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Idylle pur mit Kirche und Pfarrhaus: Attenbourrough Village liegt in direkter Nähe zu Broxtowe, im berühmten Nottinghamshire, wo der Legende nach ein gewisser Sheriff für Unruhe sorgte. Foto: Stadt Gütersloh

„Ich erkenne Hoffnung“

Der Brexit ist – bis auf weiteres – beschlossene Sache. Doch er bedeutet möglicherweise auch einschneidende Veränderungen für deutsche Kommunen und ihre Städtepartnerschaften. Was also bedeutet der Brexit in Bezug auf die Partnerschaft mit dem britischen Broxtowe? GT-INFO-Redakteurin Birgit Compin hat Bürgermeister Henning Schulz befragt.

Im nächsten Jahr besteht die Städtepartnerschaft zu Broxtowe 40 Jahre. Was zeichnet diese lange Städtepartnerschaft aus?

Die Vielfalt der Kontakte auf unterschiedlichsten Ebenen unserer Städte. Unsere Städtepartnerschaft ist in all den Jahren vital geblieben. Das Städtische Gymnasium pflegt den Austausch  zweimal im Jahr. Oder ich denke an die gegenseitigen Besuche zwischen dem Gütersloher Twinning Club in Broxtowe und dem Verein DJK Blau-Weiß Avenwedde, die – und das finde ich sehr beeindruckend – seit Bestehen der Partnerschaft gepflegt werden. Das zeichnet unsere Städtepartnerschaften aus, dass sie  – man kann schon sagen über Generationen – Bestand haben. 

 

Wenn die Briten aus der EU ausscheiden, wird das auch sicherlich die vielen Deutsch-Britischen Städtepartnerschaften betreffen. Was bedeutet der Brexit in Bezug auf die Partnerschaft mit Broxtowe? Werden sich die Beziehungen dadurch verändern – oder haben sie sich bereits geändert?

Globale Probleme, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich, die der Brexit voraussichtlich auslöst, werden sich meiner Meinung nach nicht auf die freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Städten auswirken. Wichtig ist, dass allen Akteuren bewusst wird, dass ein „Brexit“ keine Schranken in den Köpfen aufkommen lässt – der Austausch ist deshalb wichtiger denn je. Es sind die Menschen, die den Wert einer Städtepartnerschaft ausmachen. 

 

Nach dem Brexit werden möglicherweise
die EU-Fördergelder zur Förderung Deutsch-Britischer Städtepartnerschaften entfallen. Wird auch das zu Erschwernissen in den Beziehungen führen? 

Die Stadt Gütersloh bezuschusst Fahrten von Jugendlichen in die Partnerstädte mit einer Übernahme von 20 Prozent der Fahrtkosten. Es gibt im Rathaus keinen Überblick darüber, inwieweit Vereine und Schulen zusätzlich EU-Fördergelder in Anspruch nehmen. Aus meiner Sicht dürfen finanzielle Gründe nicht dazu führen, dass gegenseitige Besuche zwischen unseren Partnerstädten nicht stattfinden – ein angemessener Rahmen mal vorausgesetzt.

 

Viele meinen, der Brexit kann eine Chance für Europa sein. Wie sehen Sie das, und wie ist Ihre persönliche Sicht zum Thema Brexit und Deutschland/Europa?

Der Austritt von Großbritannien aus der EU hat mich nicht überzeugt. Ich erkenne aber auch „Hoffnung“ in der Form, dass sich viele EU-Bürger leider erst durch diesen radikalen Schritt klargemacht haben, wie wertvoll Europa für ihr Leben und eine friedvolle Zukunft ist. Ich verbinde damit die Zuversicht, dass manchmal erst der Verlust von Dingen den klaren Blick zurückbringt. Ein Staatenbündnis wie die EU ist auf die Solidarität jedes Staates angewiesen und kann nur dadurch seine Stärke beweisen und ausbauen. Viele Themen unserer Zeit sind nur global, also sogar in größeren Bündnissen als die EU zu lösen – das sollte sich jeder Kritiker Europas klarmachen: Abgrenzung hat in der Geschichte langfristig nie positive Konsequenzen gehabt.

 

Mittlerweile wird ganz offen vom Exit vom Brexit gesprochen. Was meinen Sie dazu?

Die Abstimmung für den Brexit war seinerzeit denkbar knapp. Ich vermute, dass viele Befürworter erst im Nachhinein die tatsächlichen Konsequenzen realisiert haben – die Komplexität ist so groß, dass man sie eigentlich gar nicht angemessen mit einem „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. So eine Entscheidung macht auch deutlich, dass sich die Regierenden sehr genau vorher fragen müssen, welche Fragen sie stellen oder besser nie stellen! Eine Abkehr vom Brexit würde ich im Sinne einer starken EU begrüßen

 
 

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