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Nach der Wahl: die Zukunft im Auge

Ralph Brinkhaus (CDU):
 
Was hat den Wahlkampf für Sie zu einem besonderen gemacht?
Ich bin so fertig wie noch nie! Das war ein unglaublicher Hype mit zig Presseterminen, unzähligen Mailanfragen, 50 Mittendrin-Veranstaltungen, zig Podiumsdiskussionen und so weiter. Ich bin traurig über die Bundesebene, dass wir bei den Themen Migration und Sicherheit viele Wähler nach rechts zur AfD verloren haben. Aber auch stolz auf unsere Ergebnisse hier vor Ort.

Ihr Kommentar zum SPD-Ergebnis?
Das ist nicht gut. Wir brauchen eine starke SPD und eine starke CDU. Das ist ein Erfolgsmodell, mit dem Deutschland groß geworden ist. Es hat dem Land immer gut getan, wenn wechselweise regiert werden kann. Ich hoffe, dass wir zu diesem Modell zweier großer Volksparteien wieder zurückfinden.

Welche politische Essenz ziehen Sie aus diesem Wahlkampf?
Es ist spürbar, dass es eine große Unsicherheit gibt, wie es weitergeht. Wir brauchen aber eine Perspektive, eine neue Geschichte, wie es in den nächsten zehn bis 15 Jahren weitergehen kann. Es wurde viel zu viel über das Tagesgeschäft geredet, ob wir zum Beispiel das Arbeitslosengeld um ein halbes Jahr verlängern sollen oder nicht. Und wer und an welcher Stelle in der Vergangenheit falsch gehandelt hat. Wir müssen aber über ganz andere Themen sprechen, die Stichworte sind Digitalisierung, Automatisierungen im Einzelhandel, Industrie 4.0, Migration aus Afrika und so weiter. Wir müssen einfach neue Fragen stellen, die uns in diesem Wahlkampf von keinem gestellt wurden.

Jürgen Wächter (Bündnis 90/Die Grünen)

Nach Ihrem ersten großen Wahlkampf: Was war Ihre wichtigste persönliche Erfahrung?
Ich habe ja mal Politikwissenschaften studiert und weiß um die Theorie. Heute arbeite ich in der Verwaltung im Wasserbereich, wodurch ich auch den Umgang mit der Politik kenne. Dass ich jetzt selbst in der Politik kandidiert habe, ist eine dritte Erfahrung. Das war interessant und lehrreich.

Was haben Sie aus den Wahlkampfgesprächen mit den Menschen mitgenommen?
Dass wir ihnen mehr zuhören müssen. Vielen Menschen geht es ja sehr gut, keine Frage. Aber bei einem Teil der Bevölkerung ist das Sozialthema das Dringendste. Diese Menschen sind sehr frustriert, und viele haben aus Protest die AfD gewählt, eine Partei, bei deren Statements bei Diskussionen ich mich oft an die historischen Debatten aus den 30er-Jahren erinnert fühle. Was mir ansonsten auffiel: Die urgrünen Themen wie Klimaschutz wurden in den Diskussionen so gut wie nie angesprochen, bis auf den Diesel. Ich musste bei Veranstaltungen dann immer einen Schlenker bringen, um sie anzusprechen.

Wie optimistisch sind Sie eigentlich noch, dass die großen Zukunftsfragen gelöst werden können?
Ich bin auf jeden Fall optimistisch. Wir hatten mehrere Podiumsdiskussionen in den Schulen, die mich jedes Mal beeindruckt haben. Die jungen Leute zeigten viel Hintergrundwissen und waren sehr engagiert. Sie haben den Willen, nach vorne zu gehen und entwickeln Ideen für eine langfristige Politik. Das war toll und ich glaube, dass da was heranwächst, was unser Land nach vorne bringen wird.

Elvan Korkmaz (SPD)

Was war die wichtigste Erkenntnis in diesem Wahlkampf für Sie? Was nehmen Sie mit als politische Erfahrung für Ihre weitere Arbeit?
Dass wir uns ganz entschieden um die sozialen Nöte und Sorgen von Teilen der Bevölkerung kümmern müssen. Ich habe in den vielen Gesprächen mit Bürgern gespürt, dass die Menschen Angst um ihre Zukunft haben. Sie wollen klare Antworten und Entscheidungen. Leider lassen sich zu viele Menschen von Parolen statt Inhalten blenden.

Wie interpretieren Sie die Erfolge der AfD?
Das Ergebnis ist schlimm. Die Parteispitze ist offen rechtspopulistisch und nationalistisch. Wir sollten jedoch weniger über die AfD reden als über die Anliegen vieler Menschen, die zu Protestwählern werden. Soziale Gerechtigkeit  und Bürgerinnen und Bürger, die sich abgehängt fühlen, sind dabei wichtige Aspekte.

Im NRW-Landtag wie im Bundestag ist die SPD jetzt nur noch Opposition. Wie schwer fällt es Ihnen, die Politik nicht mehr maßgeblich selbst gestalten zu können?
Natürlich sind wir Sozialdemokraten enttäuscht über diese Wahlniederlagen mit diesen Konsequenzen für unsere Partei. Aber wir nehmen die neue Rolle an und können jetzt die Kompromisse aus der großen Koalition angehen und unser Profil schärfen. Reformbedarf und die Notwendigkeit zum Abbau von Privilegien und Sonderregelungen drängen - von Rente über Bildung und Gesundheit bis zum Investitionsstau. Die SPD muss die Partei der Zukunft werden. Die Herausforderungen sind gewaltig und wir haben die Antworten. Ich freue mich, die nächsten vier Jahre daran mitzuarbeiten.



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