Verein mit 1,1, Millionen Mark retten und den Spielbetrieb bis zum 30. Juni sichern. Doch dann tauchten wieder einmal neue Probleme auf: Das Finanzamt prüfte nachhaltig und ermittelte eine höhere Steuerschuld. Die Lage spitzte sich dramatisch zu. Am 14. Februar 2000 dann das endgültige Aus – der Insolvenzplan wurde zurückgezogen. Der FC Gütersloh exis­tierte nicht mehr ... Alle Beteiligten des Vereins waren geschockt, als Cornelia Mönert den Rückzug des Insolvenzplans und damit das Ende des Clubs verkündete. Dazu schrieb das Westfalen Blatt: „Emotionen kennzeichneten die Szene erst außerhalb des Verhandlungssaals auf dem Flur des Bielefelder Gerichts. Nachdem das Ende des FC Gütersloh rechtskräftig war, konnten einige der Gläubiger ihre Gefühle nicht verbergen. Otto Großehambrinker musste gestützt werden, weil er mit einem Weinkrampf zu kämpfen hatte. ‚Das kommt davon, wenn man sich auf einen Präsidenten verlässt, der nicht mit Zahlen umgehen kann, trauerte der frühere Möbelfabrikant.“ „Hier sind Millionen kreuz und quer gelaufen, der Verein ist wie ein Tante-Emma-Laden verwaltet worden“, zitierte die Glocke Insolvenzverwalterin Cornelia Mönert, die sich den FCG-Fans nach dem Ende des Vereins den Fans im Brauhaus stellte. „Die Unterlagen sind zum Teil gar nicht oder erst verspätet aufgetaucht, so zum Teil eine von Volker Graul eingereichte Abtretung aus dem Jahr 1995, die aussah, als sei sie in der Garage gefunden worden, so Mönert in der Tageszeitung. „Das ist eine sehr, sehr bittere Nachricht. Ich glaube, alle FC-Fans fallen in eine tiefe Depression. Man kann nur hoffen, dass es zu einem Neuanfang kommnt. Vielleicht ist es aber auch gut so, dass endlich alle Zöpfe abgeschnitten werden. Ich war erster Trainer nach der Gründung des Clubs 1978, und jetzt bin ich traurigerweise als A-Junioren-Coach wieder dabei.“ Fritz Grösche, ehemaliger Trainer des FC Gütersloh, nach dem Aus des Vereins.

Das Ende des FC Gütersloh – Die BILD-Zeitung zeigte sich geschockt.

In der nächsten Ausgabe:
Neuanfang – die „Geburt“ des FCG 2000



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Kommentare zu diesem Beitrag:
02.05.2010 - Gerd
... das erinnert mich fatal an die heutige Situation. Hoffentlich kriegen die das in den Griff. Ich glaube aber nicht dran.

07.05.2010 - Fan
Die Serie ist gut. Aber man soll nicht immer in de Vergangenheit schwelgen. Aktuell ist die Situation gar nicht so schlecht.

13.05.2010 - Wolle
Gerettet - das is wichtig. Ihr macht doch nur alles schlecht und wühlt immer in der Vergangenheit. Das kotzt mich an! Wir kommen wieder. FCG forever.