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Foto: Moritz Ortjohann

Achtung Schlaganfall!

Fast 270.000 Menschen erleiden jährlich einen Schlaganfall in Deutschland. Obwohl die Häufigkeit mit zunehmendem Lebensalter steigt, können bereits Säuglinge betroffen sein. Es sind beunruhigende Fakten, zu lesen auf der Internetseite der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. 1993 von Liz Mohn ins Leben gerufen, begeht die Organisation mit Sitz in Gütersloh in diesen Tagen ihr 25-jähriges Bestehen. Sie berät deutschlandweit Betroffene und setzt sich für die Schlaganfallversorgung, aber auch für die Prävention ein, denn: „Obwohl ein Schlaganfall jeden treffen kann, gibt es gewisse Vorsorgemaßnahmen, die jeder Einzelne von uns umsetzen kann“, weiß Dr. Bettina Begerow. Die Sport- und Rehabilitationswissenschaftlerin ist ausgebildete Sporttherapeutin und bei der Stiftung Expertin für Prävention und die integrierte Versorgung des Schlaganfalls.

Als Ursache für 90 Prozent aller Schlaganfälle nennt die Wissenschaft Risikofaktoren, wie zunehmendes Alter und Vererbung, aber auch weitere, die durchaus beeinflussbar sind. 70 Prozent der Schlaganfälle gelten als vermeidbar, sie gehen auf sogenannte Lebensstilfaktoren zurück. Dazu gehören Bluthochdruck und Diabetes genauso wie Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und Alkoholgenuss. Sie alle erhöhen das Risiko für Gefäßerkrankungen wie die Arteriosklerose. Dabei können sich an den geschädigten Gefäßwänden der Hirnarterien Blutgerinnsel festsetzen und sie verschließen. Die Region wird nicht mehr durchblutet, ein Schlaganfall ist die Folge.

 

Frau Dr. Begerow, zur Prävention gehört die Bewegung. Was empfehlen Sie denjenigen, die sich bisher wenig sportlich betätigt haben oder vielleicht zu alt fühlen?

Dr. Bettina Begerow: Man ist nie zu alt, anzufangen. Grundsätzlich sollte man sich zu nichts zwingen, sondern darauf zurückgreifen, an dem man Freude hat und vielleicht sogar ein Talent besitzt. Man kann sich auch an der alltäglichen Bewegung orientieren, wie dem Gehen und es langsam steigern – vom Gehen zum Wandern, bis hin zu Nordic Walking, Joggen oder Laufen. All das kann zusätzlich mit Übungen verbunden werden. Gleiches gilt für das Fahrradfahren. Wer keine Lust auf Aktivitäten im Freien hat, kann Zuhause mit einfachen Übungen anfangen.

 

Doch aller Anfang ist alleine besonders schwer...

Dr. Bettina Begerow: Das stimmt. In dem Fall ist ein Fitness Studio oft die bessere Wahl. Dort ist das Angebot breit aufgestellt und man kann sich ein individuelles Programm zusammenstellen lassen. Flexible Zeiten ermöglichen jederzeit ein gezieltes Einzeltraining oder innerhalb einer Gruppe zu festen Terminen.

 

Was empfehlen Sie Menschen, die bereits an Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht leiden? 

Dr. Bettina Begerow: Sport ist ja grundsätzlich nicht schädlich und sportliche Aktivitäten können eine Ergänzung zur medikamentösen Therapie sein. Selbst für Patienten die stark eingeschränkt sind, gibt es Bewegungstherapien wie die Elektro-Muskelstimulation oder das Ganzkörpervibrationstraining. Doch grundsätzlich sollte man in dem Fall einen Belastungstest machen lassen.

 

Was gehört noch dazu, einem Schlaganfall vorzubeugen? 

Dr. Bettina Begerow: Ein wichtiger Aspekt ist die Achtsamkeit, um auf das eigene Befinden und die Emotionen zu reagieren. Diese Selbstbeobachtung zeigt, was äußere Reize im Körper auslösen: Wie wirkt Stress auf mich, wie reagiert mein Körper auf Ruhelosigkeit und wann setzt sie ein? Welchen Schlaf-Wachrhythmus habe ich? Wie sieht die Balance zwischen Arbeit und Freizeit aus? Welches Essverhalten habe ich und wie ist mein Umgang mit Nikotin und Alkohol? Schaue ich mir meine Lebensstilfaktoren an, sehe ich, was sie in mir auslösen. Denn Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden gehören zusammen.

 

Das heißt aber auch: Übe ich Gelassenheit im Umgang mit Menschen und Umfeld, gehe ich schonender mit mir selbst um?

Dr. Bettina Begerow: Ja, denn es ist eine Art Reflektion: Wie wirkt etwas auf mich ganz persönlich und wie kann ich ändern, was mir nicht gut tut. Jeder sollte seine Prioritäten erkennen, damit es ihm gut geht – auch was den Faktor Stress betrifft. Es gibt Menschen, die brauchen eine hohe Dosis an Aktivität während andere das gar nicht ertragen können. 

 

Das steht jedoch im krassen Gegensatz zum hektischen Zeitgeist, der oftmals ständige Erreichbarkeit fordert, die vielen bewusst oder unbewusst zusetzt. 

Dr. Bettina Begerow: Absolut. Man sollte
all das auf den Prüfstand stellen und schauen, was sich abstellen oder eindämmen lässt. Auch die richtige Dosis an
Schlaf ist wichtig. Ein Leitfaden besagt, es sollten nicht weniger als sechs Stunden
sein, und es müssen nicht mehr als acht sein. Auch wenn das auf 80 Prozent der Bevölkerung zutreffen mag, muss jeder für sich selbst entscheiden, wann er sich ausgeruht fühlt. Ob Frühaufsteher oder Nachtmensch – der Biorhythmus ist sehr unterschiedlich.

 

Übergewicht ist ein weiteres Thema und damit sind wir bei der Ernährung. Doch da wird es auch speziell: Möchte ich abnehmen, habe ich heute die Qual der Wahl zwischen unterschiedlichen Diäten und Ernährungskonzepten. Was empfehlen Sie?

Dr. Bettina Begerow: Natürlich gehört Gemüse auf den Speiseplan und obwohl Obst gesund ist, sollte man berücksichtigen, dass es Zucker und Kalorien enthält. Grundsätzlich empfehle ich, auf saisonale und regionale Angebote zu achten, bei Fleisch und Fisch auf die Herkunft. Ein wichtiger Aspekt ist auch der Salzgehalt in den Speisen. Damit meine ich nicht das Salz auf dem Frühstücksei, sondern versteckte Salze in Fertiggerichten, Soßen und allem, was gepökelt oder konserviert ist. Wir nehmen heute viel mehr Salze zu uns als früher. Das hat zur Folge, dass ein erhöhter Blutdruck bereits bei jüngeren Menschen häufiger anzutreffen ist. Deshalb schadet es nicht, wenn man auf Fertigprodukte weitestgehend verzichtet und bei der Zubereitung frischer Produkte die Zugabe von Salz selbst bestimmt.

 

Gleiches gilt auch für den Konsum von Zucker in Anbetracht von Risiken wie erhöhtem Blutzuckerspiegel, Blutfettwerten und Diabetes.

Dr. Bettina Begerow: Das ist richtig, denn es gehört zur Prävention, auf den Zuckerkonsum zu achten. Heute ist Zucker überall enthalten: in Fruchtsäften, Süßigkeiten, aber auch in Fertiggerichten, verarbeiteter Wurst oder in Soßen. Man hat nachgewiesen, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel und Diabetes mittlerweile viele jüngere Menschen betrifft. 

 

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